Erklärt: EOS BP

Chrisjan Pauw
25 MAI 2019
Erklärt: EOS BP

Cointelegraph

1.

Was ist EOS BP?

BP steht für Block Produzent.

Blockproduzenten sind dezentralisierte Einheiten, die das EOS-Netzwerk steuern. Sie sind dafür verantwortlich, einen Konsens zu erzielen und Blöcke von Transaktionen oder Daten in die EOS Blockchain hinzuzufügen.

Im Wesentlichen erfüllen sie die gleiche Funktion wie Miner bei einer Proof-of-Work (PoW)-Blockchain oder Staking-Knoten bei einer Proof-of-Stake (PoS)-Blockchain.

Dan Larimer, Mitbegründer und technologische Leiter von EOS, erklärte das so:

Sie können die Blockproduzenten fast schon als Radio-DJs betrachten. Sie entscheiden, was auf Sendung geht und welche Anrufe entgegengenommen werden.

 

2.

Wie funktioniert das?

Das Verfahren basiert auf einem Konsensmechanismus, dem so genannten delegierten Proof-of-Stake (DPoS).

Auf einer PoWBlockchain, wie etwa Bitcoin, nutzen Miner eine große Rechenleistung, um komplexe mathematische Gleichungen zu lösen. Sobald die Gleichung gelöst ist, veröffentlicht der Miner die Antwort im Netzwerk, die dann durch andere Miner geprüft wird. Damit wird dann ein Konsens erzielt. Der Block wird dann in die Chain aufgenommen und der Miner, der die Gleichung gelöst hat, erhält die Blockbelohnung. Daraufhin gehen alle zur nächsten Gleichung über.

In einem PoS-Netzwerk, wie etwa Cardano, setzen Knoten einen Token-Betrag (im Wesentlichen hinterlegen sie damit für einen bestimmten Zeitraum Token auf einer bestimmten Wallet-Adresse), um die Chance zu erhalten, ausgewählt zu werden, um den nächsten Transaktionsblock zur Chain hinzuzufügen. Obwohl die Auswahl zufällig ist, werden Faktoren, wie etwa die Höhe des Einsatzes, wie lange der Einsatz schon liegt und der Ruf des Knotens, oft berücksichtigt.

Der delegierte Proof-of-Stake ist eine Version von PoS, bei der die Validatoren nicht zufällig ausgewählt, sondern von den übrigen Token-Inhabern im Netzwerk bestimmt werden. Ein weiterer Unterschied zu EOS besteht darin, dass Blockproduzenten in das Netzwerk nicht nur mit EOS-Token, sondern auch in Form von Infrastruktur, Community-Unterstützung, Entwicklung oder auf andere Weise investieren. Im Folgenden sehen wir uns die Vorgehensweise einmal genauer an.

Diese Delegierten haben dann die Aufgabe, die Integrität und Richtigkeit des Netzwerks zu gewährleisten, indem sie sich mehrheitlich auf Daten oder Transaktionsblöcke einigen, die dem Netzwerk hinzugefügt werden müssen.  

Brendan Blumer, der CEO von Block.one, dem Unternehmen hinter EOS, beschreibt Blockproduzenten im Rahmen der EOS.IO-Technologie als 21 von den Token-Inhabern gewählte Delegierte, die die Transaktionen des Netzwerks tatsächlich bestätigen.

 

3.

Wer kann ein EOS-Blockproduzent werden?

Theoretisch jeder, der von der EOS-Community gewählt wird.

Aber wie bereits erwähnt, wird von den Blockproduzenten erwartet, dass sie dafür sorgen, dass das EOS Netzwerk reibungslos funktioniert. Außerdem sollen sie das kontinuierliche Wachstum fördern. Daher müssen sie in Form von Rechenzentrumsinfrastruktur, Community-Unterstützung und -Engagement, finanzieller Unterstützung für Entwickler von dezentralen EOS-Anwendungen (DApps), sowie Föderung von Bildung und Sensibilisierung, usw. investieren.

Obwohl sich also theoretisch jeder als Blockproduzent bewerben kann, ist es tatsächlich so, dass die EOS-Community nur Unternehmen wählen wird, die nachweisen können, dass sie über ausreichende Ressourcen verfügen, um die Infrastruktur zu bieten, die für das reibungslose Funktionieren und das kontinuierliche Wachstum des EOS-Ökosystems erforderlich ist.

Blockproduzenten sind daher in der Regel große Konsortien, wie etwa EOS New York und EOS Beijing, oder sogar große Kryptobörsen, wie etwa Huobi und Bitfinex.

Der EOS-Entwickler Bart Wyatt beschrieb Blockproduzenten in einem Medium-Post als das sich ständig verändernde Gehirn der EOS-Community:

Die Produzenten des EOS.IO-Netzwerks sind quasi das zentrale Hirn dieser Blockchain. Man sollte auch beachten, dass dieses zentrale Hirn nicht statisch ist. Die Anzahl der Produzenten und die Größe der Produzenten und wer sie sind kann sich im Laufe der Zeit ändern, da die Community Wert auf gewisse Metadaten legt und die Unternehmen auch dementsprechend neu wählt. Wenn die Community also Wert darauf legt, dass Produzenten bestimmte Hardware-Anforderungen erfüllen oder an bestimmten Orten auf der Welt liegen, um die Latenzzeiten für eine Daten-Rundreise um den gesamten Planeten zu reduzieren, werden solche Dinge auch bei der Wahl einfließen. Die Community wählt die Produzenten dann so, damit die Vision für die EOS.IO-Blockchain erreicht wird.

4.

Wie wird man zu einem EOS-Blockproduzenten?

Wie in jeder traditionellen Demokratie müssen Unternehmen Stimmen aus der EOS-Community für sich gewinnen.

Im Gegensatz zu einer regulären Demokratie, in der alle vier oder fünf Jahre Wahlen stattfinden, werden auf dem EOS-Netzwerk jedoch alle 60 Sekunden abgestimmt.

Die 21 besten Unternehmen, die die meisten Stimmen erhalten, werden als Blockproduzenten ausgewählt. Da die Abstimmung jedoch nahezu durchgehend erfolgt und jeder in jeder Minute gewählt und abgewählt werden kann, gibt es auch eine Liste von 101 Standby-Blockproduzenten, die von EOS-Token-Inhabern bestimmt wurden und sofort bereit sind, die Lücke zu schließen, wenn ein Top-Blockproduzent abgewählt wird.

So müssen Blockproduzenten kontinuierlich um Stimmen kämpfen, damit sie entweder ihre Top-21-Position halten können. Wenn alle Plätze besetzt sind, kommen Unternehmen in die Warteschlange und kommen in die Top 21, wenn einer der Top-Blockproduzenten nicht genügend Stimmen erhält.

5.

Was hat man davon, ein EOS-Blockproduzent zu sein?

Blockproduzenten erhalten EOS-Token als Belohnung, wenn sie der Blockchain neue Blöcke hinzufügen.

Diese Belohnungen werden nicht durch Transaktionsgebühren finanziert, sondern über ein internes, inflationäres System. Jedes Mal, wenn neue Blöcke für das Netzwerk produziert werden, werden neue Token generiert.

Diese Inflation liegt derzeit bei 5 Prozent pro Jahr. Das EOS-Ökosystem reift jedoch und der Wert des Coin steigt. Dann kann die Community beschließen, den Prozentsatz je nach Bedarf zu erhöhen oder zu senken.

Die 5 Prozent werden in einen Worker Proposal Fund (4 Prozent) aufgeteilt, der an Entwickler geht, die Verbesserungen zum Nutzen der EOS-Community als Ganzes implementieren. Diese Verbesserungen werden als Worker Proposals bezeichnet. Sobald die Community für einen bestimmten Vorschlag stimmt, erhält der Entwickler Kapital für die Umsetzung aus dem Worker Proposal Fund.

Die restlichen 1 Prozent gehen an Blockproduzenten (0,25 Prozent) und Standby-Blockproduzenten (0,75 Prozent).

6.

Inwieweit entspricht das EOS-Modell dem Blockchain-Ethos der Dezentralisierung?

In der Vergangenheit musste sich das EOS-Netzwerk zu genau solchen Vorwürfen äußern.

Im Oktober 2018 war das EOS-Mainnet erst fünf Monate aktiv. Der Block.one-CEO Brendan Blumer veröffentlichte eine Erklärung, in der er auf einen Bericht reagiert, der den großen Blockproduzenten geheime Absprachen und gegenseitige Stimmenabgaben vorwarf. In der Stellungnahme verwies Blumer darauf, dass das EOS-Netzwerk noch in den Kinderschuhen stecke und hat diese Behauptungen weder dementiert noch bestätigt.

"Wir haben einige unbestätigte Behauptungen über ein außergewöhnliches Abstimmungsverhalten der Blockproduzenten und die anschließenden Dementis zu diesen Behauptungen zur Kenntnis genommen. Es ist uns wichtig, einen freien und demokratischen Wahlprozess innerhalb von EOS zu gewährleisten und können uns, nach unserem eigenem Ermessen, mit anderen Inhabern abstimmen, um die Integrität dieses Prozesses zu stärken", heißt es in der Erklärung.

Dem Ethereum-Mitbegründer Vitalik Buterin zufolge, sei diese Art von Verhalten überhaupt nicht überraschend. Allerdings sei es viel früher dazu gekommen, als er erwartet hätte.

"Interessant! Ich meine, es war gänzlich vorhersehbar und ich habe das prognostiziert, aber ich habe nicht erwartet, dass es in so einem Ausmaß und so schnell passiert!"

Buterin erklärte auf Twitter außerdem:

"Dazu möchte ich noch hinzufügen, dass ich deshalb nicht an ein System glaube, bei dem die Kasse von Coin-Inhabern verwaltet wird, die On-Chain gewählt wurden. Eine Chain, bei der die Ausgabe zur vermeintlichen Finanzierung öffentlicher Güter von Coin-Inhabern verwaltet wird, die On-Chain gewählt wurden, kann leicht in diese Art von Kräftegleichgewicht verfallen, wo es dann heißt: 'Ich stimme für Ihr schlechtes Projekt, Sie stimmen für meins'."

Im November 2018 geriet EOS erneut in die Kritik, als sich herausstellte, dass bestätigte Transaktionen auf der Blockchain rückgängig gemacht wurden, um ein gehacktes Konto eines Netzwerknutzers wiederherzustellen. Dies geschah ohne die Erlaubnis des Kontoinhabers.