Als das Internet in den 90ern bei der Masse angekommen ist, hat es noch nie dagewesene Möglichkeiten mit sich gebracht. Es hat jedermann den Zugang zu Informationen und eine Kommunikationsmöglichkeit gegeben. Auch der digitale Handel wurde damit revolutionieren.
Die E-Mail hat die Kommunikation ebenfalls revolutioniert, indem sie grenzüberschreitende Sofortnachrichten ermöglicht hat. Daher wurden auch sehr bald schon digitale Geldsysteme eingeführt, aber keines davon war so erfolgreich wie PayPal.
PayPal wurde im Jahr 1998 gegründet und hat Leuten eine einfache Möglichkeit gegeben, Zahlungen auf sichere Weise zu senden und zu empfangen, ganz egal wo sie sich auf der Welt befinden oder welche Währung sie verwenden. Zwei wichtige Eigenschaften ließen PayPal aus der Masse herausstechen, als der Dienst auf den Markt kam: Sicherheit und Einfachheit. Damit wurde das Problem im Zusammenhang mit Kreditkartenbetrug online gelöst und Nutzer hatten eine einfach Möglichkeit, Produkte zu kaufen, ohne ihre Kreditkartendaten dem Händler mitteilen zu müssen.
Heute werden Informationen und Geld nahtlos über Onlinedienstleistungen übertragen. Die Protokolle hinter diesen Diensten wurden zwar in den 90ern entwickelt, dennoch dauerte es noch einige Jahre, bis diese intuitiv genug waren, damit jedermann diese nutzen kann.
Früher war es sehr komplex, eine E-Mail zu versenden oder online einzukaufen. Man musste etwa E-Mail-Clients herunterladen und diese konfigurieren, damit diese mit dem jeweiligen Internetanbieter funktionieren. Online-Shopping wurde in den Anfangstagen als riskant betrachtet, da HTTPs sich noch nicht überall durchgesetzt hatten. Das Verschlüsselungsprotokoll wurde 1994 von Netscape entwickelt.
Nutzer, die ohne dieses Protokoll im Internet surften, liefen Gefahr, betrogen zu werden, da ihre Kreditkarteninformationen unverschlüsselt weitergeleitet wurden.
Jetzt, über 20 Jahre später, sind Online-Nutzer erneut an einem wichtigen Wendepunkt.
Kunden haben bisher immer bei Banken ihre Schecks eingelöst und Hypotheken beantragt. Heute nutzen Verbraucher Apps, mit denen sie ihr Alltags-Banking auf dem Handy erledigen können. Banking ist damit zwar bequemer, aber diese Apps nutzen nach wie vor ein altes Modell, das man als Web2 bezeichnet. Der Nutzer hat dabei keine Freiheit oder Autonomie.
Zahlungsidentität im Web2
Die Finanzbranche bewegt sich zunehmend in Richtung nahtloser P2P-Zahlungen. Venmo, Revolut and Cashapp haben ein Ökosystem aufgebaut, wo Nutzer Zahlungen und Nachrichten mit ihren Namens-Tags senden und empfangen können.
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Diese Funktionen sind zwar beeindruckend, aber dennoch auf die jeweiligen Ökosysteme beschränkt. Das ist ein beträchtlicher Nachteil. Da diese Ökosysteme geschlossen sind, kann das Web3 sein volles Potenzial nicht entfalten und ein offeneres Finanzsystem schaffen.
Offene digitale Identität im Web3
Die vertrauenslose, offene Datenbank Web3 hat sich selbstständig weiterentwickelt und in den letzten Jahren immer mehr Bedeutung gewonnen. Das gelang mit der Unterstützung der Community und von Entwicklern, die ihre finanzielle Situation in ihre eigenen Hände legen wollen. Obwohl alle notwendigen Werkzeuge vorhanden sind, etwa die Blockchain-Technologie, um eine solche offene, dezentrale Zukunft aufzubauen, fehlen den Web3-Anwendungen die Standards, die für eine Massenakzeptanz notwendig sind.
Die notwendigen öffentlichen Schlüssel, die aus einer langen alphanumerischen Zeichenfolge bestehen und als einzigartige Adressen fungieren, sind für viele Leute eine Hürde. Aufgrund der Länge sind diese schwer zu lesen und laden geradezu zu Fehlern ein.
Daher haben einige dezentrale Anbieter für digitale Identitäten Lösungen herausgebracht, die diesen Prozess vereinfachen, indem ein benutzerfreundlicherer Ansatz für die Verwaltung der öffentlichen Schlüssel, wie etwa Wallet-Adressen, verfolgt wird.
Es gibt mehrere nennenswerte Lösungen in diesem Bereich:
- Ethereum Name Service (ENS)
- Unstoppable Domains
- Y.at
ENS ist ein dezentralisierter Domain-Namensdienstleister, der auf eigene, registrierte Namen statt der alphanumerischen Zeichenfolge setzt. Unstoppable Domains bietet Webseiten-Domains an, die auf einer Blockchain gespeichert werden. So können Nutzer Online-Identitäten erstellen, mit denen Zahlungen akzeptiert werden können.
Quelle: Y.at
Mit Y.at können Nutzer ihre digitalen Identitäten mit einem bis fünf Emojis darstellen, der dann als digitaler Benutzername, Webseiten-URL und sogar Zahlungsadresse für die jeweilige Wallet verwendet werden kann.
Web3: Noch viele Herausforderungen
Offene digitale Identitätsprotokolle bieten eine ganze Reihe von potentiellen Vorteilen, darunter etwa eine höhere Sicherheit, Autonomie und Übertragbarkeit von digitalen Vermögenswerten. Die Akzeptanz unter durchschnittlichen Nutzern ist allerdings immer noch begrenzt. Das liegt an der begrenzten Anzahl an Anwendungsfällen im Bereich Web3-ID sowie an der technischen Komplexität.
Eine der größten Herausforderungen, die Web3 überwinden muss, ist der sogenannte "Mom-Test". Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie einfach eine Mutter eine Software verwenden kann. In dieser Hinsicht wird die Nutzbarkeit und die Nutzererfahrung bewertet.
Um also die Massenakzeptanz zu fördern, ist es wichtig, die Benutzererfahrung zu verbessern und Software zu entwickeln, die nicht nur benutzerfreundlicher ist, sondern auf die auch nahtlos zugegriffen werden kann.
Abschließende Gedanken
Aktuellen Web3-Anwendungen fehlt es an Standards für eine Massenakzeptanz. Das Potenzial war noch nie so groß, wie derzeit mit dem Aufstieg von dezentralen digitalen Identitäten und den Fokus auf benutzerfreundliche Schnittstellen.
Die Zukunft der digitalen Identität ist sehr vielversprechend. Sei es durch die Schaffung neuer Systeme oder die Verbesserung von bestehenden Systemen: In diesem Bereich kann man in den nächsten Monaten mit beträchtlichen Fortschritten rechnen.
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