Bank of America: Wird sie ihre Blockchain-Patente tatsächlich nutzen?

Am 30. Oktober hat die Bank of America (BofA) ein weiteres Krypto-bezogenes Patent zu ihren über 50 Anmeldungen aus dem selben Bereich hinzugefügt.

Die zweitgrößte Bank in den USA war führend in dem informellen Rennen um Blockchain-Patente und hat dabei Akteure wie IBM und Alibaba übertroffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die BofA optimistisch ist - das Unternehmen hat Kryptowährungen öffentlich kritisiert und Patente überwiegend genutzt, um in der Fintech-Community fortschrittlich zu erscheinen.

Kurze Geschichte über die eingereichten Krypto-Patente der BofA

Die Bank meldete ihr erstes Blockchain-bezogenes Patent bereits im März 2014 an, das vom US-Patent- und Markenamt (USPTO) im September 2015 veröffentlicht wurde. Diese Behörde vergibt die Urheberrechte an Erfindungen in den USA.  Dieses erste Patent trug den Titel "Überweisungen unter Verwendung von Kryptowährungen" und enthielt das Wort "Blockchain" an sich nicht. Es beschrieb lediglich ein System, bei dem Gelder zwischen Konten hin und her geschickt werden, die die Technologie verwenden, die hinter Kryptowährungen steckt.

Das schien die erste Krypto-bezogene Anmeldung einer großen Bank für Einzelpersonen in den USA und möglicherweise weltweit zu sein. Es überrascht nicht, dass die BofA die erste Bank ihrer Art war, die ein solches Patent angemeldet hat. Sie war nämlich auch eine der ersten Banken war, die 2013 die Berichterstattung über Bitcoin initiiert hat, als sie einen Bericht der Strategen David Woo, Ian Gordon und Vadim Iaralov veröffentlichte. Dieser trug den Titel "Bitcoin: Eine erste Einschätzung" und darin hieß es:

"Bitcoin könnte zu einem wichtigen Zahlungsmittel für den elektronischen Handel werden und ein ernstzunehmender Kandidat im Wettbewerb gegen traditionelle Geldtransferanbieter werden. Als Tauschmittel hat Bitcoin ein klares Wachstumspotenzial."

Im September 2015 hat die BofA auch ein Krypto-bezogenes Patent erhalten. Zur selben Zeit ist das Finanzinstitut R3 beigetreten. Das ist ein Konsortium, das aus über 200 Mitgliedern besteht, darunter verschiedene Banken, Handelsverbände und Fintech-Unternehmen, die an der Entwicklung von Blockchain-Lösungen arbeiten.

Seit dem ersten Patent namens "Überweisungen unter Verwendung von Kryptowährungen" hat die BofA eine Menge Blockchain-orientierter Patente angemeldet. Im Dezember 2015 veröffentlichte das USPTO zehn neue Patente, die von der Bank im Juli 2014 eingereicht wurden und die alle das Wort "Kryptowährung" im Titel hatten. Sie bezogen sich auf verschiedene Systeme, wie zum Beispiel "Offline Tresor-Depot-System", "Online Tresor-Depot-System".

Im Januar 2016 enthüllte die Bank, dass sie 20 weitere Blockchain-orientierte Patentanmeldungen an das USPTO-Büro senden wolle. In einem Interview mit CNBC, sagte die Leiterin für die Betriebs- und Technologieabteilung bei der BofA, Catherine Bessant:

"Als Technologin finde ich die Technologie faszinierend. Wir haben versucht, eine Spitzenposition dabei einzunehmen. Ich denke, wir haben um die 15 Patente. Die meisten Leute wären überrascht, dass die Bank of America Patente im Blockchain- oder Kryptowährungsbereich hat."

Letztendlich sicherte sich die BofA den ersten Platz in einem inoffiziellen Patentwettlauf. Bis Juni 2018 hielt die Institution rund 45 Live-Patente (d.h. sie sind aktiv und noch nicht abgelaufen). Das ist die höchste Anzahl im Vergleich mit allen Unternehmen, wie aus Recherchen von Marc Kaufman hervorgeht. Er ist ein Anwalt und Mit-Vorsitzender des Rates für geistiges Blockchain-Eigentum bei der digitalen US-Handelskammer. Die US-Bank überholte damit Tech-Akteure wie IBM und Alibaba, ganz zu schweigen von ihren direkten Konkurrenten. Die Royal Bank of Canada (RBoC) war unter den Banken mit nur acht Patenten auf Platz zwei.  

"Es ist sehr wichtig, dass wir uns einen Platz reservieren": Die komplizierte Beziehung der BofA zur Krypto-Technologie

Die Initiative der BofA im Blockchain-Bereich bedeuten nicht unbedingt, dass das Unternehmen tatsächliche Produkte entwickeln wird. Das bedeutet auch nicht, dass das Unternehmen in Bezug auf alle Dinge, die Krypto betreffen, optimistisch ist. Ganz im Gegenteil, die US-Bank hat deutlich lieber eine registrierte Technologie nur in ihrem Besitz als sie tatsächlich zu nutzen.

Im Jahr 2016 sagte Catherine Bessant gegenüber CNBC, es sei sehr wichtig, Blockchain-bezogene Patente zu haben, um "uns einen Platz zu reservieren, noch bevor wir wissen, wie eine kommerzielle Anwendung aussehen könnte". Auf der CB Insights, Future of Fintech-Veranstaltung, die im Juni dieses Jahres in New York stattfand, kommentierte sie:

"Wir haben weniger als 50 Patente im Bereich Blockchain/Distributed Ledger. Wir haben zwar keine großen Möglichkeiten entdeckt, aber wir wollen einen Schritt voraus sein, wir wollen vorbereitet sein."

Trotz der Initiative, die die 113-jährige Bank zeigte, hat sie Bitcoin als "beunruhigend" bezeichnet und ihre Entscheidung, Kunden zu verbieten, Krypto mit ihren Kreditkarten zu kaufen, noch einmal bekräftigt. Darüber hinaus hat die BofA in ihrem Jahresbericht vom Februar zugegeben, dass Kryptowährungen eine Bedrohung für ihr Geschäftsmodell darstellen würden:

"Kunden könnten dazu übergehen, Geschäfte mit anderen Marktteilnehmern zu tätigen, die in diesem Geschäft tätig sind oder Produkte in Bereichen anbieten, die wir für spekulativ oder risikoreich halten, wie beispielsweise Kryptowährungen."

Im August 2018 hat Michael Wuehler getwittert, dass er zwar als Erfinder von "8 von 50" BofA-Blockchain-Patenten gilt, diese aus seiner Sicht aber "bedeutungslos" seien. Wuehler ist ein Blockchain-Spezialist bei ConsenSys und hat zuvor über 11 Jahre bei der BofA gearbeitet, wie aus seinem LinkedIn-Profil hervorgeht. Wuehler erklärte, dass die Patente angemeldet wurden, um die Aufmerksamkeit der Presse zu erregen und die Bank im Fintech-Bereich fortschrittlich erscheinen zu lassen.

In der Tat bedeutet ein Fintech-Patent nicht unbedingt, dass es in Zukunft auch verwendet wird. Ein Blockchain-Patent ist, wie jedes andere Patent auch, eine Reihe von exklusiven Rechten, die von einer offiziellen Behörde - einem souveränen Staat oder einer zwischenstaatlichen Organisation - erteilt werden. Diese erhält ein Erfinder oder Bevollmächtigter im Austausch dafür, dass er seine Erfindung der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Wie Bloomberg erklärt, sind geschäftliche Blockchain-Patente "ein wesentlicher Bestandteil für Unternehmen, die die Finanzdienstleistungsbranche umgestalten oder profitable kryptowährungsbezogene Unternehmen aufbauen wollen". Im Wesentlichen helfen Patente Unternehmen dabei, Investoren anzuziehen, Eigentumsrechte zu schützen und Monopolgewinne von anderen Unternehmen mit ihren Erfindungen zu erzielen - und das könnte bei der BofA der Fall sein.

Die aktuellsten Patentanmeldungen der BofA: von der Speicherung privater Schlüssel bis zum Kryptowährungsbörsensystem

Hier sind einige Details zur Initiative der BofA in Sachen Blockchain, die vom USPTO im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden. Das sollte ein klareres Bild davon vermitteln, wie die Bank den Einsatz der Technologie zumindest hypothetisch plant:

Private Schlüssel

Die aktuellste erteilte Krypto-bezogene Patent der BofA, das am 30. Oktober bestätigt wurde, bezieht sich auf Speichermethoden für private Schlüssel.

Konkret heißt es in der Anmeldung, dass die aktuellen Möglichkeiten, sicherzustellen, dass private Schlüssel nicht manipuliert werden, unzureichend seien.

"Während viele Geräte Sicherheitsverletzungen (d.h. physische oder nicht-physische Manipulation des Geräts und/oder der Daten) nachweisen können, bieten diese Geräte keine Echtzeitreaktion auf solche Verletzungen. Eine solche sollte die missbräuchliche Verwendung privater Kryptoschlüssel verhindern.

Daher ist eine sichere Art der Speicherung privater, kryptographischer Schlüssel nötig. Diese gewünschte Speicherart sollte das Risiko einer missbräuchlichen Verwendung von Schlüsseln verringern, da die Schlüssel intern in einem Rechenknoten gespeichert werden. Denn dieser ist häufig oder in einigen Fällen durchgehend über ein öffentliches Kommunikationsnetz, wie beispielsweise das Internet, zugänglich".

Multiple digitale Signaturen

Am 18. September veröffentlichte das USPTO ein BofA-Patent, in dem es um die Anwendung von multiplen digitalen Signaturen in einem verteilten Netzwerk ging.

Das Patent schlägt ein System zur Verwaltung der Datenkommunikation von internetfähigen Geräten vor. In dem Dokument wird hervorgehoben, dass "die Erfindung eine automatisierte Bestimmung ermöglicht, welche Geräte mit welchen Drittunternehmen kommunizieren. In einigen Anwendungsformen werden auch die Art der Daten, die an diese Drittunternehmen übermittelt werden, bestimmt".

Das von der BofA vorgeschlagene System richtet sich an Geräte in einer Internet of Things (IoT)-Umgebung und beschreibt, wie jedes der Geräte innerhalb des Netzwerks "fortlaufend" Daten miteinander austauschen. Das System erlaubt dabei dem Benutzer, "auszuwählen, welche Daten an welche Drittanbieter übermittelt werden. Er kann dabei Daten verbieten (d.h. blockieren) oder den Zugriff einschränken".

Externe Validierung

Im Juli veröffentlichte das USPTO ein Patent der Bank auf ein Blockchain-basiertes System zur externen Validierung von Daten.

Darin schlägt die BofA vor, Blockchain zur Nachverfolgung von Ressourceninformationen und zur Bestätigung von Ressourcenübertragungen zu verwenden. Als Grund dafür wurde angegeben, es sei "derzeit notwendig, einen genaueren Hinweis auf die finanzielle Situation eines Benutzers zu geben, indem eine externe Validierung von Daten in einem Prozessdatennetzwerk ermöglicht wird".

Das Patent beschreibt, wie das System Informationen über die Blockchain aufzeichnet. Dies geschehe auf Basis von "aggregierten Informationen, die mit früheren Ressourcenübertragungen verbunden sind, die von einer Person oder einer Organisation ausgeführt werden". Die Informationen würden dann über die Blockchain mit jeder neuen Transaktionsaktivität aktualisiert werden.

Datenspeicherung

Im April wurde eine Patentanmeldung der Bank für ein Blockchain-basiertes Speichersystem mit automatisierter Datenauthentifizierung veröffentlicht. Das Dokument wurde ursprünglich im Oktober 2016 eingereicht.

In dem Dokument beschreibt der BofA-Autor ein Blockchain-betriebenes System zur Authentifizierung von Daten. Damit sollen diese Daten auch Dienstanbietern auf sichere Art und Weise zugänglich gemacht werden. Das Patent befasst sich mit dem Problem der Datenübertragung und -verfolgung. In dem Dokument heißt es, dass dieses mit Hilfe von kryptographischen Schlüsseln in einer privaten Blockchain gelöst werden kann:

"Die Anwendungsformen der Erfindung verwenden eine private Blockchain, um verschiedene Arten von Datensätzen zu speichern, die an die Dienstleister übermittelt werden sollen. Auf diese Weise kann die natürliche oder juristische Person alle Datensätze, die für den jeweiligen Dienstleister relevant sind, sicher in der Blockchain speichern- Den Dienstleistern kann dann ein gesicherter Zugang zu diesen Datensätzen gewährt werden, so dass die Dienstleister nur auf die spezifischen Datensätze zugreifen können, für die sie eine Berechtigung haben. Ein Gesundheitsdienstleister kann zum Beispiel dann nur auf die Gesundheitsakten in der Blockchain zugreifen."

Der Autor beschreibt auch die Nachteile der konventionellen Methoden für die gemeinsame Nutzung und Speicherung von Datensätzen, wie zum Beispiel E-Mail-Anhänge. Er behauptet, dass diese anfällig für Manipulationen seien, da ihnen "ein integrierter Mechanismus zur Authentifizierung von Datensätzen" fehle. Ein Blockchain-basiertes System wiederum würde eine effiziente, sichere und zuverlässige Möglichkeit bieten, Datensätze zu speichern und nur autorisierten Parteien Zugang zu gewähren, so das Patent abschließend.

Kryptowährungsbörsensystem

Im Dezember 2017 hat die BofA ein Patent erteilt bekommen, das ein digitales Währungsbörsensystem beschreibt. Laut dem Dokument ermögliche das System die automatische Umrechnung einer digitalen Währung in eine andere. Der Wechselkurs wird dabei auf Grundlage externer Datenfeeds festgelegt.

Wie aus der Patentanmeldung hervorgeht, würde das vorgeschlagene System Daten aus externen Informationsquellen über die aktuellen virtuellen Währungswechselkurse sammeln und aus diesen Daten einen eigenen optimalen Kurs berechnen. Konkret heißt es in der Anmeldung:

"Unternehmen könnten täglich eine große Anzahl von Finanztransaktionen abwickeln. Im Zuge des technologischen Fortschritts sind Finanztransaktionen mit Kryptowährungen immer häufiger geworden. Für einige Unternehmen könnte es wünschenswert sein, Währungen und Kryptowährungen wechseln zu können."