QuadrigaCX-Mitbegründer missbrauchte Kundengelder für eigenen Handel

Der verstorbene Besitzer der inzwischen nicht mehr existierenden kanadischen Kryptobörse QuadrigaCX soll Kundengelder von der Börse transferiert und als Sicherheit für seinen eigenen Margenhandel auf anderen Plattformen verwendet haben.

Dies teilte der vom Gericht beauftragte Buchprüfer Ernst & Young (EY) in seinem fünften am 19. Juni beim Obersten Gerichtshof von Nova Scotia eingereichten Bericht mit.

EY stellt fest, dass die Geschäftstätigkeiten der Börse "in Bezug auf die Finanzberichterstattung und die operative Kontrolle erhebliche Mängel aufwiesen".

Neben den meisten Aktivitäten, welche von einer einzigen Person - dem inzwischen verstorbenen Mitbegründer Gerald Cotton - geleitet werden, bemerkt EY, dass es weder eine Trennung zwischen Aufgaben und grundlegenden internen Kontrollen noch eine Trennung der Vermögenswerte zwischen Quadriga und den Nutzern gab.

Quadriga habe keinen Einblick zu seiner Rentabilität gehabt, fügt EY in diesem Zusammenhang hinzu. Die Kryptowährungsbestände der Benutzer, so heißt es im Bericht, seien nicht ausschließlich in den Wallets der Börse aufbewahrt und zudem veruntreut worden.

"Bedeutende Mengen an Kryptowährung wurden von der Plattform außerhalb von Quadriga zu anderen Wettbewerbern auf persönliche, von Herrn Cotten kontrollierte Konten übertragen. Es scheint, dass Kryptowährung von Kunden an diesen Börsen gehandelt und in bestimmten Fällen als Sicherheit für ein von Herrn Cotten eingerichtetes Margin-Handelskonto verwendet wurde."

Darüber hinaus soll Cotten unter mehreren Pseudonymen Fake-Konten bei Quadriga erstellt haben, zwischen denen Gelder auf der Plattform gehandelt wurden. Dies habe laut EY zu "überhöhten Umsatzzahlen, künstlichen Transaktionen zwischen Nutzern und letztlich zur Abhebung der von den Nutzern eingezahlten Kryptowährung" geführt.

Bei seinem Handel an Wettbewerberbörsen seien Cotten laut EY Handelsverluste und zusätzliche Gebühren entstanden, die sich negativ auf die Kryptowährungsreserven von Quadriga ausgewirkt hätten.

Insbesondere sagt EY, man sei nicht in der Lage gewesen, die Identität der Wallet-Inhaber zu ermitteln, auf die erhebliche Summen von Kryptowährungen übertragen wurden. Bis zum Tag des Konkurses habe Quadriga 76.000 Kunden eine Kombination aus Fiat und Kryptowährung im Gesamtwert von CD$214,6 Millionen ($162,2 Millionen) geschuldet.

Andere Börsen haben Berichten zufolge von Quadriga Wallets von 2016-2019 mehrere Kryptowährungen erhalten, darunter 9.450 Bitcoin (BTC), 387.738 Ether (ETH) und 239.020 Litecoin (LTC).

Der Bericht beschreibt im Detail die Kryptotransfers und Abwicklungen, die EY bisher von Quadriga mit unterschiedlichem Erfolg identifizieren konnte.80 Millionen CD$ (60,5 Millionen $) in Form von BTC, die über eine unbenannte Drittbörse verkauft wurden, sind darin noch nicht erfasst.

Wie zuvor berichtet, hatte Quadriga zunächst Gläubigerschutz beantragt, als die Börse nach dem Tod ihres Mitbegründers Gerald Cotten den Zugang zu ihren Cold Wallets und entsprechenden Keys verloren hatte, in denen sich die Kunden-Vermögenswerte befanden.