Expert Take: Warum wir nicht auf Warren Buffet hören sollten.

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Die Ansichten und Interpretationen in diesem Artikel sind die des Autors und spiegeln nicht zwangsläufig die Meinungen von Cointelegraph.com wieder. Dieser Artikel enthält keine Anlageberatung oder Empfehlungen. Jeder Investment- und Trading-Schritt beinhaltet ein Risiko. Sie sollten Ihre eigenen Recherchen durchführen, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Früher einmal gab es einen beliebten Spruch an der Wall Street: "Wenn Warren Buffet spricht, hörst du zu." Jetzt sollte die Wall Street aber besser nicht zuhören, wenn sie nicht noch schneller als Kodak oder Blockbuster zu einer Anekdote werden will.

Die Medien drehen durch angesichts der neusten sinnfreien Beschimpfungen von Warren Buffet, Munger und Bill Gates - um nur ein paar wichtige Namen zu nennen. Es herrscht die übliche Flut an sinnlosen Beobachtungen, falschen Annahmen, populären, aber falschen und ignoranten Unterscheidungen zwischen "der Technologie hinter Bitcoin" - die gut ist und von jedem geliebt wird - und dem "Rest", der offensichtlich sehr schlecht oder einfach eine Beleidigungen für die ganze Krypto-Gemeinde ist - als ob die Wall Street nur von ehrenwerten Herrschaften und Philanthropen bevölkert wäre.

Soll die Krypto-Gemeinschaft in den Austausch von Beschimpfungen einsteigen? Sollten wir antworten?

Nein, sollten wir nicht. Denn die Wall Street wird langsam aber sicher ein Relikt der Vergangenheit, nur ihre Angestellten haben das noch nicht ganz verstanden. Darüber hinaus wissen sie sowieso nichts über Bitcoin. Es wäre so, als würde man einen Rugbyspieler bitten, den im Ballett klassischen "pas des deux" zu tanzen. Es ist recht unwahrscheinlich, dass besagter Rugbyspieler sich damit auskennt.

Sollten wir wiederholen, was Bitcoin ist? Mit einem großen "B" - das Protokoll; mit einem kleinen "b" - das Geld (im Englischen); sollten wir wiederholen, dass Bitcoin die allererste Blockchain war; dass es heute das größte, offene, Peer-2-Peer-Zahlungssystem ohne Zwischenstellen und ohne zentrale Fehlerpunkte ist; dass es "ein planetarisches, selbstverständliches, thermodynamisch garantiertes System des Vertrauens und der Unveränderlichkeit" bildet; dass es manipulationssicher und zensurresistent und auch resistent gegen geopolitische Manipulationen ist; dass es im Konsens funktioniert und die Eigenschaften von Geld aufweist und dass diese außergewöhnliche Komplexität als Ganzes zusammen die Welt, in der wir leben, verändern wird und es das Rückgrat für eine kommende digitale oder vierte industrielle Revolution ist? Nein, das wären Worte, die an sie verschwendet wären, weil sie das Establishment repräsentieren und entweder zu sehr in das gegenwärtige System verwickelt sind, um etwas Anderes kommen sehen zu können, oder zu viel persönliches Interesse daran haben, um es anzuerkennen.

Sie flanieren in einem System, das auf Verwahrung, Kontrolle, Mittelsmännern, Aufsichten, Vetternwirtschaft, zentralisiertem Vertrauen und Manipulation basiert. Bitcoin hat all das nicht. Bitcoin ist für sie wie ein Alien.

Das letzte Mal, dass Warren Buffet tatsächlich ernsthaftes Geld gemacht hat, war während der Finanzkrise 2007-2008. Damals, als Millionen von Menschen ihre Lebensersparnisse verloren und die Hoffnung auf eine angemessene Zukunft, verdiente Buffet knapp 8,5 Mrd. Euro. Er gibt selbst zu, dass er nicht der beste Investor ist.

"Wenn ich nicht davon ausgehen würde, dass sich die Regierung einschaltet, würde ich diese Woche nichts tun. Ich vertraue - in gewisser Weise - darauf, dass die Regierung der Rationale folgt und angemessen reagiert."

Das waren Buffets Worte gegenüber CNBC, nachdem er rund 4,2 Mrd. Euro in Goldman Sachs investiert hatte. Sicherlich hat die US-Regierung genau das getan.

Man muss keine "Orakel" sein, um vorherzusehen, dass die Aktien eines Unternehmens, das mit Sicherheit von öffentlichen Geldern gerettet wird, wenn seine Leiter mit dem Präsidenten, der Börsenaufsicht und den Vorstand der Fed befreundet sind, profitabel sein werden. Wenige Spieler der Wall Street können den heutigen Kumpanenkapitalismus so ungeheuerlich widerspiegeln wie Warren Buffet.

B(b)itcoin steht symbolisch gegen all das. Es mag nichts davon.

Und wir sollten stolz auf seine Abneigung sein. WIR, die Krypto-Gesellschaft, sieht eine andere Welt am Horizont, WIR hoffen darauf, uns vom Kumpanenkapitalismus weg und auf einen dezentralisierten, offenen, vertrauensvollen und demokratisierten Kapitalismus zuzubewegen, der auf einer ehrlicheren Form von Geld (wie Bitcoin) basiert.  

Diese Nachricht ist nicht für die Buffets dieser Welt, sondern für die Krypto-Gemeinschaft voll mit jungen und intelligenten Technologen und Entrepreneuren. Sie soll auffordern, sich nicht weiter darüber zu streiten, welche Technologie besser ist als die andere. Verschwenden wir nicht unsere Zeit mit internen Kämpfen, die nur den Fortschritt aufhalten. Es gibt keine Religion oder Dogma. Jede einzelne Aktion ist eine fundamentale Kontribution für eine bessere Zukunft - für eine bessere Welt. Wir sollten unsere Köpfe wieder senken und zusammenarbeiten, um die fundamentalen Stützen von Bitcoin weiterzuentwickeln: (i) reale Dezentralisierung und Offenheit, (ii) ein eingebauten Vertrauenssystem und Unveränderlichkeit, die hoch-resistent gegen Nötigungen, Zensuren, geopolitische Manipulationen und Veränderungen ist und (iii) kryptografische Verschlüsselung. Was auch immer für Lösungen adaptiert werden, um diese Säulen zu verbessern, das Resultat wird eine Entwicklung sein, die die Menschheit als Ganzes voranbringt.

Die Buffets dieser Welt werden bald der Vergangenheit angehören. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die NYSE und NASDAQ Blue Chips anfangen, ihre Anteile an Krypto-Börsen in Token umzuwandeln; wann es keine IPOs und nur noch STOs mehr geben wird; wann VC-Firmen ihre illiquiden Portfolios zur Umwandlung in Token zu den Krypto-Börsen bringen und wann genau - definitiv aber in nur wenigen Jahren - die Tokenisierung eine Billionen-Dollar-Industrie geschaffen haben wird. Dann wird auch Berkshire Hathaway das tun, womit Goldman Sachs bereits angefangen hat: einen Krypto-Handelsposten einzuführen und Token zu kaufen.  

Das Ironische ist, dass sie dazu Bitcoins kaufen müssen.  

Irgendwann wird das auch dem alten Buffet klar werden. 

Über die Autorin:

Andrea Bianconi ist eine internationale Wirtschaftsanwältin mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung, sie forscht in den Bereichen österreichische Wirtschaft, Geldgeschichte und Geopolitik, glaubt an die Zukunft von Bitcoin und Blockchain-basierten Technologien, und interessiert sich für den Handel von Rohstoffen, Edelmetallen, Währungen, Tech-Aktien und Kryptos. Sie ist als Podiumsrednerin auf diversen Konferenzen und Events vertreten.

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