Paolo Ardoino, Chief Technology Officer bei Bitfinex
Ein großer Rückschlag für die Branche war in diesem Jahr, dass betrügerische Krypto-Projekte weiterhin ihr Unwesen treiben. Der Skandal um den PlusToken ist wohl das deutlichste Beispiel dafür. Einer der wohl größten Fortschritte ist hingegen die Weiterentwicklung des Lightning Networks.
Marc P. Bernegger, Mehrfach-Unternehmer und Krypto-Investor (u.a. Aufsichtsrat der Crypto Finance Gruppe)
Der Absturz und anschließend Rebound des Bitcoin-Preises, die Start des Libra-Projekts durch Facebook und die Ankündigung der digitalen chinesischen Währung waren einige meiner Highlights im 2019.
Persönlich hat es mich natürlich sehr gefreut, dass wir bei der Crypto Finance Gruppe mit unserem Crypto Quant Fonds im 2019 einen der erfolgreichsten Krypto-Fonds weltweit lancieren konnten (dieser hat bereits diverse Performance-Awards gewonnen).
Paul Brody, Leiter für Blockchain-Innovation bei Ernst & Young
2019 war das Jahr der großen Änderungen für Ernst & Young (EY). Das Zeitalter der Machbarkeitsstudien ist vorbei und stattdessen konzentrieren sich Unternehmen jetzt darauf, praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Das große Problem, auf das sie dabei gestoßen sind, ist die Interoperabilität zwischen Firmen-Blockchains. Solche privaten Blockchains sind teuer und lassen sich schwer skalieren, was die Zusammenarbeit mit anderen Firmen angeht. (Eine Studie, die von EY beauftragt und von Forrester durchgeführt wurde, hat dies im November 2019 bestätigt.) Die gute Nachricht ist, dass wir bis Ende 2019 mehr oder weniger die Kostenfrage für die sichere Nutzung von Firmen-Blockchains lösen konnten. Im Jahr 2020 wollen wir es schaffen, dass unsere Firmenkunden auf die öffentliche Ethereum-Blockchain umziehen. Die Kryptomärkte sind 2019 derweil etwas auf der Stelle getreten, da selbst die großen Änderungen am Lightning Network nur wenig bewirkt haben. Was oberflächlich wie auf der Stelle treten wirkt, hat zumindest aus technischer Sicht eine enorme Transformation mit sich gebracht. Es heißt zwar immer, dass Tech-Unternehmen Veränderungen schnell herbeiführen können, aber in Wirklichkeit können große Veränderungen auch hier ein Jahr oder länger dauern, bis sie wirklich umgesetzt und angenommen wurden. Unsere Entwickler bei EY waren 2019 sehr fleißig und das werden sie auch 2020 sein.
Virginia Cram-Martos, CEO bei Triangularity
Für mich war 2019 das Jahr:
- In dem Kryptowährungen zu einem der 10 wichtigsten Themen für Politiker und Zentralbanker geworden sind.
- Der Blockchain-Turbulenzen in China, die im Oktober zwar gut ausgegangen sind, zwischenzeitlich aber große Wellen geschlagen haben, die sich auf der ganzen Welt bemerkbar gemacht haben.
- In dem die rechtlichen Bestimmungen strenger geworden sind, was dazu geführt hat, dass Token-Verkäufe (ICOs) nur noch für Unternehmen mit guten Rechtsabteilungen eine Option sind. Sie sind zwar trotzdem noch günstiger als ein richtiger Börsengang, aber nähern sich dem langsam an.
- In dem Unternehmen endlich erkannt haben, dass der Blockchain-Hype auch nur ein Hype ist. Dementsprechend verstehen sie jetzt, dass Blockchain zwar tatsächliche Vorteile mit sich bringen kann, dass diese aber auch begrenzt sind und in Teilen von der „Akzeptanz für Veränderungen“ im eigenen Unternehmen abhängig sind. Die Implementierung der Blockchain-Technologie kann also durchaus komplex sein.
- In dem Blockchain-Entwickler gemerkt haben, dass Einrichtungsbarrieren, die durch die Komplexität von Lieferketten oder Unternehmenskulturen bestehen, ernst zu nehmen sind.
Changpeng “CZ” Zhao, Gründer und CEO von Binance
Immer mehr Regierungen auf der Welt beschäftigen sich mittlerweile mit Blockchain und Kryptowährungen, darunter ganz speziell auch mit Themen wie Stablecoins, Selbstregulierung und globalen rechtlichen Standards, was darauf hindeutet, dass die breite Annahme zunehmend erreicht wird. Ich denke, dass wir im Jahr 2020 von den Regierungen viele verschiedene Herangehensweisen sehen werden, wovon einige klappen werden und einige nicht, aber insgesamt werden sie einen sehr positiven Effekt auf die breite Annahme von Kryptowährungen haben.
Alejandro De La Torre, Vizepräsident von Poolin
2019 war das Jahr des Krypto-Minings. Die Hashrate ist über das ganze Jahr stetig gestiegen und hat für Bitcoin ein bisheriges Rekordhoch von 100 Exahashes erreicht. Bemerkenswert ist, dass die Hashpower trotz schwankender und überwiegend schwacher Kurse gestiegen ist. Daran können wir ablesen, dass Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, gekommen sind, um zu bleiben. Die Standfestigkeit, die die Mining-Branche trotz schwacher Kurse gezeigt hat, ist ein extrem gutes Zeichen für Bitcoin und die gesamte Krypto-Industrie. Die Miner sind also fest vom Potenzial von Bitcoin überzeugt. Ein weiterer wichtiger Fortschritt des Jahres 2019 war für mich die Weiterentwicklung des Mining-Protokolls stratum v1, besonders wenn man bedenkt, dass stratum v1 praktisch noch nie weiterentwickelt wurde, seit es Mining-Pools gibt. Jetzt wurde endlich stratum v2 herausgebracht. Dies war ein sehr wichtiger Schritt für die weitere Dezentralisierung des Minings. Andere Mining-Pools, wie zum Beispiel Poolin, bei dem ich arbeite, entwickeln ebenfalls neue Protokolle, um die Dezentralisierung voranzutreiben. Poolin nennt sein Protokoll Bitcoin Universal Mining Protocoll bzw. BUMP. Weitere Informationen dazu gibt es 2020.
John deVadoss, Leiter der Entwicklung bei NEO
2019 war das Jahr, in dem sich Krypto und Blockchain in den Schlagzeilen der Massenmedien etablieren konnten. Es ging nicht länger um das Was oder Warum, sondern vielmehr um das Wann.
Drei große Meilensteine konnten dieses Jahr erreicht werden.
Im Juli hat Jerome Powell, der Chef der US-Zentralbank, vor dem parlamentarischen Bankenausschuss zu Facebook-Libra Stellung bezogen. Dadurch ist den amerikanischen Parlamentariern erstmals deutlich gemacht worden, welche Implikationen mit Kryptowährungen einhergehen und dass diese Innovation „mit Sinn und Verstad“ ausbalanciert werden muss.
Im Oktober hat Präsident Xi Jinping China dazu aufgefordert, „die Entwicklung von Blockchain voranzutreiben“. Dies war ein bedeutender Schritt, da noch kein führender Politiker der Welt dies bisher so klar formuliert hat. Dem folgte eine außerordentliche Welle an Investitionen und Innovationen.
Und Ende des Jahres hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), also die Zentralbank der Zentralbanken, einen Dialog initiiert, der die weltweite Strategie der Banken im Umgang mit Krypto-Vermögenswerten ausloten soll. Daraus will die BIZ dann Richtlinien für den Umgang mit Krypto ableiten.
Zusammengenommen zeigen diese Entwicklungen, in was für spannenden Zeiten wir leben.
Daniel Diemers, Blockchain-Leiter bei PwC in EMEA
Zunächst ist es nach dem Krypto-Winter langsam immer wärmer geworden, allerdings war der anschließende Krypto-Frühling der letzten 6-8 Monate eher eine Seitwärtsbewegung, die aber insgesamt gesünder für das Ökosystem ist, als wenn die Kurse sofort wieder nach oben geschossen wären. Das vergangene Jahr hat eine Brücke geschlagen zwischen Blockchain/Krypto, Politik und Wirtschaft. 2019 hat also deutlich klargemacht, dass Krytpo gekommen ist, um zu bleiben. Für viele klingt dies zwar nach einem alten Narrativ, aber in den Aufsichtsräten der Welt, ist diese noch nicht überall angekommen. Facebook-Libra hat dazu einen wichtigen Teil beigetragen, denn wenn ein so großes Tech-Unternehmen ein solch ambitioniertes Blockchain-Projekt vorantreibt, wird allen schnell klar, was die Stunde geschlagen hat.
Denelle Dixon, CEO bei Stellar Development Foundation
Ich bin der Stellar Development Foundation (SDF) Mitte 2019 beigetreten, also genau zu dem Zeitpunkt, als das Interesse der Öffentlichkeit an der Blockchain-Branche drastisch zugenommen hat, da große Namen wie Facebook und JPMorgan in den Markt eingetreten sind. Der Markeintritt dieser großen Player hat geholfen, Blockchain in den Mainstream zu hieven und der Technologie Vertrauenswürdigkeit zu verleihen. Das war ein toller Zeitpunkt, um in die Branche einzusteigen und live mitzuerleben, wie das Potenzial dieser Technologie heiß diskutiert wurde.
Neben dem wachsenden Interesse institutioneller Investoren an den Kryptomärkten haben auch Stablecoins 2019 deutlich an Beliebtheit hinzugewonnen. Das haben wir bei Stellar aus erster Hand erfahren, da immer mehr Firmen unser Netzwerk dahingehend eingesetzt haben. Ob es Franklin Templeton waren, die Stellar für einen neuen Fonds genutzt haben, oder IBM, die sich mit mehreren Banken zusammengetan haben, um auf WorldWire Stablecoins herauszugeben, wir konnten diesen Trend im Ökosystem von Stellar deutlich feststellen.
2019 war insgesamt ein wichtiges Jahr für unsere Branche, da die Blockchain-Technologie viel Aufwind bekommen hat. Für uns war es sogar noch aufregender, da wir bei Stellar große Fortschritte gemacht haben, um den Zugang zum globalen Finanzsystem deutlich zu vereinfachen.
Arthur Hayes, CEO bei BitMEX
Langweilig, aufregend, dann wieder langweilig. So würde ich 2019 beschreiben. Der Sommer war richtig interessant, da Facebook die firmeneigene Kryptowährung Libra angekündigt hat. 2019 war ohnehin das Jahr der Stablecoins. Obwohl viele Leute nicht richtig verstehen, dass Stablecoins eigentlich nur digitalisierte Versionen der Fiatwährungen sind, ist es doch ein Schritt in die richtige Richtung, dass digitale Währungen auf dem Vormarsch sind. Stablecoins könnten der Türöffner für richtige Kryptowährungen wie Bitcoin werden.
Ivan on Tech, YouTube-Influencer
Das vergangene Jahr hat viele neue Möglichkeiten eröffnet und dementsprechend konnte die Kryptobranche viel erreichen. Bitcoin hat eine regelrechte Achterbahnfahrt hingelegt, Facebook hat Libra angekündigt und China hat sich positiv über die Blockchain-Technologie, aber negativ über Kryptowährungen geäußert.
Die Technologie hinter Bitcoin hat sich weiterentwickelt, so wurden besonders bei den Schnorr-Signaturen bedeutende Fortschritte gemacht. Auf Ethereum haben derweil die Protokolle für dezentralisierte Finanzdienstleistungen neue Höhen erreicht, darunter Compound, Synthetix und Uniswap. Der Marktwert der DeFi-Apps lag Anfang 2019 noch bei 190 Mio. US-Dollar und ist mittlerweile auf satte 628 Mio. US-Dollar angestiegen. Dieses starke Wachstum zeigt, wie wichtig dieses Feld sein wird.
Sasha Ivanov, Gründer and CEO von Waves
2019 war ein wichtiges Jahr für Kryptowährungen, da wir jetzt in die nächste Phase des Hype-Zyklus nach Gartner übergangen sind, in der wir stetiges Wachstum sehen. Es wurde zwar noch kein Durchbruch erzielt, aber wir schaffen momentan die Grundlage für zukünftige Entwicklungen. Die Fortschritte im Bereich der Unternehmens-Blockchains haben mich besonders beeindruckt, da wir daran erkennen können, dass es mittlerweile ein Verständnis für die praktische Anwendung der Technologie gibt.
Christoph Iwaniez, Chief Financial Officer bei Bitwala
Es war ein starkes Jahr! Viele Projekte mit smarten Leuten und guten Ideen haben Produkte und Weiterentwicklungen abgeliefert.
Bei Bitwala waren wir natürlich sehr auf unsere Kunden fokussiert: Vor gut zwölf Monaten sind wir mit dem freien Bankkonto und der Debit Card für Bitcoin-Anleger quasi bei null gestartet. Aus Berlin heraus betreuen wir heute Kunden in allen 31 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums. Die Kunden sind happy und wir sind es auch.
Und unsere Investoren übrigens auch: Im Sommer haben wir das bislang größte Investment für ein deutsches Blockchain Startup (13 Millionen Euro) erhalten. Die Höhe der Fundingrunde und die namhaften Investoren unterstreichen, dass auch in einem Bärenmarkt ein starkes Team, ein innovatives Produkt und die tatsächliche Umsetzung Investoren überzeugt.
Sanja Kon, Vizepräsidentin für globale Partnerschaften bei Utrust
2019 war ein tolles Jahr für Blockchain und Kryptowährungen. Wir haben die Geburtsstunde vieler neuer Trading-Produkte miterlebt, Aufsichtsbehörden auf beiden Seiten des Atlantiks haben sich näher mit digitalen Vermögenswerten beschäftigt und China hat sich mit voller Macht und vielen Milliarden Dollar ins Wettrennen um die Marktherrschaft im Blockchain-Sektor gestürzt.
Der größte Meilenstein im Jahr 2019 war für mich eindeutig Libra. Die bloße Ankündigung der Facebook-Kryptowährung hat für einen weltweiten Paradigmenwechsel gesorgt. Libra hat die Zentralbanken gezwungen, sich endlich ernsthaft mit der Digitalisierung von Währungen zu beschäftigen.
Das Jahr verlief aber nicht ganz reibungslos, denn der langanhaltende Abwärtstrend hat die Kryptomärkte ganz schön erschüttert. Für Utrust war dies aber gar nicht mal so schlecht, da wir uns einfach darauf konzentriert haben, unsere Technologie zu verbessern. Dadurch waren wir nicht nur in der Lage zu überleben, sondern sind jetzt stärker als je zuvor.
Jonathan Levin, Mitbegründer und Sicherheitschef bei Chainalysis
Anfang 2019 hatte ich drei große Entwicklungen für die Kryptobranche prognostiziert: Kryptowährungen würden von Finanzinstituten und Aufsichtsbehörden als nützliche Technologie anerkannt werden, sie würden bei der Durchsetzung von politischen Sanktionen eine wichtige Rolle spielen und abschließend würden die Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung in Asien intensiviert werden.
Wie sich gezeigt hat, war 2019 tatsächlich ein wichtiges Jahr für die Krypto-Regulierung, aber mehr in der Hinsicht, dass "der Arbeitskreis Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung" (FATF) und das FinCEN rechtliche Klarheit geschaffen haben und nicht hinsichtlich der Blockchain-gesteuerten Einhaltung von Compliance-Vorgaben. Nennenswert ist dabei, dass die FinCEN explizit festgehalten hat, dass Blockchain einen wichtigen Beitrag zur Geldwäschebekämpfung leisten kann. Außerdem kann sie Krypto-Unternehmen dabei helfen, sich an das Geldwäschegesetz zu halten. Des Weiteren betont die FinCEN, dass die Einholung von Kundeninformationen (KYC) für Krypto-Unternehmen zunehmend wichtig sein wird, weshalb sie darauf in Zukunft noch genauer achten will.
Seitens der US-Börsenaufsicht SEC gab es ebenfalls neue rechtliche Klarheit. So hat die Zulassung von Blockstack nach Ausnahmeregel A gezeigt, dass es einen Weg gibt, eine Börsengang ähnliche Kapitalaufnahme in Form eines Token-Verkaufs durchzuführen und dafür eine Genehmigung von der Börsenaufsicht zu erhalten. Obwohl andere Unternehmen zuvor auch schon die Ausnahmeregel A genutzt hatten, was es in diesem Fall das erste Mal, dass eine Kryptowährung anstatt klassischen Aktien zur Generierung des Investitionskapitals eingesetzt wurde. Obwohl viele zurecht darauf hinweisen, dass dies Blockstack nur unter großem Kapitalaufwand gelungen ist, wurde damit gleichzeitig eine Blaupause für andere Unternehmen geschaffen.
Da wir jetzt die nötige rechtliche Klarheit haben, wird das Jahr 2020 meiner Meinung nach wichtig, um Kryptowährungen als Regulierungs-Technologie zu etablieren.
Tatsächlich haben sich Kryptowährungen zunehmend als Werkzeug zur Durchsetzung von Sanktionen bewiesen, besonders was den Schmuggel von Fentanyl angeht. Ich bin mir sicher, dass sich dieser Trend fortsetzt.
Obwohl unser Unternehmen in Asien immer weiter expandieren kann und auch die Auflagen zur Bekämpfung von Geldwäsche insgesamt verstärkt werden, werden immer noch große Mengen illegaler Gelder durch außerbörsliche Krypto-Händler aus China bewegt. Die Gelder, die durch den betrügerischen PlusToken ergaunert wurden, sind ein gutes Beispiel dafür.
Ein weiterer Meilenstein, mit dem ich nicht gerechnet hatte, war, dass einige große Strafverfolgungsbehörden Blockchain als wichtiges Analyse-Tool genutzt haben, um Verhaftungen zu machen. Das amerikanische Justizministerium hat die Technologie zum Beispiel bei seinem Schlag gegen Welcome To Video, die größte kinderpornografische Seite im Netz, als Hilfsmittel benannt. Dabei wurden dessen Betreiber, Besitzer und mehr als 337 Nutzern aus 38 Ländern verhaftet, außerdem konnten 23 minderjährige Opfer identifiziert und gerettet werden. Dies war auch für die Blockchain-Branche ein wichtiges Ereignis, da die Strafverfolgungsbehörden Blockchain-basierte Analysemethoden eingesetzt haben, ohne die dieser Schlag nicht möglich gewesen wäre. Dies war ein wichtiger Beleg dafür, dass die Blockchain-Technologie mehr Transparenz bei Finanztransaktionen schafft und nicht weniger.
Zudem sind 2019 ein paar große Player in die Kryptobranche eingetreten, allen voran Facebook und Fidelity. Mit Libra könnte Facebook es möglich machen, dass Kryptowährungen einer breiten Masse zugänglich werden, was die Massentauglichkeit entscheidend vorantreiben könnte. Allerdings zieht diese finanzielle Inklusion nicht nur rechtschaffende, sondern auch kriminelle Menschen an, weshalb das Risiko der Geldwäsche dringendst bedacht werden muss. Die Überwachung von Transaktionen wird den Ansprüchen von Regierungen und Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt genügen müssen. Dass Fidelity das eigene Leistungsangebot jetzt auch auf Handels- und Verwahrungsdienstleistungen für digitale Vermögenswerte ausgeweitet hat, ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Branche, der die Annahme durch Finanzinstitute beschleunigt.
Zu guter Letzt waren auch die CME Bitcoin-Futures ein wichtiger Entwicklungsschritt, der immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.
Alex Mashinsky, CEO bei Celsius
Gelinde gesagt war 2019 ein turbulentes Jahr. Ich denke, dass viele von uns aus der Krypto-Community darauf gehofft hatten, dass die breite Annahme weiter voranschreitet, aber die Massentauglichkeit haben wir immer noch nicht erreicht. Wir sind eigentlich immer noch nur eine kleine Gruppe von Krypto-Nerds, aber im Jahr 2020 ändert sich das hoffentlich. Facebook-Libra war ein wichtiger Türöffner für Kryptowährungen. Unsere Freunde in China haben ebenfalls angekündigt, dass sie eine Digitalwährung herausbringen wollen und das hat wiederum die US-Politik dazu bewegt, über unsere eigenen Digitalwährungen zu sprechen. Bis die US-Regierung zu einem Ergebnis kommt, wird es allerdings zu spät sein.
Samson Mow, Chief Strategy Officer bei Blockstream
Wir bei Blockstream hatten 2019 ein tolles Jahr. Wir haben Blockstream Mining an den Start gebracht und sind mit einer Kapazität von 300 MW einer der größten Player in Nordamerika. Des Weiteren haben wir Liquid Securities angekündigt, wobei es sich um eine Plattform handelt, die auf dem Liquid Network (einer Sidechain von Bitcoin) operiert und Unternehmen ermöglicht, Wertpapiere zu tokenisieren. Außerdem wird das Liquid Network immer weiter angenommen, was sich daran zeigt, dass es jetzt von Tether (dem führenden Stablecoin mit 4 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung) unterstützt wird. Außerdem hat die Kryptobörse BTSE angekündigt, dass sie 50 Mio. US-Dollar Investitionskapital durch einen Token einnehmen will, der auf Liquid basiert.
Niklas Nikolajsen, Gründer der Bitcoin Suisse AG
2019 war das Jahr der Konsolidierung und des Fortschritts bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen, aber auch wirtschaftlich und technisch gab es Nennenswertes. Bitcoin hat sich nach dem Hype von 2017 stabilisiert, Aufsichtsbehörden und Banken auf der ganzen Welt nehmen Kryptowährungen mittlerweile ernst. Die wichtigsten Entwicklungen waren natürlich Facebook-Libra, die geplante chinesische Digitalwährung, sowie die Formulierung von gesetzlichen Krypto-Richtlinien in der EU, Liechtenstein, Deutschland und weiteren Ländern. Was den Krypto-Handel angeht, war die Einführung von Futures und börsengehandelten Finanzprodukten (ETPs) in Bitcoin und Ethereum wichtig. Aus wirtschaftlicher und technischer Sicht waren die Weiterentwicklungen im Bereich der Dezentralisierten Finanzdienstleistungen (DeFi) und von Ethereum 2.0 von besonderer Bedeutung.
Phillip Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center
Blockchain bedeutet auf der einen Seite "Crypto Assets" und auf der anderen Seite "DLT", also eher Anwendungen aus dem reinen Unternehmenskontext. Im Bereich "Crypto Assets" sieht man, wie sich vor allem Bitcoin und Ethereum anhand verschiedener Metriken sehr positiv entwickelt haben – jedoch nicht beim Preis. Bei "DLT" kann man erkennen, dass schon einige Unternehmen sich für die Blockchain-Technologie begeistern, z. B. Industrie-Unternehmen, Banken, mit etwas Verzögerung sogar der Mittelstand.
Robert Schwertner, Influencer
Die Situation der Krypto-Industrie 2019: Die Luft ist raus! The Party Is Over. Die magische Anziehungskraft von Kryptowährungen ging 2019 endgültg verloren. In den Vorjahren legten Blockchain-Startups ihre eigenen Kryptowährungen auf und sammelten sagenhafte Summen von vielen dummen Menschen, manche davon nennen sich Investoren, ein. Getrieben von Gier und Hoffnung auf schnellen Reichtum warf man Blockchain-Unternehmen das Geld in den Rachen. Allerdings vergaß man auf die wichtigste ökonomische Regel: Zu jedem guten Geschäft gehört ein schlüssiges Geschäftsmodell. Das fehlte 99 Prozent der Blockchain-Firmen. 2019 machte sich nun Ernüchterung breit, und Investoren wurden klüger. Der Prozess war schmerzvoll doch definitiv heilsam. Was wir derzeit sehen, sind großartige neue Projekte mit hoher Qualität.
Die wohl wichtigste Schlagziele machte in 2019 das Kryptowährungsprojekt Libra von Mark Zuckerberg, und das gleich mehrmals: Gründung der Foundation in der Schweiz. Mastercard, Visa, Paypal boarden als Partner. Zentralbanken geißeln Libra als „Gefahr für das Finanzsystem“. Politiker prangern Facebook als Datenkrake an. Im Oktober platzte die Bombe: Visa, Mastercard und Paypal hatten kalte Füße bekommen, sie verlassen das Projekt. Libras Verdienst ist sicherlich, dass nun endlich westliche Zentralbanken aufwachen und über eigene digitale Währungsprojekte nachdenken.
Und das ist absolut notwendig für das Überleben der westlich geprägten Marktwirtschaft. Denn im Osten herrscht schon rege Betriebsamkeit: Beeindruckt hat mich, wie zielgerichtet China Blockchain-Technologie einsetzt. Die Chinesen reden nicht nur und beklagen sich. Sie setzen um: Die chinesische Regierung testet ab 2020 in den zwei Industriestädten Shenzhen und Suzhou bereits einen digitalen Yuan/Renminbi mit über 500.000 Unternehmen. Es soll zu Vereinfachung bei der Versendung von Rechnungen kommen, Sofortzahlungen, und auch verbesserte Zahlung von Gehältern und Sozialversicherung. Das Steuerwesen wird wesentlich vereinfacht. Wenn die USA und Europa nicht schleunigst Innovationen fördern und verbesserte Rahmenbedingungen schaffen, werden wir diesen Wettbewerb verlieren und müssen später chinesische Standards umsetzen.
Lex Sokolin, Co-Leiter der globalen Fintech bei ConsenSys
2019 war ein Jahr des Fortschrittes für Blockchain, Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte. Dabei gab es bedeutende Entwicklungen, die sowohl von dezentralisierten Communities als auch von zentralisierten Unternehmen vorangetrieben wurden.
Erstens kann das Dezentralisierte Finanzwesen weltweit immer mehr Fuß fassen. Die neuesten DeFi-Protokolle ermöglichen Sparen, Kreditvergabe und Handel von Kryptowährungen und Krypto-Finanzprodukten. Wir zählen mittlerweile mehr als 200 Stablecoins, von denen die meisten auf Ethereum basieren. Dezentralisierte Finanzdienstleistungen haben derzeit einen Marktwert von mehr als 500 Mio. US-Dollar und sie kommen bereits in vielen Bereichen des Finanzwesens zum Einsatz.
So werden klassische Vermögenswerte wie zum Beispiel Immobilien, Kunst, Aktien oder Anleihen mittlerweile per Blockchain „tokenisiert“ bzw. in Krypto-Tokens verpackt. Das Interessante: Der Markteintritt der Dezentralisierten Finanzdienstleistungen steht noch ganz am Anfang.
Viele Institutionen haben bereits ihr Interesse signalisiert, von großen Unternehmen bis hin zu Regierungsbehörden. So hat JP Morgan zu Beginn des vergangenen Jahres den JPM Coin angekündigt, der Transaktionsabwicklungen zwischen Banken beschleunigen soll. Danach hat Facebook die firmeneigene Kryptowährung Libra vorgestellt, was wiederum dazu beigetragen hat, dass die Regierungen in China und den USA ihre Bemühungen hinsichtlich einer Digitalwährung intensiviert haben.
ConsenSys hat im September 2019 Codefi (Commerce and Decentralized Finance) herausgebracht. Das erste Leistungsangebot an Fintech-Tools, das Unternehmen und Organisationen vollumfänglich bei der Digitalisierung und Blockchain-Implementierung unterstützt. Wir haben zum Beispiel Mata Capital dabei geholfen, einen Immobilienfonds zu tokenisieren, der von einer Immobilie in Paris, die einen Wert von 26 Mio. Euro hat, gedeckt wird.
Ulli Spankowski, Chief Digital Officer bei der Börse Stuttgart
Aus unserer Sicht hat sich die Krypto- und Digital-Asset- Industrie 2019 sehr positiv weiterentwickelt. Zu begrüßen sind die fortschreitende Akzeptanz auf Retail- und institutioneller Seite sowie die regulatorische Weiterentwicklung der Krypto-Industrie. Die Blockchain-Strategie der Bundesregierung, die Ankündigung von Libra sowie die Schaffung des ersten regulierten Handelsplatzes für digitales Assets in Deutschland mit der Boerse Stuttgart Digital Exchange sind nur einige Highlights, die auf eine entsprechend positive Weiterentwicklung dieser spannenden Zukunftstechnologie rund um Blockchain und DLT hinweisen. Allerdings hat der Aspekt Sicherheit bei der Verwahrung von Kryptowährungen leider auch 2019 wieder negative Schlagzeilen gemacht und wird die Industrie zukünftig weiter beschäftigen. Aber auch hier sehen wir mit aufkommenden Versicherungslösungen und neuartigen Sicherheitskonzepten eine Professionalisierung der Krypto-Industrie.
Alexandra Tinsman, Präsident der NEM Foundation
Das Jahr 2019 markiert in der Kryptobranche den Aufstieg der Stablecoins. Eine Entwicklung, die zwingend notwendig war, da die Branche dadurch zunehmend in Richtung gesetzlicher Regulierung gesteuert wurde, was eine Grundvoraussetzung für Massentauglichkeit ist. Des Weiteren habe ich mich gefreut, dass der Blockchain-basierte Aktienhandel im vergangenen Jahr Fortschritte gemacht hat, sowohl in technischer als auch in gesetzlicher Hinsicht. Jetzt ist die Bühne frei für ein entsprechendes Blockchain-Projekt und NEM Catapult kann hier mit einigen besonderen Wettbewerbsvorteilen aufwarten.
John Todaro, Direktor von TradeBlock
Das Jahr 2019 der Digitalwährungen wurde maßgeblich durch die politische Einflussnahme der US-Regierung gekennzeichnet. Präsident Trump hat erstmals über Bitcoin getwittert und Finanzminister Mnuchin hat eine Pressekonferenz zu Digitalwährungen abgehalten. Außerdem gab es zu dem Thema viele wichtige parlamentarische Anhörungen in Washington. Während die amerikanischen Aufsichtsbehörden sich schon in den Vorjahren mit der Krypto-Branche beschäftigt hatten, haben sich in diesem Jahr zum ersten Mal auch Politiker und Parlamentarier in großem Maße mit ihr auseinandergesetzt, selbst der amtierende Präsident hat sich zu Wort gemeldet. Zu den größten Fortschritten gehört in diesem Jahr, dass mehrere Proof-Of-Stake Netzwerke online gegangen sind, was auch einen Zuwachs im Staking von Kryptowährungen ausgelöst hat. Zudem wurde das Lightning Network weiterentwickelt, dezentralisierte Finanzdienstleistungen haben einen ordentlichen Sprung gemacht und zu guter Letzt haben die neuen Krypto-Finanzprodukte von der Bakkt und ähnlichen Handelsplattformen dafür gesorgt, dass immer mehr institutionelles Geld in die Branche fließt. Die großen Rückschläge waren derweil die harsche Kritik der US-Regierung an Facebook-Libra, das verstärkte Vorgehen der chinesischen Regierung gegen den heimischen Krypto-Handel und der Rückzug einiger Kryptobörsen vom US-Markt, darunter Poloniex und Binance.
Erik Voorhees, CEO bei Shapeshift
Im Jahr 2019 hat sich der Kryptomarkt wieder stabilisiert, nachdem das Jahr 2018 ganz schlecht war. Das wichtigste Ereignis war wohl die offizielle Ankündigung von Facebook-Libra, da dies auf der ganzen Welt für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Regierungen und Banken haben der Krypto-Technologie zuvor nicht viel Beachtung geschenkt, aber das hat sich jetzt ganz sicher geändert. Erstaunlicherweise hat Libra viel von der Kritik an Bitcoin weggenommen.
Neben Libra sind die Dezentralisierten Finanzdienstleistungen (DeFi) das zweite große Thema des Jahres. Besonders Stablecoins und Krypto-Sparkonten mit Zinserträgen standen dabei im Mittelpunkt. In einer Welt mit negativen Leitzinsen können die Dezentralisierten Finanzdienstleistungen Kreditgeber und Kreditnehmer zusammenbringen.
Whale Alert
Im Jahr 2019 gab es wieder hohe Volatilität auf den Kryptomärkten, wobei Bitcoin zwischen 3.000 und 13.000 US-Dollar geschwankt hat. Obwohl dies zwar für Schlagzeilen und ein paar gute Handelsmöglichkeiten gesorgt hat, sind Schwankungen in dieser Größenordnung jedoch eher Gift für die Massentauglichkeit, weshalb ich für das Jahr 2020 auf etwas mehr Stabilität hoffe.
Ein großer Rückschritt für die Kryptobranche waren die vielen erfolgreichen Hackerangriffe auf Kryptobörsen. Es war ganz schön ernüchternd, dass diese Hacks in ein paar Fällen deutlich abgefedert oder sogar ganz verhindert werden können, wenn bessere Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden wären. Allerdings war der Hoffnungsschimmer, dass einige Kryptobörsen, wie zum Beispiel Binance, die Verluste eines Hacks problemlos abfangen und den Geschäftsbetrieb normal weiterführen konnten. Kryptobörsen werden niemals völlig immun gegen Hackerangriffe sein, aber da sie zumindest vereinzelt demonstrieren konnten, dass die Gelder der Kunden nichtsdestotrotz abgesichert sind, haben sie dennoch einen wichtigen Fortschritt gemacht.
Insgesamt finde ich, dass 2019 ein erfolgreiches Jahr war, in dem die Massentauglichkeit vorangetrieben wurde. So nutzen immer mehr Menschen Kryptowährungen und Unternehmen bieten zunehmend Kryptowährungen als Zahlungsoption an. Zudem gibt es ein paar interessante Fortschritte im Finanzdienstleistungsbereich, wie zum Beispiel die erstmalige Abwicklung von Anleihen per Blockchain.