Finanzdienstleistungsriese und 15 Banken testen DLT-Projekt für Kreditderivate

Der globale Infrastrukturriese für den Nachhandelsmarkt The Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) beginnt nun die Testphase für seine neue Plattform namens Trade Information Warehouse (TIW). Das ist eine Plattform für die Lagerung von Handelsinformationen, die auf Basis von Distributed Ledger-Technologie (DLT) funktioniert. Das geht aus einer Pressemitteilung vom 6. November hervor.

Das Lager von DTCC bietet Dienstleistungen im Bereich Ereignisverarbeitung für rund 98 Prozent aller Kreditderivat-Transaktionen auf dem globalen Markt an. Berichten zufolge arbeitet der Infrastrukturanbieter nun mit fünfzehn weltweit führenden Banken zusammen. Dabei wird seine neue DLT-basierte Lagerumstrukturierung getestet.

Beim Konzeptnachweis (PoC) von DTCC aus dem Jahr 2016 wurden noch unter anderem die Bank of America, Citi, Credit Suisse und JPMorgan als Teilnehmer genannt. In der heutigen Mitteilung wird lediglich die britische Bank Barclays explizit genannt, während die übrigen 14 Teilnehmer nicht namentlich genannt wurden.

Laut Pressemitteilung umfasst der Test simulierte Anwendungsfälle und Interaktionstests zwischen Systemen, Unternehmen und Plattformen anderer großer Infrastrukturanbieter. Darunter sind zum Beispiel MarkitSERV und dessen neue Kreditplattform "TradeServ".

Lee Braine, aus der leitenden Technologieabteilung bei Barclays, hat erklärt, dass die Initiative von DTCC und dessen Partner die "Distributed-Ledger-Technologie nachweisbar zum Leben erwecken wird, damit die Effizienz verbessert und die Kosten und Risiken für die Branche reduziert".

Die Mitteilung gibt einen Einblick in die Rollen und Technologien der Projektpartner. Es heißt darin, dass ein Konsortium, das aus IBM, Axoni und R3 besteht, die Funktionalität des Lagers über einen Zeitraum von 18 Monaten mit DLT- und Cloud-Diensten "neu programmiert" hat.

IBM soll die Leitung des Projekts übernehmen und "Programmmanagement, DLT-Expertise und Integrationsdienstleistungen" anbieten; Das unternehmensorientierte Blockchain-Start-up Axoni soll DLT-Infrastruktur und Smart Contract-Anwendungen zur Verfügung stellen, die auf dem Blockchain-Protokoll AxCore basieren; und das Blockchain-Konsortium R3 fungiert als "Lösungsberater".

In der Mitteilung von DTCC wird auch das Ausmaß der Präsenz des Infrastrukturanbieters in der globalen Finanzindustrie aufgezeigt: Bis 2017 haben die DTCC-Tochtergesellschaften "Wertpapiertransaktionen im Wert von mehr als 1,61 Billiarden US-Dollar (rund 1,4 Billiarden Euro) verarbeitet". Außerdem biete ihre Depotbank Depot- und Vermögenswertdienstleistungslösungen aus "131 Ländern und Gebieten im Wert von 57,4 Billionen US-Dollar (50,1 Billionen Euro)" an.

Darin heißt es weiter, dass der globale Handelsdepotdienst der DTCC, der Global Trade Repository Service, wöchentlich rund 40 Millionen offene außerbörsliche Positionen verwalten und über seine lizenzierte Handelsdepotgruppe monatlich über 1 Milliarde Kommunikationen verarbeitet.

Wie im Oktober berichtet, ergab eine kürzlich von der DTCC durchgeführte Studie, dass die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) nun so skalierbar ist, dass sie das tägliche Handelsvolumen des US-Aktienmarktes unterstützen könnte. Die 19-wöchige Studie, die in Zusammenarbeit mit Accenture und R3 durchgeführt wurde, wies Berichten zufolge nach, dass DLT in der Lage ist, das Volumen eines gesamtes Handelstages in der Zeit zu unterstützen, in der das Aufkommen am höchsten ist. Dieses Volumen kann täglich bis zu 115.000.000 Transaktionen oder fünf Stunden hintereinander 6.300 Transaktionen pro Sekunde betragen.