Mitten im Chaos: "erste amerikanisch-chinesische" Blockchain-Konferenz führt 1500 Teilnehmer zusammen

Die Blockchain Connect Konferenz, die am Freitag, 26. Januar, in San Francisco stattgefunden hat, hat keinen guten Start hingelegt. Aber die Inhalte der Podien, Diskussionen und Randgespräche haben die 1.500 Teilnehmer an diesem Tag wohl überzeugt.

Die Veranstaltung, die teilweise vom Medienunternehmen SV Insight ausgerichtet wurde, hatte den Zweck, Blockchain-Communitys in den USA und China an einen Tisch zu führen und hat mehr Teilnehmer angezogen, als die Organisatoren - oder der Ort der Zusammenkunft selbst - bewältigen konnten.

Der Chief Growth Officer und Mitgründer von SV Insight Yi Lu hat zugegeben, dass die Anzahl an Menschen, die tatsächlich teilgenommen haben, überwältigend war. Er erklärte, "[der] Inhalt ist sehr gut...Aber wir haben nicht so viele Leute erwartet, es sind einfach viel zu viele Leute."

Der Ort der Zusammenkunft, ein klassisches europäisches Überbleibsel einer Kunstausstellung von 1915, hat ein Theater, das für rund 900 Leute gedacht war. 1.500 Karten wurden für diese Veranstaltung verkauft.

Lu fügte hinzu, dass zusätzlich noch 800 Leute auf der Warteliste der Veranstaltung stehen, die keine Karte mehr bekommen haben.

Die Diskrepanz bei den Karten bedeutete, dass viele Konferenzteilnehmer, die zwischen 400 und 800 Euro für die Veranstaltung bezahlt haben, nicht in das Theater konnten, um die Vorträge persönlich zu sehen. Sie waren gezwungen, vom "Überfluss-Raum" aus zuzusehen, der unbeheizt war und eine schlechte Beschallung geboten hat.

Strenge Raumbesetzungsstandards, die durch die Feuerwehr und einige Sicherheitsleute durchgesetzt werden, haben dazu geführt, dass Konferenzteilnehmer in dem Raum gefangen sind, in dem sie sich befanden.

Ein großer offener Raum, der gleichzeitig als Überfluss-Raum diente, und ein Ausstellungsraum wurden mit Ständen gefüllt, die Blockchain-Unternehmen bewarben. Darunter war auch BlockShow, das Partnerunternehmen von Cointelegraph bei dem Blockchain-Event, das stark reduzierte Karten für ihre nächste Veranstaltung angeboten hat.

Diejenigen, die das Glück hatten, im Theater unterzukommen, konnten eine Reihe von Podiumsdiskussionen hören. Die Themen hierbei reichten von Problemen bei der Bewertung von Token und Blockchain-Investment-Strategien bis hin zu Skalierungsmöglichkeiten und die mathematische Sprache.

Charlie Lee und Tim Draper geben den Ton an

Litecoin-Gründer Charlie Lee hat die Konferenz überraschend als erster Hauptredner eröffnet, nachdem das Abspielen des vorher aufgezeichneten Einführungsvideos des virtuell anwesenden Risikokapitalanlegers Tim Draper fehlgeschlagen ist.

Lees Eröffnungsvortrag konzentrierte sich auf die Erklärung seiner neuesten Idee, die er das erste Mal Anfang des Monats angekündigt hat. Darin geht es um eine neue Art eines Gebührenmarkts für Litecoin.

Während des Fragenteils seines Vortrags, hat Lee darüber geredet, was seiner Meinung nach der Sinn der Altcoins ist, aber hat auch betont, dass Bitcoin (BTC) der "Goldstandard" ist. Dieser dominiert als Vorreiter und genießt eine gewisse Überlegenheit in Sachen Sicherheit und Dezentralisierung, daher hat Lee gleich zweimal erklärt: "Bitcoin wird der König der Kryptowährungen bleiben, soweit ich das sehe."

China und der US Connect

Blockchain Connect hat den Zweck, die Lücke zwischen Blockchain und Krypto-Communitys in den USA und China zu füllen, die beides Länder sind, die eine große Rolle in dieser Branche spielen.

Lu vom Unternehmen SV Insight hat China und die USA das "Kraftwerk" von Blockchain genannt und erklärt, dass die Konferenz einen Ton für die Zukunft von Blockchain angeben sollte. Auf die Frage, ob es eine Möglichkeit für eine ähnliche Konferenz in China gibt, einem Land, das im September 2017 Kryptobörsen und ICOs verboten hat, zeigte sich Lu positiv, aber nicht zu optimistisch:

"Wenn wir eine Möglichkeit dazu bekommen und wenn die Regelungen es erlauben, würden wir das definitiv tun [eine Veranstaltung in China organisieren]".

Vielleicht war der amerikanische Standort aufgrund der aktuellen regulatorischen Situation in China ein attraktiver Ort in den Augen von Blockchain Connect, um Blockchain-Experten aus den beiden Ländern an einen Tisch zu holen.

Der Partner-Gründungsmanager des New Yorker Unternehmens ConsenSys Kavita Gupta hat gesagt, dass einer der Hauptgründe für ihre Zustimmung, an den Podiumsdiskussionen bei der Konferenz in San Francisco teilzunehmen, der war, dass sie Unternehmen aus China und Singapur "in [ihrem] eigenen Hinterhof" trifft. Sie bemerkte:

"[Das ist] eine der ersten Initiativen, um Asien mit der US-Wirtschaft zusammenzubringen. Asien ist schließlich eine der größten Säulen der Token-Wirtschaft, selbst nachdem China es verboten hat [...] alle Unternehmen, in die wir in den USA investieren, möchten wir auf die Börsen in Asien bringen [...] Wir wollen ein Ökösystem für unsere Unternehmen aufbauen."

Chinas Regulierung erneut aufgegriffen

Die abschließende Podiumsdiskussion auf der Konferenz hat sich besonders auf Chinas aktueller Regulations-Umwelt konzentriert und einen neuen Blickwinkel auf dieses Thema eröffnet. Die drei Teilnehmer an diesem Podium, die alle aus China kommen, haben angemerkt, dass die chinesische Regierung auf lange Sicht eigentlich einen positiven, optimistischen Ausblick auf Blockchain-Technologie hat und dass die Handels- und ICO-Verbote wahrscheinlich nur vorübergehend sein werden. Präventive Maßnahmen, um der Regierung ein wenig Zeit zu verschaffen.

Yu Lang, der Gründer und CEO der Plattform VeChain hat dem Publikum gesagt, dass die Verbote vom September eingeführt wurden, um "den Regulationsbehörden mehr Zeit zu verschaffen, um die richtige Art der Regulierung zu finden" .

Podiumsteilnehmer Eric Gu, der CEO von Metaverse, Chinas erster öffentlicher Open-Source-Blockchain, hat hervorgehoben, dass das ICO-Verbot einem fehlenden Verständnis für den Markt zuzuschreiben ist.

"[aus Sicht der Regierung] können wir Ponzi-Schemen und gute Projekte nicht voneinander unterscheiden, daher müssen wir sie erst einmal stilllegen."

Gu hat auch erklärt, dass es einen Grund dafür gibt, dass die Regierung sich etwas Zeit mit diesen Verboten verschaffen wollte, bevor es eine klare Regulierung in der Krypto-Sphäre festlegt. Dieser Grund ist die schlichte Tatsache, dass die chinesische Regierung keine Exempel in der Branche statuieren möchte, sondern es lieber "anderen Regierungen gleichtun möchte."

Blockchain in der akademischen Welt

Als Teil eines Forschungsprojektes an der UC Berkeley baut der Podiumsteilnehmer bei der Konferenz und Computer-Wissenschaftsprofessor Dawn Song zurzeit eine Plattform auf, die verschiedene KI- und Blockchain-Anwendungen enthalten wird, darunter auch die Krankenversicherungs- und Smart-Erstellung mit IoT-Technologie.

In Verbindung mit zwei anderen Professoren der Business- und Rechtsabteilung der Universität wird Song in diesem Semester auch einen interdisziplinären Kurs, den "ersten seiner Art" an der Berkeley, unterrichten. Song kommentierte die Studentennachfrage nach diesem Kurs:

"Er ist sehr beliebt. Wir haben nur eine begrenzte Raumkapazität, daher sind es etwa 70 Studenten. Aber das Verhältnis ist 4:1, also können wir von vier Studenten, die sich bewerben, nur einen nehmen."

In der Zeit, in der die Cointelegraph-Reporterin in einem Überfluss-Raum gefangen war, hat sie ein Interview mit dem Regionalleiter des South Bay Work Investment Boards (SBWIB) Chris Cagle und Dr. Jose Navarro Martinez, einem außerordentlichen Wirtschaftsprofessor an der Cal State Dominguez Hills, über die Blockchain in der akademischen Welt geführt.

Die beiden Männer haben sich für eine Forschungsstudie zusammengetan, die im Juni fertiggestellt sein soll. In dieser geht es um die Identifizierung von potentiellen Karrierewegen für Unternehmen, die mit Blockchain arbeiten, von der Luftfahrt bis hin zum Krankenversicherungsbereich. Diese Studie hebt die Werkzeuge hervor, die sowohl Abschlussschüler als auch Universitätsstudenten zu attraktiveren Kandidaten für Blockchain-basierte Unternehmen machen.

Auf die Frage, wie denn das Universitätsfach Blockchain aussehen könnte, sagte Cagle:

"Sie [die Studenten] könnten Business als Hauptfach nehmen und ein Blockchain-Zertifikat machen."

Die Studie untersucht auch die Möglichkeiten, eine staatliche Förderung zu bekommen, die die Kurskosten subventionieren. Damit wären solche Programme auch Studenten mit geringem Einkommen zugänglich.

SV Insight hat ebenfalls einen eigenen Blockchain-Kurs, bei dem 180 Studenten etwas über Blockchain-Softwareentwicklung lernen. Es gab mehr als 10.000 Bewerber auf den Kurs, wovon etwa 10 Prozent genommen werden.

Platz für Risiken

Blockchain Connect fand am selben Tag statt, an dem Cointelegraph über den großen Hack der Börse Coincheck berichtete, bei dem Nutzervermögen im Wert von insgesamt 400 Mio. Euro in XEM aus einem schlecht gesicherten Hot-Wallet gestohlen wurden. Dieser Verlust ist ein noch größerer als der bei der berüchtigten Hack-Attacke auf Mt. Gox aus Tokio im Jahr 2014.

Kurz nachdem diese Geschichte bekannt wurde, hatte Cointelegraph die Gelegenheit mit Charlie Lee zu sprechen. Lees erster Kommentar zu der Geschichte war ein scherzhaftes "Ich war's nicht."

Lees Ansicht auf das Risiko, das mit Investitionen in Kryptowährungen - und der Entscheidung, dass man sein Vermögen einem Dritten, wie Coincheck, überlässt - einhergeht, war klar und deutlich. "So läuft das Spiel" sagte er und fügte hinzu:

"Geldfreiheit bedeutet, dass man volle Kontrolle über sein Geld hat und wenn man diese Kontrolle an eine Börse weggibt, kann man sie ganz leicht verlieren."

Der Partner bei INBlockchain Capital Eric Meltzer hat eine ähnliche Ansicht auf das Kundenrisiko im Rahmen einer Podiumsdislussion über neue Kryptotrends geäußert. In Bezug auf eine Investition in den heutigen Kryptomarkt hat Meltzer gesagt, er glaube, es sei wichtig, dass Investoren ihre Lektionen vom Markt auf die harte Tour lernen. Er erklärte schonunglos:

"Man muss die Leute auf die Schnauze fliegen lassen."