Man nehme eine dystopische Alpenrepublik, ein junges Schweizer Madl und einen nationalsozialistischen Käsemagnaten, vermische das Ganze mit einer Crowd-Funding-Plattform auf Basis der Blockchain-Technologie, und fertig ist der Independent-Film „Mad Heidi“.
Und ganz ehrlich, kann man sich die Chance entgehen lassen, in einen Film zu investieren, in dem ein wortwörtlicher Käsenazi durch eine (mehr als) gewaltsame Revolution gestürzt wird?
Um diesen „Alptraum“ zu verwirklichen, haben Swissploitation Films, die Macher hinter dem Film „Mad Heidi“, die Blockchain-Finanzierungsplattform Mad Invest gegründet, mit der sie sich zu jedem Zeitpunkt die volle Kontrolle über ihr Projekt bewahren wollen, von der Finanzierung bis zur Filmverwertung.
Für das nötige Kleingeld soll gesorgt werden, in dem 4.000 Anteile an dem Film für jeweils 500 Schweizer Franken (CHF), etwas mehr als 450 Euro, verkauft werden, um insgesamt ein Startkapital von 2 Mio. Schweizer Franken einzusammeln. Jede „Aktie“ wird über einen Smart Contract verbrieft, der wiederum auf einer Blockchain der britischen Fintech-Firma FilmChain angelegt ist, die gleichzeitig für die Verwahrung und Abwicklung der betreffenden Zahlungen zuständig ist. Die Fördergelder werden auf ein gemeinsames Konto eingezahlt, von wo aus das Kapital über die Smart Contracts an die Filmschaffenden weiterfließt.
„Über Smart Contracts und Blockchain können wir die Investitionen der Filmfans sicher entgegennehmen und die Auszahlungen an die richtigen Zahlungsempfänger weiterleiten, wobei dies transparent und in Echtzeit geschieht“, wie die Schöpfer der neuen Finanzierungsplattform erklären. Dem fügen sie an: „Dadurch entfällt zeitaufwendige Verwaltungsarbeit, und die Investoren können zugleich darauf vertrauen, dass ihre Gelder dort ankommen, wo sie hin sollen.“
Über ein Dashboard können die Investoren zudem den Fortschritt bei der Rückzahlung ihrer ursprünglichen Investition nachverfolgen und den Stand der erzielten Rendite einsehen.
Eine schrecklich schöne Idee
Die Heidi in „Mad Heidi“ ist eine erwachsene Version des Kultklassikers von Johanna Spyri, was nicht nur für das Alter der Hauptprotagonistin gilt, sondern auch für Handlung und Inszenierung. Schon der Name von „Swissploitation Films“ macht klar, wohin die Reise geht, denn dieser ist dem Exploitation-Genre entlehnt, das sich in den 60er- bis 80er-Jahren großer Beliebtheit unter Filmfans erfreute und in jüngster Vergangenheit im Mainstream mit Filmen wie Mad Max, Kill Bill und Iron Sky ein erfolgreiches Comeback gefeiert hat.
Charakteristisches Merkmal des Genres ist eine messerscharfe Überspitzung von „Action, Horror und Comedy“, die auch in „Mad Heidi“ nicht zu kurz kommt. Von Fondue-Folter bis hin zu Tod durch Toblerone, die Macher des Projekts liefern ihre ganz eigene Interpretation von Heidi, die zugleich den allerersten Swissploitation-Film überhaupt darstellt.
Die Revolution geht dabei nicht nur von unserer Heldin aus, denn die Filmschaffenden wollen mit ihrer Mad Invest Plattform auch abseits der Leinwand „einen neuen Weg für die Finanzierung und Verwertung von Filmen schaffen, damit auch kleine Independent-Filmstudios eine Chancen haben und die Fans sie in einer völlig neuen Art und Weise unterstützen können“.
Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, wirbt das Projekt mit einer aggressiven Kampagne im Web und in den sozialen Medien. Eine Strategie, die sich bereits bezahlt macht, denn allein durch den Verkauf von Merchandise konnten bereits mehr als 160.000 Schweizer Franken eingenommen werden. Ein weiterer Vorteil dieser Strategie ist, dass Mittelsmänner bei der Verwertung nahezu entfallen, die bei anderen Filmprojekten oftmals bis zu 80 % des gesamten Umsatzes auffressen.
Außerdem kann damit die Marktmacht der großen Streaminganbieter wie Netflix und Amazon Prime umgangen werden, die die Vergütungsstruktur der Filmbranche radikal verändert haben, und auch die Aufmerksamkeit der Filmfans mehr und mehr für sich vereinnahmen.
„Independent-Filmstudios haben angesichts der massiven Marktmacht der großen Streamingdienste Probleme, sich eine eigene Nische zu schaffen. 'Mad Heidi' zeigt, dass es auch anders geht. Die Zukunft liegt im Crowdfunding. Blockchain, Internet und die sozialen Medien sind alles, was es dazu braucht“, wie die Initiatoren des Films und der Plattform in diesem Zusammenhang erklären.
Der bisherige Erfolgt gibt ihnen Recht, denn Swissploitation Films hat bereits 1,2 Mio. Schweizer Franken durch die Fans eingenommen, was für Independent-Filmer eine beträchtliche Summe ist. Die Dreharbeiten sollen noch im Herbst starten, woraufhin für 2022 die Veröffentlichung des Films geplant ist.
Krypto ohne Tokens
Des Weiteren gilt es anzumerken, dass die Anteile an „Mad Heidi“ nicht tokenisiert sind. Investoren erhalten also für ihre Investition keinen Krypto-Token und keine direkte Einflussnahme auf das Projekt.
Allerdings werden Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptiert. Ein Großteil der bisherigen Fördergelder stammt dementsprechend schon aus Bitcoin, Bitcoin Cash, Ethereum, Litecoin und USD Coin, die allen voran über die amerikanische Kryptobörse Coinbase geflossen sind.
Wie viele andere Kunstschaffende mit Affinität zur Kryptobranche lassen es sich auch die Gründer von Mad Invest nicht nehmen, begleitende Non-Fungible Tokens (NFTs) herauszubringen. Die ersten „Krypto-Sammelkarten“ wurden am 23. April bereits über Rarible lanciert, um den Sprung über die Marke von 1 Mio. Schweizer Franken zu feiern, die im Vorfeld als Minimalziel ausgerufen war. Weitere NFTs sollen in Zukunft folgen.
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