Was ist Hochfrequenzhandel?

Der Hochfrequenzhandel ist eine Handelstechnik bei der spezielle Software, Algorithmen, Hochleistungscomputer, schnelle Internetleitungen und aktuellste Marktdaten eingesetzt werden, um der Konkurrenz bei den jüngsten Marktentwicklungen vorauszueilen und besondere Handelsstrategien zu fahren, die ansonsten nicht möglich wären.

Der Hochfrequenzhandel bzw. das High-Frequency Trading ist ein System, in dem Algorithmen und Softwareprogramme mehrere Trades pro Sekunde machen und dadurch einen Vorteil gegenüber dem „normalen“ Handel schaffen. Den Hochfrequenzhandel gab es schon lange bevor Kryptowährungen auf den Markt gekommen sind und so macht diese Vorgehensweise in einigen Märkten heute sogar schon bis zu 80 % des Handelsvolumens aus. Dementsprechend gewinnt diese Methode auch auf den Kryptomärkten immer mehr an Einfluss, allen voran, weil institutionelle Investoren zunehmend in den Markt rücken.

Die Grundidee des Hochfrequenzhandels ist, dass Trades möglichst schnell ausgeführt werden, weshalb in manchen Fällen schon der Bruchteil einer Sekunde dafür sorgen kann, dass ein gewinnbringendes Handelsgeschäft zu einem Verlust wird. Dementsprechend haben sich im Laufe der Zeit spezielle Strategien entwickelt, die die Hochfrequenz-Trader nutzen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Die richtigen technischen Voraussetzungen sind zwar wichtig, aber oftmals sind es clevere Entscheidungen innerhalb engster Spielräume, die der Markt bietet, die über den Erfolg entscheiden.

Zu den gängigen Strategien des Hochfrequenzhandels gehören zum Beispiel Co-Location, Market-Making, Arbitrage, Pinging und Nachrichten basierter Handel. Jede Strategie hat ihre Vor- und Nachteile, wobei nicht alle Strategien auch für alle Trader offenstehen, da diese jeweils von den Marktbedingungen abhängig sind. Zudem wird der Hochfrequenzhandel unter ethischen Gesichtspunkten teilweise kritisch gesehen, da sich Trader hierdurch einen vermeintlich „unfairen“ Vorteil verschaffen. Auf Märkten die stark reguliert sind, sind einige Strategien deshalb sogar gänzlich verboten. Die Kryptomärkte sind momentan zwar noch eine Art „Wilder Westen“, aber nichtsdestotrotz sollten sich Trader genau über ihre heimischen Gesetze informieren, um auf der sicheren Seite zu sein.

Was ist Co-Location?

Co-Location bedeutet, dass der Server eines Traders so nah wie möglich an den Servern der jeweiligen Börse steht, auf der gehandelt wird. Am besten wird der eigene Server innerhalb des gleichen Gebäudes platziert, um eine möglichst geringe Verzögerung bei der Abwicklung von Trades zu erreichen.

Auf Börsen setzt sich jeder Nutzer dem Risiko von Verzögerungen aus. Für Privatanleger ist dies zumeist unbedeutend, da dies auf ihren Handel keine große Auswirkung hat. Für Hochfrequenzhändler kann eine Millisekunde jedoch schon über Sieg und Niederlage entscheiden. Eine gute technische Ausstattung bedeutet natürlich schon einen Wettbewerbsvorteil, aber am besten wird der eigene Rechner möglichst auch in der Nähe des Rechenzentrums der betreffenden Börse platziert. In einigen Fällen siedeln sich Hochfrequenzhändler deshalb sogar in unmittelbarer Nähe an. Meistens bieten die Börsen jedoch Server innerhalb ihrer eigenen Rechenzentren an, die Trader dann mieten können. Einige ermöglichen sogar eine Direktverbindung zwischen den eigenen Servern und den gemieteten Server, wodurch Trader dann nicht mehr über Internet auf diese zugreifen müssen, was die Übertragungsdauer deutlich verringert. Die Methode der „Co-Location” kann für einen Zeitvorsprung sorgen, der groß genug ist, um ein bedeutender Wettbewerbsvorteil zu sein.

Auf den Kryptomärkten gibt es bereits einige Börsen, die Serververmietung für Co-Location anbieten. So haben die Kryptobörsen HitBTC, Gemini und ErisX zum Beispiel entsprechende Angebote für Laufzeiten von über einem Jahr. Dadurch können Trader diese Strategie fahren, selbst wenn sie nicht in unmittelbarer Nähe der Börsen wohnen. Co-Location ist ein wichtiger Baustein des Hochfrequenzhandels, da eine nähere geografische Platzierung an der jeweiligen Börse immer auch einen Vorteil bedeutet.

Was ist Market-Making?

Market-Making ist eine gängige Strategie in der Handelswelt. Wenn ein Trader über genügend Vermögen verfügt, um einem Markt sowohl Angebot als auch Nachfrage zu stellen, kann er abhängig von den Marktpreisen dadurch einen Profit generieren.  

Market-Making wird normalerweise von großen Unternehmen betrieben und ist eine gern gesehene Strategie, da die Märkte hierdurch eine höhere Liquidität bekommen. Indem sie auf beiden Seiten des Orderbuchs Handelsgeschäfte abwickeln, sorgen die Market-Maker dafür, dass andere Trader jederzeit handeln können. In der Regel haben Börse Verträge mit einem oder mehreren Market-Makern, da diese eine wichtige Funktion für die Stabilität des Marktes erfüllen. Mittlerweile gibt es bereits erste Firmen, die einen entsprechenden Service auch für die Kryptomärkte anbieten.

Im Hochfrequenzhandel wird das Market-Making oftmals von kleineren Firmen übernommen, die keine gesonderten Verträge mit Börsen haben. Stattdessen nutzen sie ihre technischen Vorteile, um den Markt durch eine Vielzahl an Kauf- und Verkaufsgeschäften zu „machen“. Obwohl die Wirkung ähnlich größeren Anbietern ist, sind kleinere Firmen weniger zuverlässig, da sie keine Verbindung zur jeweiligen Börse aufweisen.

Was ist Arbitrage?

Arbitrage ist eine Strategie, bei der Kursdifferenzen eines Finanzprodukts über mehrere Handelsmärkte hinweg ausgenutzt werden.

In manchen Fällen hat ein Finanzprodukt über mehrere Handelsplattformen hinweg verschiedene Preise. Wenn diese Preisunterschiede gezielt ausgenutzt werden, um Profit zu machen, nennt sich das Arbitrage. Auf den Kryptomärkte sind solche Preisunterschiede nicht unüblich, da es beträchtliche Volatilität (Kursschwankungen) unter den Kryptowährungen gibt. Allerdings pendeln sich diese Unterschiede oftmals schnell wieder ein.

Hochfrequenzhändler können diese Preisunterschiede meist als erste ausnutzen, da sie über die nötige Schnelligkeit verfügen. Dazu wird spezielle Software eingesetzt, die die Unterschiede in Echtzeit ausfindig machen können und sofort entsprechende Kaufangebote abgeben. Es gibt viele verschiedene Wege, um die Arbitrage-Strategie zu fahren, aber in jedem Fall müssen Preisunterschiede ausfindig gemacht und schnellstmöglich ausgenutzt werden. In diesem Kontext gilt es anzumerken, dass je effizienter ein Trader Arbitrage einsetzt, umso weniger profitabel wird diese Strategie langfristig.

Was ist Pinging?

Pinging ist eine Strategie bei der Hochfrequenzhändler in schneller Folge eine Reihe kleinerer Handelsgeschäfte abwickeln, um größere, zusammenhängende Trades zu finden, die aufgeteilt wurden, um den Marktpreis nicht zu beeinflussen.

Bei dieser Methode wird mit kleineren Trades eine Bandbreite an Kursen durchprobiert, um herauszufinden, zu welchen Preisen Großinvestoren kaufen bzw. verkaufen wollen. Da diese vielen kleinen Anfragen automatisch durch einen Algorithmus gestellt werden, können innerhalb weniger Sekunden viele verschiedene Preise durchprobiert werden. Die Software kann ihren Geschwindigkeitsvorteil nutzen, um anschließend zum niedrigsten Preis zu kaufen und zum höchsten Preis wieder zu verkaufen.

Diese Strategie ist sehr von großen Tradern abhängig, wobei sie zumeist in sogenannten „Dark Pools“ Anwendung findet. Dark Pools sind private Handelsräume, die ihre Orderbücher nicht in Echtzeit einsehbar machen, weshalb das Pinging umso wichtiger wird. Nach gesetzlichen Vorgaben müssen Transaktionsinformationen in der Regel offengelegt werden, aber wenn diese Informationen lange genug hinausgezögert werden, können institutionelle Investoren große Trades abwickeln, ohne dass der Markt davon „Wind bekommt“. Dies kann wiederum von Hochfrequenzhändlern ausgenutzt werden, die die Pinging Methode anwenden, um diese großen Trades ausfindig zu machen.

Was ist Nachrichten basiertes Trading?

Nachrichten basiertes Trading ist schlicht Handel auf Grundlage von aktuellen Nachrichten rund um die entsprechende Anlageklasse.

Die meisten Trader werfen einen Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage, um danach ihre Handelsstrategie auszurichten. Dies ist nahezu immer der Fall. Bei einer auf Nachrichten basierten Strategie besteht nahezu Chancengleichheit zwischen allen Marktteilnehmer, da alle ungefähr zur gleichen Zeit die neuesten Meldungen zugespielt bekommen. Wenn Trades auf Grundlage von Informationen gemacht werden, die der breiten Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind, ist dies sogenannter „Insiderhandel“, der zumeist als illegal gilt.

Der Hochfrequenzhandel kann sich nichtsdestotrotz einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem Nachrichtenmeldungen per Software automatisch analysiert werden, woraufhin entsprechende Handelsgeschäfte initiiert werden. Die Software merkt dabei nicht nur, um welches Finanzprodukt es sich handelt, sondern ob die betreffende Nachricht positiv oder negativ ist. Obwohl die Algorithmen logischerweise langsamer sind als Insiderhandel, können Hochfrequenzhändler so trotzdem deutlich schneller agieren als durchschnittliche Anleger, die Nachrichten erst selbst auswerten müssen.

Ist Hochfrequenzhandel gut oder schlecht für die Kryptomärkte?

Einige Stimmen sind der Meinung, dass der Hochfrequenzhandel einen unfairen Vorteil für Trader darstellt, die über die entsprechenden Kapazitäten verfügen, um diesen zu betreiben. Allerdings gibt es auch Stimmen, die den Hochfrequenzhandel befürworten, da dieser für zusätzliche Stabilität und Liquidität auf den Kryptomärkten sorgt.

Wie bereits erwähnt, schafft der Hochfrequenzhandel Nachteile für diejenigen Trader, die sich nicht daran beteiligen. Ein klassischer Trader könnte dieselben Handelsstrategien nicht ansatzweise so erfolgreich fahren wie ein Hochfrequenzhändler. Dadurch ist das Gros der Trader also automatisch nicht mehr wettbewerbsfähig, was vielen Anlegern sauer aufstößt. Obwohl der Hochfrequenzhandel auf anderen Märkten schon längst gang und gäbe ist, werden dessen Auswirkungen auf die Kryptomärkte wohl noch deutlicher zu spüren sein, da hier momentan noch wenig gesetzliche Regulierung vorzufinden ist. Diejenigen, die Kryptowährungen als eine Möglichkeit sehen, das Finanzsystem neu zu denken, sehen im Hochfrequenzhandel eine weitere Form des Elitismus der, den „kleinen Mann“ von den Märkten ausschließt.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass der Hochfrequenzhandel die Volatilität erhöhen kann und für sogenannte Flash-Crashes sorgt. Die schiere Menge und Geschwindigkeit mit der gehandelt wird, kann in Ausnahmefällen dazu führen, dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird, bei der innerhalb weniger Sekunden massive Verkäufe stattfinden, die den Kurs ins Bodenlose stürzen. Dieses zusätzliche Risiko ist für durchschnittliche Anleger wiederum ein weiterer Hinderungsgrund.

Die Befürworter des Hochfrequenzhandels argumentieren jedoch, dass dieser für erhöhte Liquidität auf den Märkten sorgt, die auch kleineren Anlegern hilft, ihr Geld schneller bewegen zu können und damit weniger Risiko ausgesetzt zu sein. Des Weiteren sorgt höhere Liquidität für eine bessere Preisfindung, wodurch möglichst faire Preise entstehen. Zudem behaupten einige, dass diese gesteigerte Effizienz und Liquidität das Risiko für Flash-Crashes sogar eher verringern.

Obwohl durchschnittliche Anleger zwar nicht mit den Hochfrequenzhändlern mithalten können, gibt es noch andere Handelsstrategien, die nicht auf Schnelligkeit setzen. Diese profitieren wiederum von der erhöhten Stabilität, die der Hochfrequenzhandel mit sich bringt.

Wer bietet Krypto-Hochfrequenzhandel an?

Obwohl dieser Markt noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es Hochfrequenzhandelsunternehmen aus den klassischen Märkten, die ihren Kunden jetzt auch den Handel mit digitalen Vermögenswerten anbieten. Zudem gibt es schon mindestens eine Kryptobörse, die ihren Nutzern die nötigen Tools an die Hand gibt, um Krypto-Hochfrequenzhandel zu betreiben.

In den letzten Jahren haben sich etablierte Hochfrequenzhandelsunternehmen immer mehr mit Kryptowährungen auseinandergesetzt. Die größte dieser Firmen ist die Cumberland Mining, eine Tochter des in Chicago ansässigen Unternehmens DRW. Weitere solcher Unternehmen, die auf die Kryptomärkte strömen, sind zum Beispiel Jump Trading, DV Trading und Hehmeyer Trading. Unter den Kryptobörsen gibt es bisher allerdings nur wenige, die ihren Nutzern die nötige Geschwindigkeit und die nötigen Tools anbieten, um effektiven Krypto-Hochfrequenzhandel zu betreiben. Wie bereits erwähnt bieten die Kryptobörsen Gemini und ErisX Co-Location an, wohingegen Coinbase und die HitBTC neben Co-Location auch ergänzend spezielle Tools für Hochfrequenzhandel zur Verfügung stellen. Mit Programmierschnittstellen (APIs) wie FIX und Streaming können diese Handelsplattformen garantieren, dass Trades mit möglichst niedriger Zeitverzögerung abgewickelt werden, wobei in der Regel eine Geschwindigkeit von unter 1 Millisekunde verzeichnet wird.

Durch die Kombination dieser Software-Lösung mit der Anmietung von Servern, die bei der Kryptobörse vor Ort stehen, haben Nutzer alles, was sie brauchen, um die oben genannten Strategien des Hochfrequenzhandels zur Anwendung zu bringen. Zudem bieten die Börsen einen Demo-Modus, der es ihnen ermöglicht, bestimmte Einstellungen anhand echter Marktdaten auszuprobieren, ohne tatsächliche Krypto-Gelder einsetzen zu müssen. Da die meisten Anbieter vergleichbarer Dienstleistungen aus der traditionellen Finanzbrache kommen, ist es für Krypto-Anleger vielleicht umso sinnvoller, auf eine wahrhafte Kryptobörse zurückzugreifen.  

Obwohl der Hochfrequenzhandel vielleicht nicht für jedermann ist, bieten sich hier Möglichkeiten, die für clevere und fortgeschrittene Trader einen klaren Wettbewerbsvorteil bedeuten. Auch wenn sie sich dabei zwar fortlaufend an neue gesetzliche Vorgaben anpassen müssen, ist es unwahrscheinlich, dass der Krypto-Hochfrequenzhandel irgendwann gänzlich verboten wird. Es gibt viel zu beachten, aber mit den richtigen Tools und Strategien kann jeder ein Hochfrequenzhändler sein.

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