Laut Dogecoins Erfinder Jackson Palmer wird 2018 zum

Der in der Krypto-Welt als Erfinder von "Dogecoin" bekannte Jackson Palmer, beruflich Produktmanager in San Francisco und in seiner Freizeit leidenschaftlicher Code-Schreiber, beschreibt dem Cointelegraph in einem Interview seine Vision für Kryptowährungen, die als Parodie begannen und Anfang 2018 einen Marktkapitalisierungswert von über 800.000 Mio.Euro durchbrachen, seine Gedanken bezüglich der Krypto-Community und eröffnet einige Pläne für die Zukunft.

Obwohl Palmer der kreative Kopf hinter Dogecoin bei dessen Markteinführung 2013 war, erzählt er von seinen expliziten Abneigungen gegenüber bestimmten Teilen der Gesellschaft und gegenüber der Krypto-Kultur, die sich in den Jahren darauf herausgebildet haben. Er begann Ende 2014 damit, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

Cointelegraph: Wenn Sie auf die ganze Sache zurückschauen, war es die ganze Sache wert?

Jackson Palmer: Ich fing an, mich von Dogecoin und der Community zu entfernen, nachdem ein Betrüger, auf dessen Gefahrenpotential ich und einige andere schon eine Weile aufmerksam zu machen versucht hatten, letztendlich mit einem ganzen Haufen Geld aus der Gemeinschaft verschwand. Jeder, der es bis dahin gewagt hatte, seinen Charakter in Frage zu stellen, musste sich einer Menge Kritik und negativen Energien stellen, ich ebenfalls - ich war also in gewissen Weise schon vorher in der Community verschrien.

Das hat mir wirklich die Macht der Gier gezeigt und wie viele Menschen bereit sind, Entwicklungen wie Kryptowährung durch rosarote Schutzbrillen zu sehen, solange sie dabei Geld verdienen. Selbstreflexion und Skepsis haben keinen Platz in solch manischen Zeiten. Nachdem sich unsere Vermutungen leider als richtig erwiesen hatten, hatte ich ehrlich gesagt keinen starken Anreiz, nach allem, was ich erlebt hatte, in die in Fragmente zerbrochene Gemeinschaft zurückzukehren. Also bin ich ganz weggegangen und habe die Schlüssel für das Github-Repo übergeben.

Zu sagen, ob das Ganze "es wert war", ist schwierig... Ich glaube, Dogecoin ist eine gutes Beispiel, das hoffentlich als Lernerfahrung genutzt wird von jenen, die in der Krypto-Sphäre sind oder ihr beitreten. Wenn einfach die Existenz bzw. diese Geschichte dazu beitragen kann, dass die Hype-betriebene Krypto-Industrie zu rationalerem Denken angehalten wird, das auf Tatsachen beruht, dann glaube ich, dass es das Ganze wert war.

CT: Auch wenn Sie nicht mehr direkt an dem Projekt mitwirken, sehen sie eine Zukunft für Dogecoin?

JP: Ich glaube, wir bewegen uns in schnellem Tempo auf eine Übersättigung des Marktes an Kryptowährungen, Krypto-Assets und Token zu, auf einen Punkt hin, an welchem deren Wert und inhärente Nutzbarkeit gegen 0 läuft. 2018 entwickelt sich zum "Jahr der Forks" und mit jeder Fork des originalen Bitcoin-Codes, habe ich das Gefühl, löst sich jeder andere Krypto-Token ein bisschen weiter auf.

Selbst wenn man es nur aus der Perspektive eines Konsumenten betrachtet, ist es sehr verwirrend. Dogecoin ist im Grunde nur eine weitere Fork des Bitcoin-Quellcodes, der einige Variablen leicht verändert hat. Von einem rein technischen Standpunkt aus, kann ihn schon morgen jeder forken und "verbessern", indem er einfach die Variablen fein stellt - von daher glaube ich; dass seine [Dogecoins] Zukunft die gleiche ist, wie die jedes anderen Distributed Ledgers da draußen... ziemlich unsicher, leicht störbar und definitiv nicht in einer besonders vorteilhaften Position, um erfolgreich zu sein.

CT: Irgendeine Idee, an was die Core-Entwickler zurzeit arbeiten?

JP: Die Entwickler arbeiten an einer neuen Markteinführung, die im Grunde den Basiscode neu auf Bitcoins Basiscode einstellt, aus dem Dogecoin ursprünglich hervorgegangen ist. Die Einführung beinhaltet hauptsächlich feinmotorische Performance- und Sicherheitsverbesserungen, die insofern wichtig sind, als dass die letzte große Veröffentlichung damals 2015 stattfand.

Neue Projekte

Was Jackson selbst angeht, arbeitet er zurzeit als Group Product Manager in San Franciso und hat kürzlich einen YouTube-Kanal eröffnet, auf dem er Schulungsvideos zu Kryptowährungen und anderen verwandten Themen hochlädt.

"Mein Youtube-Channel ist hauptsächlich ein Projekt aus Leidenschaft, um zu versuchen, zu teilen, was ich persönlich in den letzten Jahren gelernt habe. Mit dem Wiederaufleben des Interesses an Kryptowährung stand ich 2017 vor vielen Fragen von Freunden und Fremden. Anstatt diese Konversationen immer und immer wieder zu wiederholen, fand ich sinnvoll, meine Gedanken aufzunehmen und der Öffentlichkeit per Video mitzuteilen.

Im Laufe des Prozesses haben wir eine lustige Gemeinschaft von Menschen aufgebaut, die sich leidenschaftlich für die Technologie von Kryptowährung interessiert und ich freue mich sehr über ihr gemeinsames objektives Denken und ihre Skepsis gegenüber all jenen Projekten. Der Kanal hat Leute für Bildungszwecke zusammengebracht und ich bin wirklich stolz darauf. Ein Hoch auf meine Abonnenten und die großartigen Unterstützer auf Patreon!"

Krypto-Gemeinschaft

Jackson folgt der Krypto-Community weiterhin und kommentiert wichtige Geschehnisse per Twitter. In Bezug auf die Art und Weise, wie sich die Krypto-Industrie in den letzten Jahren entwickelt hat, erwähnte Jackson, wie traurig ihn die aktuellen Entwicklungen machen. "Ich glaube leider, dass viele der negativen Eigenschaften, die sich in der Sphäre schon 2013 bemerkbar gemacht hatten, in der Kryptowährungs-Gesellschaft 2017-18 verstärkt wurden. Der kürzliche angewachsene Interesse an der Technologie rührt nicht durch deren Möglichkeit her, reale Probleme zu lösen oder von der tatsächlichen Anwendbarkeit für die Nutzer - sondern eher durch das Bestreben nach schnellem Geld. Ganz ohne Frage ist das nicht nachhaltig, aber wir haben wortwörtlich tausende Projekten entstehen sehen, die in ihrer Gier die Aufmerksamkeit ausnutzen wollen."

Er betonte diverse Male seine Abneigung darüber, wie sehr die Krypto-Gemeinschaft das einfache Geld liebt - ein Charakterzug, der in diesen Tagen noch stärker zum Vorschein kommt.

"Ich bin überzeugt, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dass Distributed Ledger und Blockchain-Technologien sich von dem Stigma al neuartigen technischen Lösung wegbewegen auf der Suche nach einem Problem zur tatsächlichen Bereitstellung von Wert für die Gesellschaft, unabhängig davon, dass einige wenige Erstanwender damit reich werden.

Dies erfordert eine große kulturelle Umorientierung in der Gemeinschaft, ein Aussortieren eklatanter Betrügereien und eine Neuausrichtung der Entwicklung weg von komplexen, glänzenden Objekten hin zu einfachen, praktischen Lösungen für tatsächliche Probleme. Die langlebigen, bedeutungsvollen Technologien in dieser Welt sind jene, die die Menschheit verbessern, nicht die, die ein paar glücklichen Kinder in einen Lamborghini setzen."

CT: Und hier kommen die albernen Fragen: Sind sie ein Katzen- oder Hundemensch?

JP: Hunde, definitiv. Katzen scheinen mich auf irgendeinem Grund nicht zu mögen.

Jackson Palmer, genau wie diverse weitere Meinungsführer der Krypto-Industrie, wird am Global Blockchain Forum teilnehmen, dass vom 2. bis 3. April 2018 in Santa Clara, den USA, stattfindet. Cointelegraph wird das Event als Medien-Partner begleiten.

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