Vor zwei Jahren, Januar 2016, veröffentlichte Cointelegraph ein Interview mit David Sonstebo, der CEO von IOTA, der von seiner Vision einer weniger Blockchainabhängige Kryptowährung erzählte, und erklärte dabei die Logik hinter IOTA. Von den bescheidenen Anfängen ist IOTA nun in in den Top 10  der weltweiten Kryptowährungen.

Cointelegraph trat sich erneut mit David, um die letzten Geschehnisse und die generelle Reise rund um IOTA zu reden.

Cointelegraph: IOTAs Wert explodierten nahezu abrupt, nachdem Microsoft die Partnerschaft angekündigt hatte, nur um nach der 'Klarstellung' wieder zu fallen. Was denken Sie ist dort geschehen? Handelte es sich lediglich um ein Missverständnis oder könnte es Absicht von irgendeiner Seite sein?

David Sonstebo: IOTAs abrupter Wertanstieg kann nicht allein an dem Missverständnis der 'Microsoft Partnerschaft' festgemacht werden. Auch wenn das die Sichtweise der FUDsters (Schwarseher) und andere Menschen sind, die diese Sichtweise blind und ungelenkt wie eine Krankheit verbreiteten. IOTA kündigte einen Datenmarkplatz an, was an sich schon eine Innovation von IOTA darstellt und ein signifikanter Meilenstein der Kryptoakzeptanz im Allgemeinen ist. Teilnehmende Unternehmen sind unter anderem Samsung ARTIK, Bosch, Fujitsu, Orange, Engie, DNV GL, Schneider Electric, EY, Accenture und viele mehr. Diese Giganten zusammengezählt überwiegen jeden Einfluss, den eine einzelne Firma wie Microsoft jemals haben könnte.

Darüber hinaus ist IOTA, neben Microsoft, ein Mitbegründer der Decentralized Identity Foundation und wir wurden Anfang 2016 von Microsoft eingeladen, ein Teil des Azure Stacks zu sein. Dadurch war der Öffentlichkeit die Verbindung zwischen Microsoft und IOTA schon lange bewusst. Die anderen marktführenden Firmen die mit IOTA arbeiten waren deshalb maßgeblich an dem Aufstieg IOTAs beteiligt. Microsoft war der am wenigsten berichtenswerteste Teilnehmer an diesem Datenmarkplatz- also können wir Microsoft, was den Einfluss auf den Wert anbetrifft, außen vor lassen. Abgesehen davon, war IOTA, genau zu der Zeit, in Korea in der zweitgrößte Kryptobörse Coinone gelistet, was einen großen Faktor des Preisumschwungs darstellt.

Es war einzig und allein ein interner Fehler auf Microsofts Seite, für welchen Microsoft die volle Verantwortung gegenüber der IOTA-Foundation übernommen hat. Einer ihrer Hauptingenieure hat uns volle Freigabe für PR, Logo gegeben und hat uns ein Zitat geschickt, aus dem das nun verrufliche Wort 'Partner' stammt. Wir haben sie wortwörtlich zitiert, wie jedes professionelle Unternehmen es machen würde.

Danach entschieden sich viele FUDsters Microsoft mit Anfragen zu bombardieren, die in etwa so lauteten: "starten Sie ein Datenmarktplatz?" und "sind sie Businesspartner?" Dieses Bombardement machte alle Versuche der PR-Abteilung, den Umstand zu klären, zunichte. Einige Journalisten machten aus einer Mücke einen Elefanten, welches den FUDsters noch mehr Ansporn gab, zu versuchen den Markt zu manipulieren. Ich war sehr verwundert wie einfach Stammnutzer und Kryptoinvestoren von diesem gegenseitigen Aufwiegeln manipuliert werden können. Sogar ein Neuroforscher nahm sich dieses Debakel als Grundlage einen tiefgründigen Text für die  PsychologyToday und HuffingtonPost zu verfassen.

CT: Als das erste Mal Rede von IOTA war, ist es besonders aufgefallen für seine "Blockchain-less" Technologie. Was denken Sie über die neuen Technologien, die seither auf den Markt gekommen sind? Gibt es irgendetwas Bestimmtes, dass Sie am meisten beeindruckt hat oder in dem Sie Potenzial sehen, vielleicht sogar für IOTA selbst?

DS: Selbstverständlich kamen immer mal wieder neue Ansätze auf, nachdem IOTA die Post-Blockchain Era eingeleitet hat, aber bis jetzt sind es meistens Nachahmungsversuche, Spielereien oder halbe Sachen. Bis jetzt ist IOTA die einzige genehmigungsfreie Konto, dass die Probleme mit Gebühren, Zentralisation und Skalierungslimits bewältigt hat. Einige Monate, nachdem wir IOTA auf den Markt gebracht haben, rutschte die Kryptolandschaft in einen elenden Zustand von 'werde schnell reich ICOs' und bezahlter Werbung ohne Inhalt ab. Wir haben die Segel gesetzt mit dem Ziel die Fähigkeit Zusammenzuarbeiten dort zu verbesser, wo es Sinn macht. Wir möchten mit jedem Arbeiten und daran glauben wir immer noch. Wie auch immer, wegen der schieren Masse an Geld involviert in Krypto, gibt es nun eine ständige Rivalität zwischen Projekten, anstatt das sie zusammenarbeiten. Für viele Menschen geht es nicht mehr um Technologie oder Visionen. IOTA ist momentan das einzige Projekt, das mit bekannt ist, dass Fortschritt bei den fundamentalen Elementen liefert. Sowohl auf dem technologischen Standpunkt, als auch auf einem genauso wichtigen Aspekt, nämlich der Übergang zu der wirklichen Welt.

CT: Was würden Sie sagen, waren die Highlights von IOTA bis jetzt- große Errungenschaften-seitdem Phase 1 im Juli 2016 gestartet ist?

DS: Wenn ich einige erläutern sollte, fiel mir als Erstes ein, dass 'Tangle' (der Nachfolger der Blockchain) so funktioniert wie geplant, obwohl viele aggressive Angriffe drauf stattfanden. Zweitens möchte ich das fantastische Team erwähnen, dass wir zusammengestellt haben und noch dabei sind zusammenzustellen. Wir haben die weltführenden Entwickler und Berater in unserem Projekt und, im Gegensatz zu manchem Glauben, das ist das wichtigste um einen geregelten Ablauf zu gewährleisten. Drittens möchte ich den Datenmarktplatz ansprechen, welcher für mich das Abbild einer genialen App verkörpert. Der Fakt, dass so viele Marktführer mitarbeiten und helfen das Potenzial auszuschöpfen ist ein klarer Sieg für IOTA. Zuletzt, die Registrierung und Bestätigung der IOTA-Foundation als Erste ihrer Art in Deutschland. Dies brachte das IOTA Projekt auf ungeahnte Höhen, was das Bedeutung und das Potenzial angeht.

CT: Was ist die Absicht des neusten Projekts der IOTA Foundation? Soweit wir sehen können, ist es nur dazu da, die IOTA Geschäftsinteressen zu fördern. Steht das nicht im Zwiespalt mit dem Ziel einer Non-Profit Organisation und der Zweck, den es eigentlich erfüllt?

DS: Die Rolle der IOTA Foundation wird die Weiterentwicklung, Instandhaltung und der Übergang zu anderen Märkten sein. Erreicht wird dies, indem wir die Entwicklungsgemeinschaft mit den richtigen Werkzeugen, Archiven, Übungen etc. ausstatten. Außerdem erleichtern wir Start-Up-Unternehmen und anderen Gemeinschaften den Einstieg, indem wir IOTA für neue Geschäftsmodelle einbinden und ihnen Sicherheit in ihren schon vorhandenen Leistungen und Produkten bieten. IOTA ist eine komplett Neutrale und Non-Profit Organisation, dessen einziges Ziel es ist die Einführung von IOTA als einen neutralen Standard zu gewährleisten. Wie dem auch sei, um diesen Ziel zu erreichen , muss man mit den eigentlichen Benutzer direkt zusammenkommen. Zu viele Projekte in der Kryptolandschaft denken, dass "wenn man es baut, werden sie schon kommen". Jedoch ist die Realität eine ganz Andere. Wir bei IOTA sind der Meinung, dass Adaption der Schlüssel zum Erfolg ist, also, warum ist es so wichtig eine engagierte Abteilung dafür zu haben. Wir erkoren Deutschland als Gründungsort, was viele für unmöglich hielten, genau aus dem Grund, da wir die strengen Kontrollen und die dadurch mitklingende Bedeutung haben wollten. Wir halten es für allerwichtigst IOTA und Krypto weg von den Internetforen und hin in einen funktionierenden Arbeitsmarkt zu bringen.

CT: Unsere gemeinsame Geschichte ist lang; De facto, Cointelegraph berichtete zum ersten Mal im Oktober 2015 über IOTA, danach verfolgten wir den Betastart und den richtigen Start von IOTA 2016. Nach so einer langen Zeit, hat sich die Art und Weise, wie Sie mit den Medien und Journalisten umgehen - und deren Einstellung gegenüber IOTA in den ganzen Jahren irgendwie geändert?

DS: Selbstverständlich, es fühlt sich surreal an, dass seit dem letzten Interview die Erde schon zwei Mal die Sonne umkreist hat. Ich glaube der Bericht hatte ein paar Tausend Klicks, jetzt sind es immer mehrere Tausend. Es gibt absolut eine Veränderung der Einstellung gegenüber IOTA. Am Anfang wurden wir ernst genommen, da wir uns durch die Erfindung der Proof of Stake und der Mitentwicklung der Blockchain 2.0, darunter die Lieferketten, Voting, IoT, dezentralisierte Börsen und Marktplätze, bewährt haben. Aber die Leute waren (naturgemäß) immer noch sehr skeptisch, dass unsere Technologie über die Blockchain hinweggehen müsste. Nur wenige verstanden, wie 'Tangle' überhaupt funktionieren sollte und das war zu der Zeit, in der die Probleme der Blockchain mit Gebühren und Datenstau noch nicht an der Tagesordnung waren. Jetzt, wo die Leute mit diesen Problemen zu kämpfen haben und mit ansehen durften, dass Tangle funktioniert und einen kometenhaften Aufstieg genießt, sind die Journalisten viel neugieriger und sehen es als Pflicht, über diese Technologie zu berichten.

CT: Welchen Knüller wird IOTA sich als Nächstes aus dem Ärmel ziehen? Irgendetwas aus dem Nähkästchen - was können wir von IOTA in der nächsten Zukunft erwarten?

DS: Haha, the Q-Bomb (Insider Witz in der Community) 2016-2017 ging es vor allem darum, das Fundament der technologischen, Adaptions und Wahrnehmungsseite zu legen. 2018 wird es darum gehen, die Organisation reifen zu lassen und die Produktion der Technologie ans laufen zu bekommen. im Laufe von 2018 werden wir voraussichtlich 50-100 neue Mitarbeiter einstellen, das Produktionsprotokoll fertiggestellt haben und die Standardisierungsprozesse bis Ende 2018 eingeleitet haben. IOTA ist dafür bekannt geworden, kolossale Nachrichten zu produzieren und dies wird auch nicht aufhören. Allerdings ist uns wichtig, dass die Leute keine "Aufmerksamkeitsgeier" werden. IOTA ist eine frei zugängliche Basis, die Leute sollten lieber den praktischen Nutzen ziehen, als auf die nächste Ankündigung zu warten. Nur auf die nächsten News zu warten, die den Preis höher treiben können, schadet jedem Kryptoprojekt und wir versuchen sehr diszipliniert mit Spekulationen und Sensationsgräbern umzugehen. Technologie und Visionen zuerst, wenn das vernünftig ausgeführt wird, kann der Erfolg folgen.

CT: Um zu etwas weniger Ernsten überzugehen, schreiben Sie eigentliche alle IOTA Blogeinträge selbst?

DS: Es gibt ein paar Einträge, an denen alle mitarbeiten, im Moment sind 5 Blogeinträge auf meinem Schreibtisch, die ungefähr zu 90 Prozent fertig sind. Genauso sieht es bei meinem Mitbegründer Dominik Schiener und noch ein paar weiteren Entwicklern und Gründern aus. Jetzt, wo die Firma an Ort und Stelle ist, können wir die richtigen Personen unter Vertrag nehmen und ich wir haben dadurch mehr Zeit um hochqualitative Produkte zu entwickeln. Denn das macht die Vision und die Technologie für alle verständlicher, vor allem für die Neuankömmlinge.

CT: Danke sehr!

Melde dich bei unseren Sozialen Medien an, um nichts zu verpassen: X, YouTube, Instagram und Telegram – aktuelle Nachrichten, Analysen, Expertenmeinungen und Interviews mit Fokus auf die DACH-Region.