Mitgründer des Fraunhofer Blockchain-Labors: Bitcoin bleibt eine Spekulation

Prof. Dr. Nils Urbach, Professor für Wirtschaftsinformatik und Strategisches IT-Management an der Universität Bayreuth und Mitgründer des Fraunhofer Blockchain-Labors, hat sich in einem Interview vom 14. September in “Der Aktionär” zu Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie geäußert und dabei Kryptowährungen als Spekulation eingestuft.

Der Wirtschaftsinformatiker sagte zwar, er glaube nicht, dass “Banken durch Blockchain und Kryptowährungen signifikant an Relevanz verlieren werden”, weil der Zahlungsverkehr nicht deren größtes Geschäft sei. Trotzdem glaubt er, dass Kryptowährungen eine Zukunft haben werden, auch wenn es vielleicht nicht die aktuell dominierenden Digitalwährungen sein werden. Dem Aktionär sagte Urbach:

“Derzeit werden Kryptowährungen in aller Regel ja nicht als Zahlungsmittel genutzt. Der Bitcoin hat sich mehr zu einem Wertaufbewahrungsmittel entwickelt und man spricht ja nicht ohne Hintergedanken immer wieder vom „digitalen Gold“. Unternehmen würden dieses Zahlungsmittel aktuell nicht nutzen, weil es aufgrund der fehlenden Regulierung keine Geldwertstabilität aufweist. Eine regulierte Kryptowährung würde vor diesem Hintergrund eine große Chance für die unternehmerische Nutzung darstellen.”

Gefragt danach, ob er aufgrund der aktuell im Vergleich zum Allzeithoch von fast 20.000 US-Dollar sehr stark gefallenen Preise momentan investieren würde, sagte der Blockchain-Experte:

“Aktuell bin ich eher zurückhaltend hinsichtlich Investments in Kryptowährungen. Die Kurse der meisten Kryptowährungen bewegen sich ja aktuell eher seitwärts. Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir in naher Zukunft erneut eine solche Kursexplosion wie im letzten Jahr sehen werden.“

Für die Blockchain-Technologie selbst sieht Urbach viele Einsatzgebiete. Sie sei grundsätzlich in allen Branchen einsetzbar, wobei sich aktuell einige Bereiche von besonderer Bedeutung herauskristallisierten. Neben dem Finanzbereich nannte Urbach die Logistikbranche als Beispiel, in der “aktuell zahlreiche Anwendungsfälle diskutiert und bereits umgesetzt” würden.

Viele Unternehmen wie “die großen Banken, Versicherer, Logistikunternehmen und Energiedienstleister” seien zudem bereits beim Thema Blockchain aktiv, und ebenso alle großen Technologieunternehmen. IBM zeige aktuell wegen seiner sehr aktiven Rolle im Hyperledger-Konsortium die “größte Sichtbarkeit.”