Ein neuer Dienst behauptet, KI, "neuronale Netze" und "Generatoren" zu verwenden, um gefälschte Führerscheine und Pässe zu erstellen. Berichten zufolge sollen seine Kreationen die Identitätsprüfungen an mehreren Kryptobörsen erfolgreich bestanden haben.

Ein solches Dokument soll nur 15 US-Dollar pro Stück kosten.

Die Webseite OnlyFake generiert realistische gefälschte Führerscheine und Pässe aus 26 Ländern, darunter die Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, Australien und mehrere Länder der Europäischen Union, und nimmt Zahlungen in mehreren Kryptowährungen über den kommerziellen Zahlungsdienst von Coinbase entgegen.

404 Media berichtet am 5. Februar, dass es die KYC-Verifizierung der Kryptobörse OKX erfolgreich umgangen habe, indem es ein Foto eines britischen Reisepasses verwendete, das die Nachrichtenplattform über die Webseite generierte. Der Ausweis wirkt dabei so, als ob ein Foto davon gemacht wurde.

Bild des gefälschten britischen Passes: Identitätsprüfung von OKX umgangen?. Quelle: 404 Media

In einem Telegram-Kanal erzählen Nutzer, dass sie die Verifizierung bei verschiedenen Kryptobörsen und Finanzdienstleistern umgehen konnten, darunter Kraken, Bybit, Bitget, Huobi und PayPal.

OnlyFake-Nutzer teilt Screenshots, wo er KYC mit verschiedenen gefälschten Ausweisen ID-Prüfungen bestanden hat. Quelle: Telegram

Der Dienst könnte ein Segen für Krypto-Betrüger und Hacker sein, die gefälschte Dokumente verwenden könnten, um Börsen und Bankkonten zu eröffnen. So könnten sie ihre echte Identität verbergen und es wird schwieriger, sie zu verfolgen.

Der Besitzer von OnlyFake namens "John Wick" behauptete gegenüber 404 Media, die IDs könnten die KYC-Prüfungen bei den Börsen Binance, Kraken, Bybit, Huobi, Coinbase und OKX sowie bei der kryptofreundlichen Neobank Revolut umgehen.

Ein Sprecher von OKX erklärte gegenüber Cointelegraph, dass das Unternehmen jegliche Anschuldigungen oder Unterstellungen, dass es "betrügerisches Verhalten duldet, akzeptiert oder ignoriert", zurückweist und mit seinen Teams und externen Partnern daran arbeitet, die Angelegenheit zu untersuchen.

"Wir wollen betrügerisches Verhalten auf unserer Plattform aggressiv bekämpfen und streben die höchsten Standards im Hinblick auf die Compliance an", wie die Plattform hinzufügte. "Die missbräuchliche Nutzung von KI zur Durchführung betrügerischer Aktivitäten ist eine aufkommende Herausforderung in der gesamten Branche, die OKX umfassend untersucht."

Die Webseite OnlyFake behauptet jedoch, sie stelle "keine gefälschten Dokumente her, da das illegal ist", und in ihren Geschäftsbedingungen heißt es, ihre "Vorlagen sind nur für die Verwendung in Filmen, Fernsehsendungen und Web-Illustrationen" bestimmt.

Es wird davon ausgegangen, dass die Erstellung eines gefälschten Dokuments auf der Webseite weniger als eine Minute dauert. Laut einem Telegram-Post können Nutzer ihr eigenes Foto hochladen oder eines, das nach dem Zufallsprinzip aus einer "persönlichen Bibliothek mit Drops und ohne Verwendung eines neuronalen Netzwerks" ausgewählt wird.

Ein zugehöriger Telegram-Kanal hat Dutzende von Beispielen von gefälschten Führerscheinen und Pässen gepostet, die auf Küchenarbeitsplatten, Bettlaken, Teppichen und Schreibtischen liegen, also ähnlich, wie man es bei einer Online-Verifizierung machen würde.

Gefälschter australischer Reisepass mit Daten von Donald Trump. Quelle: Telegram

In dem Beitrag heißt es auch, dass 100 gefälschte Ausweise gleichzeitig mit Hilfe von Excel-Tabellendaten erstellt werden können.

OnlyFake bietet auch die Möglichkeit, Bild-Metadaten zu fälschen, wobei Benutzer den GPS-Standort, das Datum, die Uhrzeit und das Gerät, das das Foto aufgenommen hat, fälschen können, da einige Identitätsüberprüfungsdienste solche Daten überprüfen, um die Authentizität festzustellen.

Krypto-Hacker und -Betrüger nutzen seit langem Methoden, um Informationen zu fälschen und sich Zugang zu Kryptobörsen zu verschaffen, ohne ihre wahre Identität preiszugeben.

Ende 2022 deckte das Blockchain-Sicherheitsunternehmen CertiK einen Online-Schwarzmarkt auf, auf dem Personen ihre Identitäten für nur 8 US-Dollar verkaufen und sich bereit erklären, als verifiziertes Gesicht betrügerischer Krypto-Projekte aufzutreten und Bank- und Börsenkonten im Namen böswilliger Akteure zu eröffnen.

Der weit verbreitete, einfache Zugang zu KI-Deepfake-Tooles hat auch Besorgnis bei Führungskräften der Kryptoindustrie über die Wirksamkeit der Videoverifikation geweckt, die bei einigen Identitätsprüfungen eingesetzt wird.

Der Sicherheitschef von Binance Jimmy Su sagte im Mai 2023 gegenüber Cointelegraph, es geben einen Anstieg an Betrügereien, bei denen KYC-Überprüfungen von Börsen mit Deepfakes überlistet werden sollen. Er warnte, dass die Videos bald überzeugend genug sein würden, um menschliche Mitarbeiter auszutricksen.

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