CFTC-Vorsitzender: Blockchain hätte bessere Echtzeitreaktion bei Finanzkrise 2008 bewirkt

Christopher Giancarlo, der Vorsitzende der US-Handelskommission für Rohstoff-Futures (CFTC) hat gesagt, dass Blockchain den Regulierungsbehörden eine bessere Echtzeitreaktion auf den globalen Finanzcrash im Jahr 2008 ermöglicht hätte, wenn man sie zu diesem Zeitpunkt verwendet hätte. Diese Aussage machte Giancarlo bei einer Rede im Rahmen des vierten jährlichen DC Blockchain-Gipfels in Washington D.C. am 6. März.

In seiner Rede griff Giancarlo auf seine persönlichen Erfahrungen als ausführender Vizepräsident beim Broker-Riesen GFI Group zurück. Dieses Unternehmen habe im Jahr 2008 laut Giancarlo eine der weltweit größten Handelsplattformen für Kreditausfallversicherungen (CDS) betrieben. Dieses sei "damals das Epizentrum des systemischen Risikos" gewesen. Er erinnerte an die Panik und Unordnung auf dem GFI-Brokerparkett, als die globale Kreditkrise außer Kontrolle geriet:

"Ich erinnere mich an einen Anruf einer US-Bankenaufsicht, die nach dem CDS-Handelsrisiko mehrerer Großbanken, darunter Lehman Brothers, fragte. Tatsächlich verschlechterten sich die Handelsbedingungen von Stunde zu Stunde. Abgesehen von Telefonanrufen, hatten die Regulierungsbehörden nur wenige Mittel und Wege, um alle Gefahrensignale zu lesen, die die CDS-Märkte ausstrahlten."

Die Blockchain-Technologie, so Giancarlo, hätte eine "wertvolle Aufzeichnung der Echtzeit-Ledger aller regulierten Handelsteilnehmer" geliefert und die Art und Weise verändert, auf der die Regulierungsbehörden verzweifelt darum kämpften, die Ordnung auf den Märkten auf dem Höhepunkt eines systemischen Versagens aufrechtzuerhalten.

Bevor es verteilte Echtzeit-Ledger gab, seien die Regulierungsbehörden gezwungen gewesen, "stückweise Daten zusammenzustellen, um komplexe, individuelle Handelsportfolios neu zu erstellen", sagte er. Sie hätten auch manuell Brokerfirmen, wie etwa GFI, anrufen müssen, um Marktinformationen zu erhalten. Er erklärte außerdem:

"Was für einen Unterschied hätte es vor zehn Jahren gemacht, wenn die Blockchain-Technologie die Informationsgrundlage für die Derivaterisiken der Wall Street gewesen wäre. Zumindest hätte das sicherlich weitaus schnellere, besser informierte und abgestimmtere regulatorische Eingriffe ermöglicht anstelle dieser unorganisierten Reaktion, die wir letztendlich leider gesehen haben."

Giancarlo sagte auch, dass Blockchain in Verbindung mit "modernen kognitiven Rechner-Funktionen" es den Regulierungsbehörden ermöglicht hätte, schnell die Muster und Warnsignale zu erkennen, die ein erhöhtes Risiko von Bankausfällen anzeigten. Darunter beispielsweise solche Signale, wie "Anomalien in der marktweiten Handelstätigkeit und divergierende Gegenparteirisiken".

Diese technologisch bessere Einsicht, so behauptet er, hätten ersichtlich gemacht, dass "der Nominalwert von 400 Mrd. US-Dollar (356 Mrd. Euro) an ausstehenden Kreditausfallversicherungen, die auf Lehman Brothers abgeschlossen wurden, weniger als 8 Mrd. US-Dollar (7,1 Mrd. Euro) an Nettomarktrisiko entsprechen, dass das Unternehmen scheitert".

Wie berichtet, hat der ehemalige Vizepräsident für das nordamerikanische Investmentbanking bei JPMorgan Chase Giancarlos Kommentare aufgegriffen. Er kam ebenfalls aus eigener Erfahrung zu dem Schluss, dass Blockchain "der Schlüssel zur Vermeidung der nächsten globalen Finanzkrise sein könnte".