ING DiBa: Banken scheuen Zusammenarbeit mit Facebook Libra

Banken könnten sich eventuell dazu gezwungen sehen, nicht mit Facebook im Rahmen der geplanten Kryptowährung Libra zusammenzuarbeiten, wie der Geschäftsführer der Direktbank ING meint.

Banken sehen sich dem Schutz des Finanzsystems verpflichtet

Die entsprechenden Äußerungen von ING Geschäftsführer Ralph Hamers greift die Financial Times am 22. Oktober auf. So meint Hamers, dass Banken dazu verpflichtet wären, das Finanzsystem vor illegalen Aktivitäten zu schützen, weshalb sich die Finanzinstitute ggf. dazu entschließen könnten, eine etwaige Zusammenarbeit mit Facebook Libra aufzukündigen. Dahingehend erklärt Hamers:

„Wir können dazu verschiedene Maßnahmen ergreifen und den betreffenden Kunden [Facebook] rausschmeißen oder gar nicht erst annehmen.“

Banken sind eher risikoscheu

Bei den illegalen Aktivitäten, die durch Facebook Libra begünstigt werden könnten, handelt es sich in erster Linie um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Die große Sorge besteht dabei besonders darin, dass kriminelle Personen mit Libra problemlos grenzübergreifende Zahlungen tätigen und Geld so von einem Land ins andere schleusen könnten.

Facebook hat allerdings wiederholt betont, dass die firmeneigene Kryptowährung nicht auf den Markt kommen soll, solange die Bedenken von Politik und Aufsichtsbehörden noch nicht ausgeräumt sind. Dies würde wohl auch dem Bankenwesen entgegenkommen, denn wie Hamers meint, sind Banken generell eher risikoscheu:

„Finanzinstitute wie wir sind in der Regel sehr groß und behördlich beaufsichtigt, weshalb wir lieber keine Risiken eingehen wollen […]. Wir haben aber auch gesagt, dass wir abwarten werden und den Fortschritt [von Facebook Libra] weiter beobachten.“

Andere Bänker haben sich bisher sogar noch kritischer gegenüber Facebook Libra geäußert als es der ING Geschäftsführer tut. So meinte der JPMorgan Geschäftsführer Jamie Dimon letzte Woche, dass Libra zwar „eine tolle Idee ist“, die aber „niemals umgesetzt wird“. Hamers sieht in Libra immerhin ein interessantes Projekt, das nicht verboten werden sollte und von dem es zu lernen gilt.

Wie Cointelegraph zuletzt berichtet hatte, zeigt sich nun auch Indien, einer der großen angepeilten Märkte für das Krypto-Projekt, kritisch, was eine Einführung von Libra angeht.