ICO, Erklärt

ICO, Erklärt

Cointelegraph

1.

Was ist ein ICO?

Ein ICO ist ein neu hervorgegangenes Konzept zur Crowdfunding-Finanzierung von Projekten im Feld der Kryptowährungen und Blockchains.

ICO steht für Initial Coin Offering. Darunter versteht man ein Ereignis, manchmal auch „Crowdsale“ genannt, bei dem ein Unternehmen seine eigene Kryptowährung mit einem Finanzierungsziel einführt. In der Regel gibt es nur eine bestimmte Anzahl an Token und man verkauft diese meist im Tausch gegen Bitcoins oder aber auch gegen echtes Geld an ihre Zielgruppe.

Als Ergebnis erhält das Unternehmen das Kapital, um die Produktentwicklung zu finanzieren, und die Zuschauer erhalten ihre Krypto-Token-Aktien. Außerdem haben sie das vollständige Eigentum an diesen Aktien.

2.

Gab es schon erfolgreiche ICOs?

Ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele.

Das erste ICO-Projekt überhaupt war Mastercoin. Diesem ist es 2013 gelungen, sich Bitcoins im Wert von 5 Mio. $ zu sichern, indem die eigenen Token verkauft wurden. Viele anderen Firmen folgten diesem Beispiel, wie Ethereum (2014) oder Waves (2016), welche jeweils 18 Mio. $ und 16 Mio. $ aufgebracht haben.

ICO ist eine bewährte und effektive Art, seinem Kryptoprojekt auf die Sprünge zu helfen. Die wichtigsten Bedingungen sind eine entsprechend hohe Nachfrage und ein zuverlässiges und starkes Team, das daran arbeitet.

3.

Worin unterscheidet sich ein ICO von einem IPO?

Es gibt durchaus ein paar Parallelen zwischen den Konzepten des Initial Public Offering und des ICOs, aber auch einige gravierende Unterschiede.

Der erste Unterschied ist, dass die Anteile eines Unternehmens, die im Rahmen eines IPO ausgegeben werden, bedeuten, dass man auch zum Teil Eigentümer dieses Unternehmens ist. Das ist bei Krypto-Token, die bei einem ICO öffentlich ausgegeben werden, nicht automatisch der Fall. Krypto-Token können in einigen Projekten genutzt werden, um Stimmrechte zu übertragen - je mehr Token man hat, desto mehr Stimmrecht hat man - aber meistens sind Token nur genau eine Währungseinheit, die man an andere Benutzer senden und gegen andere Währungen eintauschen kann.

Der andere entscheidende Unterschied ist, dass IPOs durch und durch von der Regierung reguliert werden. Das erfordert, dass die Firma einen großen bürokratischen Aufwand betreibt, bevor sie ihre Anteile ausgibt. Das bedeutet auch, dass es schwerwiegende Konsequenzen nach sich zieht, sollte die Firma sich nicht daran halten. Die neuartige Finanzierung durch Crowdfunding von Kryptowährungen ist allerdings noch weitgehend von der staatlichen Regulierung unberührt. Das heißt, dass jedes Projekt jederzeit ein ICO ohne große Vorbereitung starten kann und jeder daran teilnehmen und sein Geld beisteuern kann, unabhängig davon, aus welchem Land man kommt. Dieses liberale Umfeld birgt sowohl ganz neue Möglichkeiten als auch Risiken im Vergleich zum eher konservativen IPO.

4.

Wofür kann man ICO Krypto-Token noch verwenden?

Das hängt vom jeweiligen Projekt ab. Manchmal haben sie zusätzliche Funktionen und Verwendungszwecke.

Ein gutes Beispiel ist Storjcoin. Storjcoins sind Krypto-Token, die von Storj.io im Rahmen eines ICOs ausgegeben wurden. Storj.io ist ein dezentralisiertes Start-Up-Unternehmen, das sich auf Cloud-Speicher spezialisiert. Sobald das Hauptprodukt eingeführt wird, haben User die Möglichkeit, mit ihren Storjcoins Speicherplatz zu erwerben sowie mit diesen Token wie mit jeder anderen Währung zu handeln. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist Ethereum, eine Plattform, die sich der Entwicklung von dezentralisierten Apps aller Art widmet. Die Token dieses Unternehmens, Ether, werden dazu verwendet, den Betrieb der Apps, die auf der Plattform bereits entwickelt wurden, aufrechtzuerhalten.

Theoretisch können ICO-Token für alles Mögliche genutzt werden, wie Ethereum deutlich zeigt. Die Nutzungsmöglichkeiten hängen vom Umfang des Projekts ab.

5.

Was habe ich von ICOs?

Es gibt viele mögliche Vorteile, wenn man sich an einem ICO beteiligt. Der offensichtlichste Vorteil ist: Man hilft dem Unternehmen, sein Produkt auf den Markt zu bringen. Es gibt auch die Möglichkeit, Gewinn zu machen, indem man seine ICO-Token nach dem Erwerb verkauft.

Das Ziel bei jedem ICO-Teilnehmer ist es, genau wie bei Kickstarter, einem Projekt finanziell auf die Sprünge zu helfen, das man interessant und ansprechend findet. Jedoch gibt es noch eine zusätzliche Möglichkeit, dabei Gewinn zu machen.

In den meisten Fällen werden Krypto-Token im Rahmen eines ICO zu einem fixen Wert in Bitcoins oder US-Dollar verkauft. Dieser Wert wird lediglich durch das Vertrauen der Gemeinde in das Entwicklerteam festgelegt, irgendwann in der Zukunft ein fertiges Produkt auf den Markt zu bringen, daher ist dieser meist sehr niedrig. Nach der Entwicklung und Markteinführung des Projekts wird der Wert des Tokens durch ein echtes, funktionierendes Produkt gesichert. Das führt so gut wie immer zu einem Preisanstieg. Wenn das passiert, können diejenigen, die von Anfang an dabei waren, ihre Token mit einem beträchtlichen Gewinn verkaufen.

Beim ICO von Ethereum im Jahr 2014 zum Beispiel wurden die Token zu einem Preis von jeweils 0,3 Dollar bis 0,4 Dollar verkauft. Nachdem die Hauptplattform des Projekts im Juli 2015 an den Start gegangen ist, stieg der Preis der Token beachtlich, sogar bis zu 19,42 Dollar. Das heißt, dass die Teilnehmer, die am meisten Glück hatten, einen Wertzuwachs von über 6000 Prozent verbuchen konnten.

Jedoch sollte man stets daran denken, dass Gewinne nicht garantiert sind. Eine ICO-Kampagne kann auch fehlschlagen und in diesem Fall werden alle Beiträge an die Teilnehmer zurückgezahlt. Und wenn die Kampagne ein Erfolg haben wird, kann es passieren, dass die Entwickler kein fertiges Produkt abliefern können und der Wert der Token nicht steigt. Das ist ein Risiko, das jeder ICO-Teilnehmer berücksichtigen muss, wenn er sich an einer Kampagne beteiligt.

6.

Wo finde ich mehr Projekte, die ihre eigenen ICOs ins Leben gerufen haben?

Es gibt Plattformen, die sich dafür einsetzen, den Suchprozess und die Teilnahme an ICO-Kampagne so einfach wie möglich zu machen. Dazu gehören Waves, ICO Bazaar und unser ICO-Kalender.

Viele Blockchain-Projekte haben auf die ICOs auf ihren eigenen Webseiten gesetzt. Diese Praxis ist in vielen Fällen suboptimal, da die Kampagne dadurch nur begrenzt in Erscheinung tritt: Es ist nicht einfach, viele Leute auf die Zielseite selbst anzulocken.

Aus diesem Grund wurde begonnen, Plattformen zu erstellen, die ICO-Kampagnen verschiedener Startups zusammenfassen. Das tun zum Beispiel Kickstarter oder Indiegogo. Ironischerweise wurden einige dieser Plattformen auch über eigene ICOs finanziert. Hier sind einige davon:

  • Waves
  • ICONOMI
  • State of the Dapps (basiert auf Ethereum)
7.

Werden die Besitzer des Projekts nicht einfach mit meinem Geld weglaufen?

Es gibt wenige bis keine Garantien, die von der Regierung je nach Land durchgesetzt werden. Inzwischen haben die meisten Unternehmen, die ihre ICO-Kampagnen starten, sich selbst Beschränkungen auferlegt, um Beitragszahlern ausreichend Vertrauen und Transparenz anzubieten.

Die frühesten ICOs waren von Natur aus fast ungeregelt und kaum beschränkt. Doch bald wurde den Eigentümern der Blockchain-Startups klar, dass es ohne staatliche Vorschriften ihre Pflicht ist, die Bedingungen festzulegen und ausreichendes Vertrauen seitens der Gemeinschaft und damit auch den ausreichenden Zufluss von Beiträgen zu gewährleisten.

Dies hat zu einer Reihe selbst auferlegter Beschränkungen geführt. Hier sind einige davon:

  • Speichern von Beiträgen der Community-Mitglieder in Escrow Wallets. Um auf das Geld in solchen Wallets zugreifen zu können, benötigen die Besitzer mehrere private Schlüssel. Einer der Schlüssel besitzt normalerweise eine dritte vertrauenswürdige Organisation, die nicht an der Projektentwicklung beteiligt ist.
  • Gründung der juristischen Person für das Unternehmen und Dokumentation einer Reihe von Geschäftsbedingungen des ICOs.

Werfen Sie einen Blick auf den kommenden ICO von Humaniq, der ein gutes Beispiel für eine gut durchdachte Kampagne ist. Ein detailliertes Whitepaper und eine Roadmap, klar definierte Ziele für das Projekt, Kommentare von unabhängigen Experten und die Tatsache, dass die Entwickler sich entschieden haben, ihre Identität öffentlich zu machen - das alles sind Merkmale der legitimen Kampagne.

8.

Wie erkennt man einen möglichen ICO-Betrug?

Es gibt mehrere Anzeichen für einen potenziell betrügerischen ICO. Dazu gehören anonyme Entwickler, das Fehlen eines Wallets und unklare oder unrealistische Ziele.

Die Kryptowährung-Community musste sich in den letzten Jahren mit einer Reihe von betrügerischen ICO-Kampagnen befassen. Es gibt ein paar rote Flaggen, die für die meisten dieser Kampagnen üblich sind. Indem Sie diese erkennen, wissen Sie, welche potenziell gefährlichen Unternehmen Sie vermeiden sollten:

  • Die Entwickler des Projekts sind entweder anonym oder niemandem in der Community bekannt. Wenn Menschen, die hinter einem ICO stehen, sich in der Öffentlichkeit nicht zeigen, fühlen sie sich wahrscheinlich sicher, während sie jemanden betrügen.
  • Kein Wallet für Beiträge. Wenn alle Schlüssel zu den Spenden der Beitragszahler in den Händen der Eigentümer eines Projekts konzentriert sind, hindert sie nichts, mit dem Geld wegzulaufen.
  • Unrealistische / unklare Ziele. Wenn ein Projekt keinen klaren und realistischen Plan hat, bedeutet das, dass Projektbetreiber im besten Fall nicht wissen, was sie tun. Im schlimmsten Fall ist es ihnen egal, weil sie nichts tun werden.
  • Mangel an Transparenz: Heute gilt es als Industriestandard in Krypto, dem Publikum aktuelle Arbeitsabläufe zu zeigen. Wenn die Entwickler keine Code-Snippets, Demo / Beta-Versionen ihres Produkts, Videos hinter den Kulissen oder andere Berichte über ihre Fortschritte veröffentlichen, ist es möglich, dass sie überhaupt nichts zu zeigen haben.

Wenn Sie eine ICO-Kampagne gefunden haben, die eines der oben genannten Zeichen und insbesondere eine Kombination von ihnen zeigt, ist es am besten, kein Geld für ihr Projekt zu geben.