Demokratie 2.0 – Zuckerberg sieht Selbstregulierung durch Nutzer als Modell der Zukunft

Facebook Geschäftsführer Mark Zuckerberg ist der Meinung, dass Online-Plattformen demokratisch geführt werden sollten, wobei er eine Selbstregulierung durch die Nutzer als „vielleicht bessere Alternative“ zur Steuerung durch politisch legitimierte Regierungsbehörden sieht.

Wie Zuckerberg am 9. Januar in einem Blogeintrag auf Facebook schreibt, „ist eine der wichtigsten Fragen des neuen Jahrzehnts, auf welche Art und Weise Online-Plattformen, die durch das Internet entstanden sind, geführt werden sollen“.

Zentrale Fragestellung des neuen Jahrzehnts

In seinem langen Blogeintrag ging Zuckerberg auf mehrere wichtige Themen ein, die er als zentrale Fragestellungen für die neue Dekade sieht, darunter unter anderem das Thema der „Governance“ (Führung) von Online-Plattformen. Eine Fragestellung, die auch für die Kryptobranche von großer Relevanz ist.

Als Beispiel führt Zuckerberg selbstverständlich Facebook an, wobei er daraus verweist, dass es bei der Führung des sozialen Netzwerkes immer wieder zu Zielkonflikten kommt, die die Tragweite eines privatwirtschaftlichen Unternehmens überschreiten würden. Dahingehend nennt er „freie Meinungsäußerung und Hassrede oder Datenschutz und Informationsoffenlegung für die Strafverfolgungsbehörden“ als Beispiele für solche Zielkonflikte. Dem fügt er an:

„In den meisten Fällen gibt es keine richtige Entscheidung, weshalb es wichtig ist, dass der Prozess der Entscheidungsfindung von den Nutzern als legitim aufgefasst wird. Aus diesem Grund bin ich der Überzeugung, dass privatwirtschaftliche Unternehmen keine Entscheidungen fällen sollten, die demokratische Grundrechte betreffen.“

Auf Nachfrage durch Cointelegraph verwies ein Facebook Sprecher für weiteren Kontext auf ein Kommentar, das Zuckerberg am 30. März 2019 in der Washington Post veröffentlicht hatte.

Die Kryptobranche sieht sich ebenfalls im Dilemma der Auflösung der von Zuckerberg genannten Zielkonflikte, allen voran, was Datenschutz und Informationsoffenlegung/-einholung durch Kryptobörsen betrifft.

In einer Studie hatte Barclays jüngst aufgezeigt, dass die Einholung und Offenlegung von Nutzerdaten, auch als „Know-Your-Customer“ (KYC) bekannt, sehr wohl die Häufigkeit von kriminellen Aktivitäten auf Online-Plattformen reduzieren kann.

Andererseits bedeutet die Aufbewahrung von Nutzerinformationen zum Zwecke der Weitergabe an Regierungsbehörden gleichsam ein Risiko für den Datenschutz, da diese Informationen durch Hackerangriffe gestohlen werden könnten.

Im August 2019 sah sich die Kryptobörse Binance einem solchen Hack ausgesetzt, bei dem sensible Nutzerdaten entwendet und im Internet verbreitet wurden. Bei einem Angriff auf Equifax wurden 2017 mehrere Millionen Nutzer ebenfalls Opfer einer solchen ungewollten Veröffentlichung ihrer Daten.

Regulierung auch für Kryptobranche immer wichtiger

Wie Zuckerberg vorschlägt, wären Vorgaben durch Regierungsbehörden, wie die entsprechenden Zielkonflikte aufzulösen sind, sinnvoller als eine Entscheidung durch das Unternehmen selbst, da die Regierungsbehörden immerhin politisch legitimiert sind.

Besonders beim Datenschutz und im Hinblick auf Wahlen sieht Zuckerberg eine Dringlichkeit für Vorgaben durch die Regierung.

Als bessere Alternative sieht der Facebook Geschäftsführer jedoch eine Steuerung durch die Nutzer selbst. So sollen Facebook Nutzer schon bald in der Lage sein, die Entfernung von bestimmten Inhalten anfechten zu können, woraufhin diese durch ein unabhängiges Gremium neu bewertet werden sollen, ehe es zur endgültigen Entscheidung kommt.

Der Kryptobranche fehlen derweil immer noch klare Mechanismen zur Regulierung, was dazu geführt hat, dass die Branche oft noch als „Wilder Westen“ gesehen wird.

Im Dezember hat Cointelegraph analysiert, welche fünf Länder im Jahr 2019 die größten Fortschritte bei der Krypto-Regulierung gemacht haben.