Mit Blockchain auf der Überholspur: Automobile auf dem Weg Richtung Zukunft

Die Automobilindustrie wird als eine der fortschrittlichsten Branchen bezeichnet, die oft den Weg für neue Technologien wie künstliche Intelligenz (AI) und autonome Systeme ebnet. Blockchain gilt als eine solche Technologie, von daher ist es wenig überraschend, dass die Industrie sich in der neuen Sphäre wiederfindet.

Automobilhersteller haben keine Zeit verloren, das Blockchain-Phänomen einzufangen und sind aktuell großflächig damit beschäftigt, herauszufinden, auf welche Art das Konzept der unveränderlichen Ledgers auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Branche angewandt werden kann.

Am 11. Juni demonstrierten beispielsweise IOTA und Volkswagen einen Proof-of-Concept (PoC), der IOTAs Tangle-System für autonome Fahrzeuge verwendet. Dies ist nur eine Anwendungsmöglichkeit von Blockchain-Tech in der Autoindustrie.

Es müssen nicht immer selbstfahrende Autos und Weltraum-Anwendungen sein; BMW beispielsweise ist ein Unternehmen, das Blockchain verwenden, um die ethische Schürfung von seinen der Produktion verwendeten Rohstoffen - wie Kobalt - sicherzustellen.

Der Anwendungsradius für Blockchain reicht von einfachen Konzepten wie BMWs Logistik bis hin zu Volkswagens autonomen Fahrzeugen und umfasst darüber hinaus alle Aspekte dazwischen und die Automobilindustrie forscht ungebremst weiterhin begeistert nach neuen Anwendungen für die Technologie.

Ein Blick in die Automobilbranche

Es gibt eine lange Liste von Möglichkeiten, wie die Spieler der Automobilindustrie Blockchain nutzen könnten und einige dieser Anwendungsmöglichkeiten werden langsam von den größeren Herstellern realisiert.

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Porsche, BMM und Mercedes machten Anfang des Jahres Schlagzeilen, als sie anfingen, Blockchain auf Herz und Nieren zu testen. BMW hat seinen Kobalt-Ledger, Mercedes stellte ein Fahrsicherheitsprogramm vor, das umweltbewusste Fahrer mit Krypto-Prämien belohnt und Porsche arbeitet an Blockchain-Apps.

Aber andere sind ihnen dicht auf den Fersen und viele werden dem Blockchain-Markt für die Automobilindustrie den Kampf ansagen. Tatsächlich herrscht nicht nur im Bereich Blockchain für Autos ein harter Konkurrenzkampf - auch bekannte Hersteller wie IBM und Bosch treiben die Blockchain-Adaption maßgeblich voran.

Bosch ist tatsächlich eine der führenden Firma, wenn es um Patente für autonome Fahrzeuge geht. Im Juli 2017 verzeichnete Bosch 958 Patente und liegt somit weit vor dem Zweitplatzierten Audi mit 512 Patenten.

Bosch spielt eine wichtige Rolle bei der Blockchain-Förderung, auch als wichtiges Mitglied der Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) und zeigt, dass Automobiltechnik und Blockchain-Technologien vernetzter als je zuvor sind.

Wer führt im Rennen um Patente für autonomen Fahren

Bildquelle: Statista

Mobility Open Blockchain Initiative

Unter den 30 Unternehmen der MOBI befinden sich BMW, Ford, Renault und General Motors. Gründungsmitglieder sind unter anderem IBM, Bosch und Blockchain at Berkeley, eine Studentenorganisation der UC Berkeley zur Blockchain-Förderung.

MOBI wurde am 2. Mai von vier führende Automobilhersteller als Gemeinschaftsunternehmen unterstützt von 30 weiteren Unternehmen gegründet. Die Gruppe hat es sich laut der MOBI-Webseite zum Ziel gemacht, die Adaption von Blockchain und Transportveränderungen zu beschleunigen und sicherzustellen, dass die Industrie gesamtheitlich auf der gleichen Seite ist, angefangen beim autonomen Zahlungen bis hin zu Gemeinschaftsfahrten.

Blockchain bahnt sich seinen Weg durch eine ganze Reihe Branchen, darunter Banken-, Unternehmen- und sogar Regierungssektoren. Wie Brian Kelly, der Gründer und Geschäftsführer der gleichnamigen Investmentfirma für digitale Wertanlagen Brian Kelly Capital Management, jedoch anmerkt, stellt die Automobilindustrie ein ganz neuen Schlachtfeld für den Blockchain-Wettkampf dar:

"Das ist eine tektonische Verschiebung in der Tech-Landschaft, die das Potenzial hat, die Wachstumspläne traditioneller Technologien zugunsten des Autos zu unterbrechen."

Das Erschaffen von Anwendungsfällen

Schlagzeilen über Anwendungen in der Automobilindustrie gehen in letzter Zeit hauptsächlich auf BMW und die Blockchain-Partnerschaft des Unternehmens zurück, die sich für die ethische Schürfung von Kobalt einsetzt. Auch Porsche sorgte kürzlich für Medienrummel mit seinen Blockchain-basierten Apps, unter anderem zum Öffnen und Schließen von Fahrzeugen und der Erlaubniserteilung für zeitlich begrenzte Zugriffe. Auch die Daimler AG, bekannt für ihre Mercedes-Benz Smart-Brands, landete in den Medienseiten mit der Einführung einer eigene Kryptowährung namens MobiCoin, welcher als Prämie für "gutes" Fahren ausgezahlt wird. Diese Unternehmen haben begonnen, greifbare Blockchain-Nutzungen anzubieten und haben nun Volkswagen und IOTA mit einem autonomen PoC im Nacken sitzen.

Doch es gibt noch mehr Vorfälle, wobei einige bis 2016 zurückreichen, bei denen sich Automobilfirmen mit Blockchain auf die Suche nach lukrativen Gewinnen und kreativen Anwendungen begaben.

Toyota und Blockchain-Lieferkettenmanagement

2016 trat der Finanzbereich Toyotas dem R3CEV-Konsortium bei. Auf lange Sicht wird erwartet, dass Toyota die Blockchain-Technologie für Lieferkettenmanagement- und Connected-Car-Systeme in der Automobilindustrie nutzen wird.

"Toyota Financial Services freut sich, dem R3CEV-Konsortium beizutreten, um die Verwendung von Distributed-Ledger-Technologien im Finanzwesen voranzutreiben", kommentiere Chris Ballinger, CEO und Leiter für globale Strategische Innovation bei Toyota. "Wir sind überzeugt, die Technologie wird Kosten senken, die Effizienz erhöhen und Autofinanzierungen transparenter für unsere Kunden machen."

Renault in der Blockchain-Sphäre

Renault erforscht sein einiger Zeit Blockchain für Auto-Pässe. Aktuell werden zur Speicherung von Informationen über Kunden und ihre Fahrzeuge eine ganze Reihe verschiedener Informationssysteme genutzt, die von Automobilherstellern, Versicherern, Reparaturwerkstätten und anderen Parteien verwaltet werden müssen. Renault versucht, diese Informationsberge mithilfe von Blockchain-Technologie zu konsolidieren.

Auch die RCI Bank im Besitz von Renault trat dem R3CEV-Konsortium bei. Die RCI Bank spezialisiert sich auch die Bereitstellung von Automobilfinanzierungsleistungen für Renault und andere Unternehmen der Nissan Group.

"Die Blockchain-Technologie, die mit einem falsifizierbaren und sicheren Ledger verglichen werden kann, wird als Möglichkeit angesehen, die Bankinfrastruktur und andere Anwendungen für den Kunden zu vereinfachen. Sie hat auch das Potenzial, die Sicherheit und Integrität von Systemen zu stärken und gleichzeitig die Verarbeitungskosten und Transaktionskosten zu senken, was wiederum den Banken und ihren Kunden zugute kommt ", erklärte die RCI Bank die Vorteile von Blockchain für Unternehmen in einem Statement.

eWallet für deutsche Autoteilehersteller

Die ZF Friedrichshafen AG, ein deutscher Autoteilehersteller, hat sich mit UBS und dem innogy Innovation Hub zusammengeschlossen, um das Blockchain-basierte Auto-eWallet zu entwickeln, welches Online-Zahlungen erleichtern soll. Das eWallet basiert auf einer Blockchain, angeblich "um die Sicherheit zu gewährleisten".

Die eWallets sollen als Zahlungssystem verwendet werden, beispielsweise beim Auftanken von elektronischen Autos. Darüber hinaus soll solch eine Lösung auch in der Lage sein, andere Mobilität-bezogene Zahlungsaspekte zu handhaben, zum Beispiel Mautgebühren, Parkgebühren oder Mitfahrgelegenheiten.

Die vielen Anwendungsmöglichkeiten deuten darauf hin, dass die Blockchain-Technologie auf vielerlei Arten bei der Herstellung angewendet werden kann. Das nach Science-Fiction klingende autonome IOTA-Fahrzeug ist vielleicht das interessanteste Neumodell von allen. Allerdings wurde Konzepte wie sein Lieferketten-Fahrzeug-Tracking und Smart-Manufacturing bereits mehr als einmal unter Beweis gestellt.

Blockchain in der Automobilindustrie

Man muss sich nur sechs Bereiche anschauen, in welchen die Autoindustrie mit der Nutzung von Blockchain beginnen hat, um ein Gespür für die Macht der Technologie für die Autoherstellerbranche zu erahnen.

Mitfahrdienste

Mit neuen Mobilitätslösungen wie Mitfahrdiensten und autonomen Systemem kann Blockchain für erhebliche Dellen in den Monopolen von Firmen wie Uber und anderen gemeinschaftlichen Fahrzeugdiensten sorgen.

Da Uber sich augenblicklich nicht mit Blockchain-Technologien beschäftigt, könnte es sein, dass ein dezentralisiertes System auf ein ähnliches Modell zusteuert.

In einem Unternehmen, das die absolute Kontrolle über alles hat, was innerhalb des Systems passiert und die Bedingungen für die Zusammenarbeit mit Vertragspartnern diktiert, besteht die Gefahr des Machtmissbrauchs. Mit seiner aktuellen Geschäftspolitik stellt Uber ein System dar, das nicht ohne eine zentralisierte Kontrollstelle funktioniert .

Ähnlichen konnte bereits 2015 beobachtet werden, als die israelische Firma La’Zooz eine dezentralisierte Transportplattform verwendete und ein Unternehmen namen Productive Edge im Jahr darauf einen PoC für einen Smart-Contract-Taxidienst implementierte.

Herstellung

Smart Manufacturing (zu deutsch etwa "schlaue Herstellung") ist ein Bereich, welcher der Autoindustrie mehr als nützlich sein könnte. Blockchain kann natürlich auf jedem Herstellungslevel verwendet werden, aber aufgrund der komplexen Natur beim Herstellen ganzer Fahrzeuge, könnte die Technologie übergreifend für große Verbesserungen sorgen - beispielsweise durch transparente Lieferketten und besser Inventar-Systeme.

Lieferketten

Ein selbstverständlicher Aspekt für Autohersteller ist Lieferkettenmanagement, eine zuweilen zeitintensive und teure Angelegenheit. Dieser Aspekt bei der Fahrzeugherstellung kann effektiv von einer Blockchain übernommen werden und sogar Versicherungsanforderungen können auf diese Art prozessiert werden.

Wie bereits erwähnt, testet Porsche bereits eine Art Reisepass für Autos. Durch Blockchain kann der gesamte Titeltransfer, Fahrzeug-Tracking-, Ausleih- und Verleih-Prozess für Autos auf die Blockchain verschoben werden.

Autos und Bitcoin

Von der Gegenwart in die Zukunft

Die Automobilhersteller reagieren bereits auf gegenwärtige Probleme mit Blockchain. Sie nutzen die Technologie für Lieferketten und Auto-Pässe. Aber noch viel interessanter ist, dass die Zukunft der Automobilindustrie durch Blockchain-Technologien ein Upgrade erfährt.

Volkswagens PoC für ein autonomes Auto über IOTA ist ein symbolischer Blick auf die Autoindustrie von morgen, die auf einer Technologie aufgebaut wird, die wir grade erst beginnen zu verstehen und anzuwenden.