UN und Sierra Leone eröffnen Blockchain-basiertes "Kreditbüro der Zukunft"

Der Präsident von Sierra Leone Julius Maada Bio hat eine neue Initiative zur Schaffung einer nationalen, Blockchain-basierten Kreditanstalt angekündigt. Die Ankündigung wurde auf der 73. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) am Donnerstag, den 27. September, gemacht.

Der Präsident erklärte, das Projekt könne das Land in Sachen finanzielle Integration "radikal verändern".  Die Initiative ist Berichten zufolge aus einer Partnerschaft zwischen der gemeinnützigen Technologieorganisation Kiva, dem UN-Kapitalentwicklungsfonds (UNCDF) und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hervorgegangen.

Im Mittelpunkt steht ein Distributed Ledger (DLT)-System namens "Kiva-Protokoll", das das Ziel hat, ein sicheres, nationales digitales Identifikationssystem für Bürger zu entwickeln.

Das neue System soll zwei große Hindernisse überwinden, mit denen viele Bürger konfrontiert sind, wenn sie versuchen, Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erhalten. Das sind eine fehlende, formale Identifizierung und eine nachweisbare Bonität. In der Pressemitteilung heißt es:

"Derzeit können Personen, die kein Bankkonto haben, Finanztransaktionen aus der "informellen Wirtschaft", wie zum Beispiel Guthaben bei lokalen Ladenbesitzern, nicht nutzen, um ihre Bonität aufzubauen. Das Kiva-Protokoll erfasst ein breites Spektrum an Finanztransaktionen, um den Leuten den Zugang zu den von ihnen benötigten Finanzdienstleistungen zu erleichtern. Beispiele dafür sind Darlehen für Unternehmen, Bildung oder eine medizinische Grundversorgung."

Die Verwendung eines Blockchain-Systems stellt außerdem sicher, dass die Bürger des Landes "die Eigentumsrechte an ihren personenbezogenen Daten und Informationen sicher und vollständig" behalten, da dieses eine dezentrale Alternative zur Speicherung der Identitätsdaten von Einzelpersonen in unternehmenseigenen, zentralisierten Datensilos bietet.

Xavier Michon, der stellvertretende Geschäftsführer der UNCDF, soll erklärt haben, dass das neue System "in Zukunft sowohl für Entwicklungs- als auch für Industrieländer als Modell dienen könnte" und eines der fortschrittlichsten und sichersten Kreditbüros überhaupt sein werde.

Kiva behauptet, bereits vor dem Projekt schon über eine Milliarde Euro an Darlehen für Menschen in mehr als 80 Ländern über Crowdfunding finanziert zu haben, und arbeitet Berichten zufolge derzeit am Aufbau eines Blockchain-basierten Systems zur Aufzeichnung dieser Transaktionen.

Die Vereinten Nationen ihrerseits untersuchen seit langem mehrere - weitgehend humanitäre - Anwendungsfälle für Blockchain. Den Anfang machten sie mit der Verwendung der Ethereum-Blockchain, um Coupons auf Basis von Kryptowährungen an Flüchtlinge in Syrien zu schicken.

Anfang des Monats berichtete Cointelegraph, dass die Blockchain-Kreditplattform Celsius Network den Ausgleichsfonds für nachhaltige Entwicklungsziele (SDG Impact Fund) im Rahmen der Initiative der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklungsziele verwalten wird.