Expert Take: Warum der Kryptowährungsmarkt so schwankt

In unseren Expert Takes äußern Meinungsführer innerhalb und außerhalb der Kryptoindustrie ihre Ansichten, teilen ihre Erfahrungen und geben professionelle Ratschläge. Unsere Expert Takes decken alle Bereiche der Krypto-Industrie ab. Von Blockchain-Technologie und ICO-Finanzierung bis hin zur Versteuerung, Regulierung und Akzeptanz von Kryptowährungen in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft.

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Letztes Jahr hatte der Aktienmarkt so wenig Schwankungen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Händler, die früher von Kursschwankungen profitiert haben, lassen nun Computer ihre Arbeit machen. Diese arbeiten mit Hochfrequenz-Handelsalgorithmen, die in Millisekunden handeln. Auf der Wall Street werden Menschen zunehmend durch Maschinen ersetzt. Dennoch können die Kursbewegungen eines Monats auf den Kryptowährungswährungsmärkten die Schwankungen von vier Jahren auf dem Aktienmarkt abdecken.

Erfahrene Kryptowährungsinvestoren wissen, dass das stimmt. Aber warum genau schwankt diese Klasse von Vermögenswerten mehr als jeder andere liquide Vermögenswert auf dem Markt?

1. Kein spezifischer Wert

Kryptowährungen verkaufen keine Produkte, machen keinen Umsatz oder haben tausende von Mitarbeitern und haben dennoch unternehmensgroßen Werte. In der Regel gibt es von diesen keine Dividenden und nur ein kleiner Teil des Gesamtwertes des Währung geht in die Bildung einer solchen. Daher ist der Wert nur schwer zu ermitteln. Woher wissen wir, ob eine Kryptowährung überkauft oder überverkauft ist? Wann ist der Wert angemessen und wann zu teuer? Ohne eine Grundlage für diese Informationen, kann man sich nur nach der Stimmung auf dem Markt richten, die oft durch Medien diktiert wird. Diese wiederum machen Geld durch ihre Leser oder Zuschauer.

2. Fehlende regulatorische Aufsicht

Kryptowährungen sind ein weltweites Phänomen. Regierungen greifen in der Industrie zwar hart durch, aber die Regulierung steckt trotzdem noch in den Kinderschuhen. So eine beschränkte Regulierung ermöglicht Marktmanipulationen, die wiederum Schwankungen verursachen und institutionelle Investoren verunsichert. Denn bei großen Geldmengen gibt es keine Garantie dafür, dass das Kapital vor solchen Handlungen wirklich gesichert oder zumindest geschützt ist.

3. Fehlendes institutionelles Kapital

Es ist einerseits nicht zu leugnen, dass einige sehr große Risikokapital-Unternehmen, Hedge Fonds und sehr vermögende Einzelpersonen in Hinsicht auf Kryptowährungen sowohl Fans als auch Investoren sind. Andererseits beobachten die meisten potenziellen institutionellen Investoren das Geschehen lieber erst einmal noch von Außen. Zu der Zeit, als dieser Artikel verfasst wurde, ist das Interesse an einem Krypto-ETF oder Investmentfond nur begrenzt. Die meisten führenden Bänker geben zwar zu, dass es in diesem Raum eine gewissen Validität gibt, aber bedeutende, öffentliche Kapitalanlagen oder Beteiligungen stehen noch aus. Es gibt verschiedene Arten von institutionellem Kapital. Ein Beispiel dafür wäre ein großer Handelstisch, da ein solcher das Potenzial hat, eine Effizienz zu schaffen und die Marktschwankungen zu mildern. Ein weiteres Beispiel wäre ein langfristiger Investmentfond im Namen der Investoren.

4. Dünne Skontrobücher

Kryptoinvestoren lernen, dass sie niemals Coins auf einer Börse lassen sollten, die gehackt werden könnte. Folglich befindet sich der Großteil des Handelsangebots nicht im Skontrobuch der Börse, sondern in Wallets außerhalb der Börse. Im Gegensatz dazu werden die Transaktionen für fast alle Handelsaktien eines öffentlich gelisteten Unternehmens auf einer einzigen Börse durchgeführt. Eine große Marktbestellung kann sich auf dem Weg nach oben oder unten kurz in die Skontrobücher einer Börse verirren, was eine "Verzögerung" verursacht. Wir haben ein übertriebenes Beispiel davon beim GDAX Ether Blitzcrash gesehen, aber weniger extreme Variationen davon passieren täglich. Da große Händler die Möglichkeit haben, den Markt in eine bestimmte Richtung zu lenken und diese Fähigkeit taktisch nutzen, steigt die Volatilität.

5. Langfristig gegen kurzfristig

Wenn man in etwas investiert und das Geld erst mit 60 Jahren herausholen möchte, ist man wohl weniger besorgt darüber, wie sich der Kurs des Investments täglich oder sogar jährlich entwickelt. Daher wird man mit diesem wahrscheinlich nicht handeln. Kryptowährungen können nicht als Altervorsorge gekauft werden und sind in der Regel für Einzelhändler und Finanzberater nicht verfügbar. Somit ist ein ganzes Ökosystem von Investoren außen vor. Damit bleiben uns nur noch die frühen Nutzer, die kein Problem mit der technologischen Hürde haben, mit Wallets und webbasierten Plattformen zu arbeiten. Dieselben, die die Blockfolios alle 10 Minuten aktualisieren, sich in die Arme fallen, wenn die Coins in die Höhe schießen und panisch werden, wenn der Kurs fällt. Das sind dieselben Leute, die nicht die Disziplin haben zu kaufen und langfristig zu halten. Daher tragen sie zu den panischen Verkäufen oder FOMO-Käufen bei.

6. Herdenmentalität

Krypto ist größtenteils ein Phänomen unter Millenials, die der Regierung misstrauen, Technologien früh anwenden und nichts von den Investmentgewinnen hatten, die im letzten Jahrzehnt durch steigende Immobilienpreise und Aktienkurse verdient wurden. Doch die meisten Millenials haben nicht die Erfahrung mit Langzeit-Investments ihrer reiferen Gegenspieler aus einer anderen Generation. Sie neigen auch dazu, weniger Einkommen zur Verfügung zu haben. Das ist der schlechten Arbeitswirtschaft in der Vergangenheit und weniger Zeit im Berufsleben geschuldet. Diese Kombination von Faktoren hat mehrere Folgen; ein Risikohunger in der Hoffnung, das große Geld zu machen und einen Großteil ihres Kapitals in riskanten Anlagegegenstände zu investieren. Darunter fällt auch der Kauf von solchen Investments auf Kredit. Wenn der erste Markt einstürzt, ist das Geld, das sie buchstäblich nicht verlieren dürfen. Daher werfen sie solche Aktien beim kleinsten Anzeichen von Ärger direkt ab. Da das ein Reaktionsverhalten ist, verlieren sie in der Regel ihr Geld, bevor sie aus dem Markt aussteigen. Wenn der Markt in die Höhe schießt, machen sie Käufe mit dem Geld, das sie nicht haben. Als Gruppe gesehen, scheint das massenkoordiniert zu sein. Doch das ist lediglich die Motivation von vielen einzelnen Personen, die in eine Herdenmentalität ausarten. Wenn man dieses Verhalten mit den Schwankungen durch die großen "Wale" in einem Markt mit wenig Handel in Verbindung bringt, hat man einen Synergieeffekt.

Wann die Schwankungen weniger werden

Mit der Zeit können wir mehr Regulierung, eine größere Investorenvielfalt und mehr beim Ausblick auf den Kryptomarkt erwarten. Wir können auch einen größeren Nutzwert erwarten, wenn Händler einen besseren Weg finden, Kryptowährungen zu akzeptieren. Auch die Technologie hinter den Transaktionen wird sich verbessern. Die Volatilität könnte weniger werden und wir können auch einen schrittweisen doch beständigen Wertanstieg des Kryptowährungsmarkts insgesamt erwarten. Auf die gleiche Weise, wie der Aktienmarkt Platz für Langzeit-Investoren gemacht hat, werden das auch die Kryptomärkte tun. Zumindest scheint es so, als ob die Kryptomärkte etwas sind, das für eine längere Zeit da sein wird.

Die Ansichten und Interpretationen in diesem Artikel sind die des Autors und stellen nicht zwangsläufig die Ansichten von Cointelegraph dar.