Südkorea und die Krypto-Regulierung, Erklärt

Südkorea und die Krypto-Regulierung, Erklärt

Cointelegraph

1.

Wie groß ist Südkoreas Einfluss auf den Kryptomarkt?

Südkorea gilt nach den USA und Japan als weltgrößter Markt für Kryptowährungen.

Die Bevölkerung Südkoreas ist kaum größer als die von Kalifornien und Arizona zusammengenommen. Doch es die Zahlen aus diesem Land sind es, die weitgehend den globalen Wert von Kryptowährungen diktieren.

Bei der Spekulation mit Kryptowährung schien ein nahezu irrationalen Enthusiasmus entstanden zu sein. Daher beschloss die südkoreanische Regierung Schritte einzuleiten, um den Krypto-Wahn im Land einzugrenzen.

BTC UMFANG

2.

Wie beeinflusst Südkorea den Kryptowährungskurs?

Vereinfacht gesagt: durch Spekulation.

Die Blockchain Industry Association schätzt, dass Südkorea mehr als ein Dutzend Kryptobörsen hat. Darunter sind Bithumb, Korbit und Coinone. Das bedeutet, dass die Nachfrage nach Kryptowährungen selbst in einem Land mit einer Bevölkerung von weniger als 50 Millionen so groß ist, dass Kryptowährungen zu Preisen gehandelt wurden, die über 30 Prozent höher lagen als in anderen Ländern.

Laut einer Studie haben 80 Prozent der südkoreanischen Investoren von Investments in Kryptowährungen profitiert. Über ein Drittel der Angestellten in Korea haben ein durchschnittliches Kryptovermögen von 4.000 Euro. Das ist eine sehr große Akzeptanz für ein Anlagevehikel, das unerprobt ist und ausschließlich auf Spekulationen basiert.

BTC

3.

Was ist zurzeit auf dem Kryptomarkt in Südkorea los?

Tatsächlich passiert da ziemlich vieles.

Es gibt eine lange Vorgeschichte zu dem Wirbel, den wir aktuell in Südkorea sehen. Es begann alles damit, dass die südkoreanische Regierung Bitcoin-Dienstanbieter offiziell legalisiert hat. Damit sollten im Juli 2017 Zahlungen, Überweisungen und der Handel einfacher gemacht werden. Das hat einen bedeutenden Anstieg der Nachfrage nach Kryptowährungshandel im Land ausgelöst.

Im August 2017 wurden Berichte öffentlich, dass nordkoreanische Hacker die südkoreanischen Bitcoin-Börsen ins Visier genommen haben. Anfang September kamen dann Gerüchte auf, dass Südkorea eine strengere Regulierung der Digitalwährungen plant.

Im Dezember wurden diese Gerüchte immer schlimmer, da Spekulationen nun von einem vollständigen Verbot von Kryptowährungsbörsen sprachen.

Bereits da hat Südkorea ein größeres Handelsvolumen als China verzeichnen können.

4.

Wie sieht es im Jahr 2018 bisher aus?

Das Jahr fing etwas holprig an.

Die Regierung hat weitere Regulierungen angekündigt. Diese sahen vor, den anonymen Kryptowährungshandel zu verbieten, um die Spekulation mit Kryptowährungen unter Kontrolle zu halten. Kurz nach dieser Ankündigung hat der Dienst CoinMarketCap mehrere südkoreanische Börsen von seiner Webseite entfernt. Als Begründung wurden extreme Preisdifferenzen genannt.

Das hat der Marktkapitalisierung von Ripple einen Verlust von 16,1 Mrd. Euro beschert.

Daraufhin wurden wieder Nachrichten über ein vollständiges Verbot von Kryptowährungen laut, da das Justizministerium eine Erklärung abgegeben hat. Diese wurde allerdings fast sofort wieder vom Büro des südkoreanischen Präsidenten widerrufen.

5.

Wie funktioniert der Kryptwährungshandel in Südkorea?

Überwiegend über virtuelle Bankkonten.

Großbanken, wie zum Beispiel die landesweit zweitgrößte Shinhan Bank, stellen den lokalen Kryptobörsen virtuelle Bankkonten zur Verfügung. Jeder Händler oder Investor kann das virtuelle Bankkonto nutzen, um große Summen von Koreanischen Won einzuzahlen oder abzuheben. Dabei müssen sie keine wirklichen Bankkonten nutzen, da das teuer und zeitaufwendig sein könnte.

Das ist einer der Faktoren, die den Krypto-Wahn im Land geschürt haben. Doch die Branche wird nun direkt von der Regierung beobachtet. Denn diese befürchtet unter anderem, dass illegale Gelder in den Markt fließen könnten und Kursmanipulationen bei Kryptowährungen auf spekulativen Investments basieren werden.

6.

Werden die angekündigten Verbote tatsächlich eingeführt?

Das wurden sie schon.

Die Regierung hat schon seit September 2017 spekulationsbedingte, sehr große Schwankungen auf dem Kryptowährungsmarkt bemerkt. Um Geldwäsche und andere illegale Aktivitäten zu verhindern, wurde im Dezember 2017 über ein geplantes Verbot von anonymem Handel auf inländischen Börsen berichtet.

Der südkoreanische Premierminister Lee Nak-Yeon hat davor gewarnt, dass Kryptowährungen für Jugendliche (besonders Schüler) ein einfacher Einstieg in illegale Aktivitäten sein könnten. Diese Aktivitäten schließen von Drogenschmuggel bis hin zu Schneeballsystemen alles mit ein.

Trotz der falschen Darstellung der "strengeren Regulierung von Kryptowährungen" durch die Medien, hat der Finanzminister Kim Dong-yeon am 31. Januar 2018 noch einmal klargestellt, dass es kein Verbot von Kryptowährungen im Land geben werde.

7.

Wird es noch weitere geben?

Leider sieht es ganz danach aus.

Inmitten der Verwirrung in Bezug auf ein Kryptowährungsverbot, wurden einige Regierungsmitarbeiter des Insiderhandels verdächtigt.

Die Regierung hat auch angekündigt, dass sie Kryptobörsen besteuern werde. Die Steuer soll 24,2 Prozent betragen und würde damit der südkoreanischen Steuerregelung für alle Unternehmen entsprechen, die jährlich über 20 Mrd. Won (ca. 15 Mio. Euro) Umsatz machen.

Und abgesehen vom Verbot des anonymen Handels, wird es ein Verbot für die Beteiligung von Ausländern und Minderjährigen geben. Damit dürfen diese dann keine neuen Kryptowährungskonten eröffnen.

8.

Wie will die südkoreanische Regierung die Verbote durchsetzen?

Überwiegend durch Finanzstichproben.

Die Regierung hat die erlaubt keine neuen virtuellen Konten und Kryptohändler dürfen keine Einzahlungen auf ihre Kryptobörsen-Wallets machen, wenn der Name auf der Kryptobörse nicht mit dem Namen bei ihrem Bankkonto übereinstimmt.

Die Finanzbehörden haben auch gefordert, dass Kryptobörsen ihre Know-Your-Customer- und Anti-Geldwäsche-Systeme erneuern.

 
9.

Wie sehen die Konsequenzen dieser geplanten Krypto-Regulierung für den Markt aus?

Auf kurze Sicht werden sie sehr schwerwiegend sein.

Da Südkorea ein sehr großer Kryptomarkt ist, bedeutet das auch, dass die Regulierungen des Staates einen großen Einfluss auf den Kryptomarkt weltweit haben werden.

Auf lange Sicht ist es schon schwerer zu sagen. Aber die Märkte werden sich mit der Zeit wahrscheinlich darauf einstellen.

Wir konnten das bereits schon beobachten, als die Gerüchte über die Verbote aufgekommen sind. Als diese Nachrichten ganz aktuell waren, ist die Gesamtmarktkapitalisierung aller Coins innerhalb eines Tages um 40 Prozent gesunken (der sogenannte "Black Tuesday").

Doch kurz danach ist die Gesamtmarktkapitalisierung bereits wieder nach oben geklettert.

DIAGRAMM                   

Es ist Tatsache, dass Spekulation eine große Rolle beim Kurs der Kryptowährungen spielen. Jede Gesetzesänderung oder Änderung in der Wirtschaft bei den großen Krypto-Knotenpunkten (wie Südkorea) werden immer Kursschwankungen bei den Digitalwährungen auslösen.

Doch es ist ziemlich wahrscheinlich, dass sich der Markt erholt und sogar über sein Niveau vor dem Crash hinausgeht, wie wir es bereits bei den Schreckmomenten mit China gesehen haben.