Bitcoin Futures, Erklärt

Bitcoin Futures, Erklärt

Cointelegraph

1.

Was sind Futures?

Futures sind eine Vereinbarung ein bestimmes Anlagegut zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Sobald der Future Vertrag eingegeben wurde, müssen beide Parteien zum vereinbarten Zeitpunkt zum vereinbarten Preis kaufen bzw. verkaufen, egal wie der aktuelle Marktpreis ist.

Das Ziel ist nicht unbedingt Profitmaximierung. Meistens wird es in Finanzmärkten als Werkzeug für Risikomanagement genutzt. Hierbei will man sich gegen veränderten Preis von Anlagen absichern, die häufig ge- und verkauft werden.

Futures werden zudem in Portfolios genutzt, um Preisfluktuationen von Anlagen auszubalancieren, die besonders starken Schwankungen unterliegen.

Diese Verträge werden auf Futurebörsen gehandelt, wobei hier die Tauschbörse als Mittelsmann fungiert.

2.

Wie funktionieren Future Contracts?

Es gibt zwei Positionen, zwischen denen man bei einem Futures Contract wählen kann: Long oder Short.

Wenn man sich für die Long-Position entscheidet, bedeutet das, dass man einen Anlagegegenstand zu einem bestimmten Preis in der Zukunft kauft, wenn der Kontrakt ausläuft. Wählt man die Short-Position, bedeutet das, dass man einen Anlagegegenstand zu einem bestimmten Preis in der Zukunft verkauft, wenn der Kontrakt ausläuft.

Am Besten lässt sich das am Beispiel einer Fluggesellschaft erklären, die sich gegen den steigenden Treibstoffpreis absichern will, indem sie einen Futures Contract abschließt.

Nehmen wir an, dass Flugzeugtreibstoff zu 2 US-Dollar pro Gallone gehandelt wird.Eine Fluggesellschaft, die damit rechnet, dass der Ölpreis steigen wird, kauft einen Futures Contract über drei Monate für 1.000 Gallonen zum aktuellen Preis.Der Kontrakt ist also 2.000 US-Dollar wert.

Wenn der Preis für eine Gallone nach drei Monaten, also bei Ablauf des Kontrakts, auf 3 US-Dollar steigt, hat die Fluggesellschaft 1.000 US-Dollar gespart.

Zulieferer gehen gerne einen Futures Contract ein, um für einen steten Treibstoffmarkt zu sorgen. Auch dann, wenn die Preise hoch sind. Derselbe Kontrakt schützt auch, wenn der Treibstoffpreis unerwartet fallen sollte.

In diesem Fall schützen sich beide Seiten vor den Schwankungen beim Treibstoffpreis.

Es gibt auch Investoren, die auf Futures Contracts wetten, statt sie als Schutzmechanismus zu nutzen.

Sie wählen bei niedrigen Preisen bewusst die Long-Position. Wenn die Preise steigen, gewinnt der Kontrakt an Wert und der Investor kann den Kontrakt, bevor er ausläuft, einem anderen Investor zu einem höheren Preis verkaufen.

3.

Was sind Bitcoin-Futures?

Futures, also Termingeschäfte, beziehen sich nicht nur auf materielle Anlagegegenstände. Man kann auch bei finanziellen Anlagegenständen mit Futures handeln.

Bei Bitcoin-Futures geht es beim Kontrakt um den Bitcoin-Kurs. Und Spekulanten können sozusagen eine Wette darauf abschließen, wie hoch der Bitcoin-Kurs in der Zukunft sein wird.

Außerdem können Investoren auf den Bitcoin-Kurs spekulieren, ohne Bitcoins selbst zu besitzen.

Das hat hauptsächlich zwei Folgen.

Zum einen die Tatsache, dass der Bitcoin selbst unreguliert bleibt, während mit Bitcoin-Futures auf regulierten Börsen gehandelt werden kann. Das ist eine gute Nachricht für diejenigen, die sich Gedanken über die Risiken machen, die durch die fehlende Regulierung entstehen.

Zum anderen ermöglichen Bitcoin-Futures Investoren in Regionen, wo der Handel mit Bitcoin verboten ist, trotzdem auf den Bitcoin-Kurs zu spekulieren.

4.

Wie funktionieren sie?

Ein Bitcoin-Future funktioniert genauso wie ein Future mit traditionellen finanziellen Anlagegegenständen.

Spekulanten versuchen zu erahnen, ob der Wert des Bitcoin steigt oder fällt, und entscheiden sich dann für eine Long- oder Short-Position bei einem Bitcoin Futures Contract.

Wenn jemand beispielsweise einen Bitcoin im hypothetischen Wert von 18.000 US-Dollar besitzt und der Meinung ist, dass der Wert in der Zukunft sinken wird, kann er einen Bitcoin Futures Contract zum aktuellen Preis von 18.000 US-Dollar verkaufen, um sich zu schützen.

Angenommen, kurz vor dem vereinbarten Datum, sinkt der Wert des Bitcoin zusammen mit dem Wert des Bitcoin Futures Contracts. Der Investor entscheidet sich, die Bitcoin-Futures zurückzukaufen.

Wenn der Kontrakt nun kurz vor dem Ablaufdatum für 16.000 US-Dollar gehandelt wird, hat der Investor 2.000 US-Dollar verdient und hat sein Investment damit geschützt, indem er teuer verkauft und billig gekauft hat.

Das ist ein einfaches Beispiel, wie Bitcoin-Futures funktionieren. Die genauen Konditionen bei jedem Futures Contract können noch viel komplexer sein, abhängig von der Börse, die Mindest- und Maximalpreisgrenzen setzt.

5.

Was bedeuten Bitcoin-Futures für den Bitcoin-Kurs?

Auf kurze Sicht treiben sie den Kurs nach oben, da das Interesse an Kryptowährungen insgesamt außerordentlich ansteigt.

Am Tag, nachdem die Bitcoin-Futures auf dem Chicago Board Options Exchange (CBOE) eingeführt wurden, ist der Kurs um fast 10% auf 16.936 US-Dollar gestiegen. Das ist bis dahin noch nie bei einer großen regulierten Börse passiert.

Price Index

Als die Bitcoin-Futures auf einer der größten Börsen der Welt, dem CME, eingeführt wurde, hat der Bitcoin-Kurs auf die gleiche Weise im Vorfeld schon die Grenze von 20.000 US-Dollar überschritten.

Price Index

Die langfristigen Auswirkungen auf den Kurs sind schon schwieriger vorherzusehen, aber es ist ziemlich wahrscheinlich, dass der Bitcoin-Kurs weiter in die Höhe getrieben wird.

6.

Heißt das, dass der Kurs sehr wahrscheinlich steigen wird?

Es gibt mehrere Gründe, die dafür sprechen.

  • Da Bitcoin-Futures auf öffentlichen Börsen reguliert werden können, bewegt es die Leute, die zuvor durch die fehlende Regulierung skeptisch waren, zu investieren.
  • Institutionelle Investoren bieten ihren Kunden Bitcoin-Futures eher als realistische Investment-Möglichkeit an.
  • Es kommt mehr Liquidität in den Markt, was den Kauf, Verkauf und Handel mit der Kryptowährung einfacher macht und folglich auch lukrativer.
  • Der Bitcoin-Markt wird einem breiteren Kreis von Investoren zugänglich gemacht, darunter auch Länder, in denen der Handel mit Bitcoin verboten wurde.

Da Futures den Zweck haben, Preisschwankungen der jeweiligen Anlagegegenstände auszugleichen, könnte der Bitcoin-Kurs weniger Schwankungen unterliegen.

7.

Was bedeutet das für die Blockchain-Industrie insgesamt?

Es gibt verschiedene mögliche Szenarien.

Zum einen wird Bitcoin als eine Art Aushängeschild für Kryptowährungen gesehen. Daher werden mehr Leute auf sie aufmerksam, wenn der Bitcoin in kurzer Zeit massiv an Wert gewinnt, unabhängig davon, ob das an den Bitcoin-Futures oder anderen Gründen liegt.

Da immer mehr Leute auf Kryptowährungen aufmerksam werden, werden Käufe von alternativen Kryptowährungen (Altcoins) zunehmen und die Preise hochtreiben.

Der umgekehrte Fall ist genauso möglich: Investoren könnten sich dafür entscheiden, ihre Altcoins für Bitcoins zu verkaufen, um vom außerordentlichen Wertanstieg was abzubekommen. Massenausstiege könnten einen drastischen Fall der Werte von alternativen Kryptowährungen auslösen.

Das wahrscheinlichere Szenario ist, dass ein paar starke Altcoins, wie zum Beispiel Ethereum, Litecoin, Ripple in die Fußstapfen von Bitcoin treten könnten und auch als Futures zu handeln sein werden, wenn das Interesse der Investoren groß genug ist.

8.

Wo kann man mit Bitcoin-Futures handeln?

Es gibt zwei verschiedene Börsen, wo man mit Bitcoin-Futures handeln kann.

Die erste Option sind Kryptowährungsbörsen, darunter BitMEX und OKCoin. Kryptowährungsbörsen haben diese Möglichkeit schon seit einiger Zeit angeboten, wobei der Handel mit Bitcoin-Futures weitgehend unreguliert ist.

Die zweite Option wären staatlich regulierten Börsen. Das ist erst seit kurzem möglich und teilweise der Grund, warum der Bitcoin-Kurs im Dezember derart angestiegen ist.

Es begann mit der Einführung der Bitcoin-Futures durch den CBOE am 10. Dezember. Der Chicago Mercantile Exchange (CME) zog mit seiner Einführung am 17. Dezember und der Möglichkeit zu handeln ab dem 18. Dezember nach. Broker-Firmen wie TD Ameritrade und JP Morgan haben ebenfalls Interesse an einem Zugang zu diesem Markt bekundet.