Die Rolle der Medien bei Blockchain und Krypto, Interview mit Mike Butcher von TechCrunch

Cointelegraph hat die Chance bekommen mit verschiedenen Medien beim Weltwirtschaftsforum in Davos zusammenzuarbeiten. Wir haben Ideen und Feedback ausgetauscht und Sprecher zusammengetrommelt, um Interviews zu führen. Bei einem Kollegen sind wir allerdings nicht darum herumgekommen, selbst ein Interview zu führen - Mike Butcher ist die Person, die einen Qualitätstrend im Tech-Journalismus ausgelöst hat. Der, der die ersten Schritte der Medienberichterstattung über Blockchain und Krypto in die Wege geleitet hat, der Redakteur von TechCrunch.

Wir haben mit Mike die Rolle der Medien in der digitalen Wirtschaft und mediengetriebene Marktschwankungen besprochen. Außerdem haben wir über die Verantwortung moderner Reporter gegenüber dem Markt und deren Lesern sowie seine Berichterstattung über Telegrams TON ICO und die Tatsache, dass Krypto Mainstream wird gesprochen.
 

CT: Vielen Dank, dass du heute bei uns bist. Wir sind also hier in Davos und das erste Thema, das hier besprochen wird ist die digitale Wirtschaft. Blockchain ist das Wort, das in aller Munde ist. Wie gehen die Medien deiner Meinung nach mit der Tatsache um, dass mittlerweile alles mit Blockchain und Krypto zusammenhängt?

Mike Butcher: Das ist eine gute Frage, da die Mainstream Medien stark versuchen, in diesen Themen aufzuholen. Die meisten Journalisten, sogar im Tech-Bereich, sind nicht unbedingt am aktuellsten Stand, da die gesamte Blockchainindustrie und Kryptowährungen erst am vergangenen Jahr so richtig angezogen haben. Davor wurde es zwar als interessant Technologie gesehen aber die Leute waren nicht so interessiert daran, wie sie es jetzt sind.

Während die Mainstream Medien also versuchen aufzuholen, finden sich immer wieder einfache Fehler wie die Verwechslung von Tokens und Coins. Das ist alles etwas kompliziert aber ich denke wir werden es schon schaffen. In jedem Fall ist es eine faszinierende Zeit.

CT: Wie schätzt du den Einfluss der Medien auf die Marktschwankungen im Fintech-Bereich ein?

MB: Ich denke, dass da aktuell ein kleines Problem vorliegt. Der Journalismus in dem Bereich müsste deutlich robuster werden. Ein Haufen davon sind einfach nur Presseberichte. Es wäre gut, wenn ein Bisschen mehr unabhängiger Journalismus durchgeführt werden würde.

CT: Was sind für dich Nachrichten, die es wert sind, veröffentlicht zu werden? Jetzt wo Firmen die Blockchain nutzen und ICOs starten und glauben, dass das eine Nachricht wert ist. Was ist für dich etwas, das deine Aufmerksamkeit erregt?

MB: Die Sache ist, dass wir bei TechCrunch grundsätzlich an der unterliegenden Technologie dieser komplett neuen Welt interessiert sind, weshalb wir eigentlich nicht über ICOs oder solche Dinge schreiben. Wir ziehen es vor, über die darunterliegenden Technologien, die tatsächlichen Anwendungen und solche Dinge zu sprechen. Natürlich ist es in Ordnung zu erwähnen, dass diese Firmen einen ICO machen aber das ist nicht, worum es eigentlich gehen sollte. Zudem denke ich, dass manche ICOs interessant sind aber viele nicht. Es ist die fundamentale Technologie die zählt.

CT: Du warst einer der ersten die Wind vom TON/Telegram ICO bekommen haben. Wie würdest du das Projekt einschätzen? Was hat deine Aufmerksamkeit erregt?

MB: Ich war nicht nur einer der ersten. TechCrunch und meine Geschichte, die ich mit Josh Constine gemacht habe, waren der erste tiefe Einblick, wie der Telegram ICO aussehen könnte und wie es in seiner eigenen Wirtschaft funktionieren könnte. Was das bedeutet: Generell gesprochen wird es große Auswirkungen auf Telegram selbst haben, aber auch auf anderen soziale Netzwerke wie Facebook, das aktuell sehr wertvoll ist.

Was uns also interessiert hat war, dass sie sich in die Richtung bewegen, einen Service, ähnlich wie WeChat in China aufzubauen. Sodass Nutzer untereinander Geld austauschen können und für Waren und Dienstleistungen zahlen können. Ich denke, dass es faszinierend ist, da der Telegram ICO und somit TON die erste Währung sein wird, die tatsächlich mit einer Mainstream-Anwendung in Verbindung gebracht wird, was also zuvor noch keiner gemacht hat. Es ist eine wirklich große Sache und demnach natürlich auch eine wichtige Story für TechCrunch.

CT: Was ist mit anderen Highlights des Jahrs 2017? Was hat deine Aufmerksamkeit am meisten auf sich gezogen? Welche Fintech Themen haben dich und die Nachrichten inspiriert?

MB: Ich denke, dass es faszinierend war, die Eröffnung von neuen Banken zu sehen, wie Revolut oder Starling in Europa. Diese neuen Banken werden Konsumenten einen Eindruck davon geben, wie neue Banksysteme funktionieren können und wie solche Bank-Marken aussehen könnten. Und wenn diese Konsumenten das einmal gesehen haben, kommen sie vielleicht auch auf den Geschmack von Krypto. Es ist faszinierend den Aufstieg von Coinbase als erste echte Echtwelt-Applikation für Konsumenten zu sehen. Wer weiß was 2018 bringen wird? Vielen interessante Dinge jedenfalls.

CT: Was sind deine Erwartungen?

MB: Ich habe keine Erwartungen. Ich denke, dass viele Leute auf eine Marktkorrektur warten. Ich denke, dass das in der echten Welt und in der Kryptowelt passieren wird. Lustigerweise führen solche Marktkorrekturen meistens zu mehr Innovation, womit der Kreis wieder neu beginnt.

CT:  Was ist mit der öffentlichen Einstellung gegenüber Krypto und Blockchain? Wie hat es sich in der Zeit entwickelt, in der du für technikverwandte Medien gearbeitet hast und was denkst du wird in den kommenden Jahren nachfolgen?

MB: Ich denke, dass 2017 das Jahr war, in dem Krypto im Mainstream angekommen ist. Wenn du Taxifahrer triffst, die mit dir über Bitcoin sprechen, dann weißt du, dass es ziemlich Mainstream ist. Aus verschiedenen Gründen ist das allerdings gar nicht so toll, da es dafür spricht, dass es eine Blase ist. Aktuell ist es ein Blasenmarkt. Aber ich denke, dass die fundamentale, darunterliegende Technologie der Blockchain nicht verschwinden wird. Sie wird hier bleiben. Es ist die Authentifizierungsschicht des Internets, die es immer gebraucht und nur der Himmel ist die Grenze dafür.

CT: Was ist mit Davos und der Krypto-Community hier? Ist sie anders als andere Krypto-Communities bei anderen Events? Findest du, dass das Level der Diskussionen und die Ansichten gegenüber der Blockchain und Krypto hier anders sind?

MB: Ich denke es gibt einen Haufen Hype. Man darf nicht vergessen, dass die meisten Leute hier in Davos in der Finanz- und Anlagen-Management-Community sind. Das bedeutet, dass sie grundsätzlich durchaus ein Verständnis für kryptografische Wertanlagen haben. Was allerdings die Technologie angeht sind sie oft noch weit zurück. Da trifft man Leute beim Essen die über Blockchain reden und eigentlich gar nicht wissen, wovon sie reden. Es ist interessant mit anzusehen. Es ist sicherlich nicht so geekig wie andere Events auf den ich war aber es zahlt sich durchaus aus herzukommen. Wie allerdings vor kurzem jemand zu mir gesagt hat: "Warum machen wir Krypto in Davos wenn wirklich eigentlich unser eigenes Davos für die Krypto-Community machen sollten?" Und das ist, was vermutlich passieren wird.

CT: Klasse! Genieße deine Zeit in Davos und vielen Dank.

MB: Sehr gerne! Danke