OKEx: Future-Handelsdefizit "eine wertvolle Lektion" für Kryptobörsen

Die Welt des Futures-Handels mit Bitcoin ist für den traditionellen Investor noch sehr neu, da dieser erst im Dezember letzten Jahres eingeführt wurde, als die CBOE und die CME ihre Produkte auf den Markt brachten, was einen großen Schub für die Bitcoin-Akzeptanz hätte bedeuten sollen.

Für diejenigen, die bereits mit Kryptowährungen zu tun haben, gab es jedoch bereits vor den großen CME- und CBOE-Einführungsterminen die Möglichkeit, Bitcoin-Futures - und andere Kryptowährungs-Futures - zu handeln. OKEx hat nun am 3. November 2017 auch tatsächlich einen BTC-, BCH- und ETH-Future-Handel angekündigt.

Aber selbst mit diesen Sprung auf dem Futures-Markt, noch dazu als zweitgrößte Kryptowährungsbörse nach Volumen, hatte OKEx bisher seine Probleme mit dem Futures-Handel. Zuerst gab es am 30. März abnormale Kurse, mit denen sie zu ringen hatten. Das führte dazu, dass ein Händler drohte Selbstmord zu begehen, wenn das Problem nicht gelöst würde.

Daraufhin musste sich OKEx im Mai mit dem Programm "Voice of China" des China National Radio (CNR) befassen. In diesem wurde behauptet, dass OKEx illegal Kryptowährungs-Futures-Geschäfte in dem Land machte, das im Wesentlichen jegliche Verwendung von digitalen Währungen innerhalb seiner Grenzen verboten hat.

Kürzlich, am 3. August, wurde OKEx mit einer kritischen Situation konfrontiert, in der die Falsch-Wette eines "Wal"-Händlers auf Bitcoin die Liquidation eines Futures-Kontrakts erzwang, wodurch wiederum andere Händler gezwungen waren, die Rechnung zu begleichen. Das jüngste Problem bedeutet, dass diejenigen mit unrealisierten Gewinnen auf ihre Short-Positionen in dieser Woche sich auf einen Gewinn-Verlust von 18 Prozent gefasst machen müssen.

Im Gespräch mit Cointelegraph sagte der OKEx-Betriebsleiter Andy Cheung, dass dies eine "wertvolle Lektion" für ihn und OKEx gewesen sei. Sie versuchen schließlich weiterhin, das Handelserlebnis zu verbessern. Allerdings räumt Cheung auch ein, dass es nicht all zu viele Auswirkungen durch ihren Clawback-Mechanismus gegeben hat und auch die Stimmung im Futures-Handel keinen Schaden davon genommen hat.

Schlechte Entscheidung eines einzelnen Händlers

Cheung führte diese Zwangsliquidation eines fehlgeschlagenen Bitcoin-Futures-Handels - mit einem Nominalwert in Höhe von umgerechnet 358 Mio. Euro - auf "lediglich eine schlechte Entscheidung eines einzelnen Händlers" zurück.

Am 31. Juli löste ein anonymer Händler einen Alarm beim Risikomanagementsystem von OKEx aus, als eine Long-Position mit kolossalen 4.168.515 Kontrakten platziert wurde. Aufgrund der schieren Größe der Position kontaktierte die Börse den Händler und bat ihn mehrmals, "die Positionen teilweise schließen, um das Gesamtmarktrisiko zu reduzieren".

"Der Kunde weigerte sich jedoch zu kooperieren, was zu unserer Entscheidung führte, das Konto des Kunden einzufrieren, um weitere Positionen zu verhindern. Kurz nach dieser Präventivmaßnahme fiel der BTC-Kurs leider, was zur Auflösung des Kontos führte", heißt es in der offiziellen Erklärung.

Diese Liquidation hat die Auswirkung, dass die Gegenparteien die Rechnung bezahlen müssen. Grund dafür ist eine Richtlinie für eine sogenannte "sozialisierte Rückforderung" für Fälle, in denen ein Handelsdefizit auftritt.

OKEx hat eine genau definierte Richtlinie, was zu tun ist, wenn eine Zwangsliquidation stattfindet. Es heißt:

"OKEX-Futures verwendet ein "Full Account Clawback"-System zur Berechnung der Rückzahlungsrate. Die Margin-Call-Verluste des Systems aus allen drei Kontrakten werden zusammengeführt und die Rückerstattungen werden nach dem gesamten Kontogewinn jedes Benutzers berechnet, anstatt die Margin-Call-Verluste und Rückerstattungen für jeden Vertrag separat zu berechnen. Nur Nutzer, die einen Nettogewinn über alle drei Verträge für diese Woche haben, fallen unter die Rückerstattung. Rückerstattungen erfolgen nur, wenn der Versicherungsfonds nicht über genügend Mittel verfügt, um die gesamten Margin-Call-Verluste des Systems zu decken."

Um einige der Verluste zu mildern, pumpte OKEx sofort 2.500 BTC (rund 15,9 Mio. Euro) in einen Versicherungsfonds. Das reichte jedoch nicht aus, um die Schäden auszugleichen.

Trotz diesem negativen Vorfall für den Futures-Handel mit Bitcoin sowie der Kosten, die die Gegenparteien nach der "schlechten Entscheidung" dieses anonymen Händlers zu tragen haben, sagt Cheung, es sei kein bleibender Schaden entstanden.

"Nach unseren Daten sehen wir keine Anzeichen dafür, dass die Marktstimmung durch diesen Vorfall beeinträchtigt wurde. Wir sehen auch keine Anzeichen dafür, dass die Stimmung unserer Kunden stark beeinträchtigt wurde."

Lektion gelernt

Vieles von dem, was passiert ist, lag zwar ein wenig außerhalb der Kontrolle von OKEx, wie zum Beispiel der seltsame Handelsvorgang und die Volatilität von Bitcoin, die die Liquidation erzwang, doch OKEx sagt, dass es eine wertvolle Lektion für das Unternehmen selbst war, aber auch Futures-Händler werden ermutigt, die Mechanismen zu verstehen.

"Wir würden sagen, dass das eine wertvolle Lektion für uns bei der Verbesserung unserer Handelserfahrung ist. Wir ermutigen unsere Kunden immer, den Mechanismus des Futures-Handels zu studieren, bevor sie ins Spiel einsteigen, um unerwartete Verluste zu vermeiden."

Der Clawback-Mechanismus ist ein Mechanismus, der eine etwas unbekannte Gefahr für Futures-Händler zu sein scheint, die sich einfach in die Dinge stürzen. OKEx hat jedoch überaus deutlich gemacht, dass dies der Preis ist, der unter bestimmten, unglücklichen Umständen zu zahlen ist.

Cheung erklärt:

"Der Rückforderungsmechanismus läuft seit seiner Einführung ordentlich und wird von den großen Börsen auf der ganzen Welt genutzt. Eine weitere wichtige Börse, die den Margenhandel anbietet, BitMEX, verwendet ebenfalls einen ähnlichen Mechanismus, der Liquidationsaufträge schließt, indem die Positionen der Gegenparteien nach Profit und Leverage-Priorität abgebaut werden.

"Wir glauben, dass dieser Mechanismus die Interessen aller Beteiligten ausgleicht. Dieser Mechanismus stabilisiert nicht nur den Betrieb unserer Plattform, sondern versichert auch die Vermögenswerte der Händler auf unserer Plattform. Ohne diesen Mechanismus läuft jede Handelsplattform Gefahr, zusammen mit dem gesamten Vermögen der Händler unterzugehen."

Dennoch ist es für Händler unglücklich, dass sie sich mit der schlechten Entscheidung eines anderen Händlers auseinandersetzen müssen. Und gerade deshalb, so Cheung weiter, versuchen sie, diese seltener und weniger kostspielig zu machen.

"Dennoch bemühen wir uns, das Risiko einer großflächigen Rückforderung in Zukunft auszuschließen. Wir haben bereits vor diesem Vorfall eine Reihe von Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet. Wir werden auch mehr Aufklärung für unsere Nutzer im Bereich des Futures-Handels betreiben, damit sie den Mechanismus dahinter verstehen und gut informierte Entscheidungen treffen können."

Langer Weg bis ans Ziel

Der Futures-Handel mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat noch einen langen Weg vor sich, bis er als völlig ausfallsicher betrachtet werden kann - und selbst dann wird es sicher Missgeschicke geben. Doch wie Cheung sagt, kann man daraus lernen, während diese Handelsoption in diesem neuen und volatilen Raum sich entwickelt.

Bitcoin ist immer noch eine sehr neue Anlageklasse, im Vergleich zu anderen, die bei Futures verwendet werden. Und als solche sind Händler auch noch in der experimentellen Phase. Es wird einige Zeit dauern, bis die Probleme, die in dieser neuen Form des Handels auftauchen, gelöst sind, aber wenn man versucht, die Verluste zu mildern, sollte das ein relativ schmerzloser Prozess sein, um Bitcoin-Futures reibungslos funktionieren zu lassen.