Jeremy Allaire, der Geschäftsführer des Krypto-Zahlungsdienstleisters Circle, ist überzeugt davon, dass Vermögenswerte in den nächsten zwei bis drei Jahren zunehmend in Krypto-Token verpackt bzw. „tokenisiert“ werden.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos diskutierten Allaire und Neha Narula, die Leiterin der Abteilung für Digitalwährungen im Media Lab der renommierten US-Universität MIT, am 21. Januar, inwiefern die „Tokenisierung“ dabei helfen kann, Vermögenswerte mit geringer Liquidität zugänglicher gemacht werden können, ohne neue Risiken für das weltweite Finanzsystem zu schaffen.

Tokenisierung braucht Standards

Dazu begannen Allaire und Narula zunächst mit einer Erklärung, was Blockchain-basierte „Tokens“ überhaupt sind und welchen Zwecken sie dienen können. Dabei betonten die beiden hauptsächlich, dass es Krypto-Token ermöglichen, Vermögenswerte wie Immobilien, Aktien oder sonstige Finanzprodukte leichter auf dem Sekundärmarkt handeln zu können.

Narula weist jedoch darauf hin, dass mit der Nutzung solcher Krypto-Token völlig neue Risiken verbunden sind, weshalb es entsprechende Standards bräuchte, um mit diesen umzugehen. Deshalb fordert sie gesetzliche Regulierungsvorschriften, die ein paar grundlegende Voraussetzungen schaffen sollen:

„Wir brauchen Anlegerschutz und wir müssen die Integrität des Marktes sicherstellen. Jeder der solche Krypto-Tokens herausgibt, muss genauestens offenlegen, welche Vermögenswerte daran geknüpft sind. Und wir müssen natürlich sichergehen, dass die Tokens tatsächlich an die Vermögenswerte in der echten Welt angebunden sind, an die sie vorgeben.“

Zukunftsmusik?

Um die Wirkungswiese der „Tokenisierung“ zu verdeutlichen, nennt Allaire als Beispiel einen fiktiven Bauern in Indien, der seine zukünftige Ernte oder seinen Grundbesitz „tokenisieren“ könnte, um diese auf dem Finanzmarkt anbieten und damit Investoren finden zu können.

Auf die Frage, wie realistisch dieses Beispiel bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei, antwotete Allaire, dass es sich dabei noch um Zukunftsmusik handele. Würde man es jetzt schon umsetzen wollen, müsste der fiktive Bauer in der Lage sein, Zahlungen per Stablecoin annehmen zu können, was eine Reihe weiterer technischer Herausforderungen mit sich bringen würde. Allerdings hält Allaire es nichtsdestotrotz für realistisch, dass das von ihm angeführte Beispiel in zwei bis drei Jahren bereits Realität ist.

Hinsichtlich der Entwicklung in den nächsten fünf bis zehn Jahren meint Allaire, dass „die Finanzwelt dann viel mehr so aussehen wird, wie die heutige Welt des Onlinehandels“. Narula ergänzt, dass die Finanzbranche in dieser Zeit „natürlich auch an einigen Stellen deutlich daneben greifen wird“, wobei es auch Bereiche geben wird, „in denen etwas entwickelt wird, das uns heute noch fehlt“.

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