Blockchain-Start-up will Nachverfolgbarkeit der Meeresfrüchteindustrie verbessern

Das Blockchain-basierte Start-up Fishcoin will die dezentrale Ledger-Technologie (DLT) auf Lieferketten von Meeresfrüchten anwenden und damit Fischer und Fischzüchter am Fangort mit globalen Akteuren der Lieferkette - von Vertrieben über Verarbeiter und Groß- und Einzelhändler - verbinden. Das Unternehmen will die Blockchain-Technologien anwenden, um in der Meeresfrüchteindustrie eine Nachverfolgung zu ermöglichen und ein Ökosystem zu schaffen, das den Meeresfrüchteproduzenten und Lieferkettenzwischenhändlern die Möglichkeit geben könnte, über Mikrotransaktionen Belohnungen zu erhalten.

Das Start-up ist vor allem durch seine Muttergesellschaft Eachmile Technologies bekannt, deren Gründer eine mobile Anwendung für Fischer namens mFish entwickelt und auf den Markt gebracht haben. Die App ist für kleine Fischer konzipiert und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Fänge elektronisch zu erfassen, sich über Best Practices zu informieren und wertvolle Informationen über Wetter und Marktbedingungen, wie zum Beispiel die Fischpreise an den Häfen, zu erhalten.

Die Wichtigkeit der mFish-Initiative wurde vom damaligen Außenminister John Kerry in einer Grundsatzrede auf der Our Ocean-Konferenz 2014 in Washington, D.C., hervorgehoben. Laut dem Unternehmen wurde mFish von über 80 Prozent der etwas mehr als 1.800 Fischer, die die App als erste testeten, erfolgreich eingesetzt. Diese haben sie dann Ende 2016 im ersten Pilotversuch auch zahlungspflichtig abonniert. Seit 2017 hat Eachmile mFish als ein Werkzeug für Kleinfischer und Fischzüchter neu konzipiert, um Daten mit dem Fishcoin-Blockchain-Netzwerk auszutauschen.

Fischliebende Blockchain

Das Fishcoin Whitepaper beschreibt die Probleme der Meeresfrüchteindustrie und führt sie teilweise auf eine Ineffizienz der Lieferkette zurück. Bis zu 50 Prozent der Fische werden in den Lieferketten verworfen oder vergeudet.

"Durch die Rückverfolgung einer Charge von Meeresfrüchten bis zum Punkt der Erfassung können wir überprüfen, ob die Meeresfrüchte auf legale Weise gefangen, gezüchtet oder verarbeitet wurden, wenn sie mit Daten wie Schiffsverfolgung und -identifizierung, Genehmigungsnummern und Ein-/Ausgabedaten für die Massenbilanzbewertung verglichen werden", kommentierte Jayson Berryhill von Eachmile Technologies in einem Interview mit der World Ocean Initiative von The Economist.

Der Bericht der Welternährungsorganisation von 2016 (Food & Agriculture Organization, United Nations) schätzt, dass die illegale, nicht gemeldete und unregulierte (IUU)-Fischerei über die Weltmeere hinweg jährlich etwa 11-26 Millionen Tonnen Fisch im Wert von  8,6 bis 19,8 Mrd. Euro ausmacht. Es ist auch anzumerken, dass etwa ein Drittel der weltweiten Fischbestände überfischt sind.

Um diese Probleme zu lösen, liefert Fishcoin die Idee, Blockchain-basierte Regeln für eine Nachverfolgbarkeit auf die Meeresfrüchteindustrie anzuwenden. Laut dem Start-Up-Team wird das dem gesamten Ökosystem der Interessensgruppen - darunter Fischern, Fischzüchtern, Fischfarmern, Fischverarbeitungsbetrieben, Exporteuren von Meeresfrüchten und Regierungen - dabei helfen, diejenigen zu identifizieren, zu verifizieren und zu belohnen, die die Best Practices anwenden.

Kultivierung einer Gemeinschaft von Entwicklern

Das Fishcoin-Team organisiert auch den fünften jährlichen Fishackathon, eine Initiative des Außenministeriums der Vereinigten Staaten. Fishackathon wurde 2014 im Rahmen der Our Ocean-Konferenz von Außenminister Kerry ins Leben gerufen und fördert zusammen mit dem Fishcoin-Team die Entwicklung praktischer Lösungen zur Lösung weltweiter Fischereiprobleme. Bei der nächsten Veranstaltung geht es um die Entwicklung von Lösungen für die Datenerfassung und -freigabe mittels offener Plattformen und Blockchain. Anfang des Jahres gab es über 3.500 Teilnehmer aus über 30 Ländern der Welt. Die zweitägige Veranstaltung für das Jahr 2019 soll am Weltozeantag, dem 8. Juni, beginnen  .

Der Branchenanreiz

Das Fishcoin-Modell schafft einen Mechanismus, mit dem Meeresfrüchteproduzenten und Mittelsmänner in der Lieferkette durch Mikrotransaktionen belohnt werden - unter Verwendung von Fishcoin-Token. Anders als der Name vermuten lässt, sind die Token keine Währung für den Handel mit Meeresfrüchten, sondern ein "Mechanismus, um einen Anreiz für die Datenerfassung und -übermittlung in verschiedenen Formen zu geben, beginnend mit den Schlüsseldatenelementen (KDEs), die von Fischern und Fischzüchtern zum Zwecke der Nachverfolgbarkeit erfasst werden", heißt es im Whitepaper.

Das Projekt Fishcoin ist keinem zentralen Unternehmen oder einer zentralen Instanz unterstellt. Das Projektteam erklärt, dass Fishcoin-Token sowohl als Anreiz als auch als Mechanismus für die Datenerfassung in den Meeresfrüchte-Lieferketten fungieren können. Der Anreizmechanismus wird durch eine Partnerschaft mit der Groupe Spécial Mobile Association (GSMA) und Telekommunikationsorganisationen aus einer Reihe von Entwicklungsländern bereitgestellt, die den Handel mit Fishcoin-Token (Fishcoin Token) für das Aufladen von mobiler Sprechzeit ermöglichen. Das Unternehmen behauptet, das erste Krypto-Projekt gewesen zu sein, das den Tausch von Token gegen andere wertvolle Dinge als Fiatwährungen beinhaltete.

Am 26. Juni 2018 präsentierten Mark Kaplan, ein Mitglied des Fishcoin Core Teams, und Tara Norton, die Geschäftsführerin für Lieferkettennachhaltigkeit von Business for Social Responsibility (BSR) in Europa, auf einer AIM Progress-Mitgliederversammlung, wie man das Fishcoin-Modell auf Lieferketten in anderen Branchen anwenden könnte und es damit als "Bauplan für die Transformation der Lieferkette" fungieren könnte.

Laut der Webseite des Unternehmens wird der Datenaustausch mittels diesen ERC-20-kompatiblen Token angeregt. Der Token-Fluss wird sich von den Käufern zu den Verkäufern in den Lieferketten verlagern und diejenigen belohnen, die sich besonders anstrengen, um Daten zu erfassen und zu kommunizieren.

"Dadurch wird die wirtschaftliche Belastung auf nachgelagerte Akteure wie Importeure, Groß- und Einzelhändler, vor allem in den entwickelten Märkten, die am stärksten von der Nachverfolgbarkeit profitieren, verlagert", heißt es auf der Webseite.

 

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