IWF über digitales Geld: Netzwerkeffekt könnte Einführung beschleunigen

Der Internationale Währungsfonds hat erklärt, dass ein Netzwerkeffekt eine Masseneinführung von neuen digitalen Währungen beschleunigen könnte.

In einem neuen Bericht, der am 15. Juli veröffentlicht wurde, will der IWF einen konzeptionellen Rahmen für die Kategorisierung neuer digitaler Währungen, wie Facebooks Libra und Stablecoins, schaffen, und sich auch über die Auswirkungen von diesen auf die Zentralbankpolitik Gedanken machen.

In der IWF-Analyse zum E-Geld - unter anderem fallen darunter auch Blockchain-basierte Vermögenswerte - nannte der IWF sechs Faktoren, die deren rapides Wachstum im Zahlungsverkehr angetrieben haben könnten: Komfort, allgegenwärtige Verfügbarkeit, Komplementarität, niedrige Transaktionskosten, Vertrauen und Netzwerkeffekte. Im Bericht heißt es:

"Die ersten fünf Gründe könnten der Funke sein, der das Feuer des E-Geldes entfacht. der sechste ist der Wind, der das Feuer verbreiten könnte. Die Macht des Netzwerkeffekts zur Verbreitung der Einführung neuer Dienste sollte nicht unterschätzt werden."

Um seine Behauptungen zu untermauern, verweist der IWF auf den raschen Wechsel von der E-Mail zur SMS und von der SMS zu Social Messaging-Plattformen wie Whatsapp. Dabei stellte er fest, dass die Akzeptanz dieser Plattformen exponentiell schneller war als die anfängliche Umstellung auf die E-Mail. Die 1,5 Milliarden Nutzer dieser Kommunikationsart seien zudem eher auf Mundpropaganda als auf formale Marketingstrategien zurückzuführen.

Der IWF erstellt auch eine Taxonomie, in der er seine Sichtweise auf den florierenden Sektor des digitalen Geldes darlegt und insbesondere das Grundprinzip der Dezentralisierung der Blockchain-Industrie als einen der wichtigsten klassifikatorischen Parameter nimmt:

 "Geldbäume." Eine Taxonomie zum digitalen Geld. Quelle: IMF 

In einem Teil seiner Analyse spricht der IWF auch über digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) und schlägt hier einen hybriden Ansatz vor. Dieser könnte im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft entwickelt werden, womit der hypothetische Vermögenswert eine synthetische CBDC (sCBDC) wäre. 

Eine Zentralbank hätte eine begrenzte Verantwortung für einen potenziellen sCBDC und würde die Abwicklung übernehmen sowie E-Geld-Anbietern den Zugang zu seinen Reserven geben. Diese Anbiete wären wiederum gut reguliert. Diese hybride sCBDC könnte die Vorteile des Privatsektors bei der Innovation und Interaktion mit den Verbrauchern genießen, während die Partnerschaft mit der Zentralbank das Vertrauen und die Effizienz gewährleistet, so der Bericht. Der IWF erklärte abschließend:

"Vieles liegt in den Händen von Zentralbankern, Regulierungsbehörden und Unternehmern [...], aber eines ist sicher: Innovation und Wandel werden das Bank- und Geldwesen, wie wir sie kennen, wahrscheinlich verändern."

In diesem Frühjahr sagte die IWF-Geschäftsführerin Christine Lagarde, dass Blockchain-Innovatoren die traditionelle Finanzwelt erschüttern und klare Auswirkungen auf die etablierten Branchengrößen haben würden. Zuvor hatte sie eingeräumt, dass die Organisation in Zukunft möglicherweise eine eigene digitale Währung herausgeben könnte.