Daten, Sicherheit, Versicherungen: Wie Blockchain die Gesundheitsindustrie verändert

Dass auch die Gesundheitsbranche von Blockchain-Technologien profitieren kann, wurde bereits wiederholt bewiesen und immer neue Startups schießen 2018 aus dem Boden. Am Montag, den 9. April erst wurde berichtet, dass eine deutsche Beratungsfirma an einer Blockchain-basierten Lösung für die Handhabung sensibler medizinischer Daten arbeitet. Ein wichtiger Industriespieler in den USA wagte bereits eine Woche zuvor einen Vorstoß mit Blockchain.

Was genau kann Blockchain bieten? Eine ganze Menge: verbesserte Sicherheit, effektive Distribution von Informationen zwischen beteiligten Parteien, anonyme Datensammelstellen für Forschungsunternehmen und eine neue Möglichkeit, Arzneimittelfälschungen zu bekämpfen. 

Fragmentierung

Die Gesundheitsbranche ist eine Industrie, in welcher Patienteninformationen für diversen Parteien wichtig sind und zwischen diesen hin und her transferiert werden müssen. Dazu zählen private oder öffentliche Krankenhäuser oder Kliniken, Allgemeinmediziner und Labore. Daher ist das ultimative Ziel, den Entitäten einen einfachen und sicheren Zugang auf diese Informationen zu ermöglichen.

MedRec

Im Jahr 2016 führte John Halamka, der Leiter für Informationen am Beth Israel Deaconess Medizinzentrum in Boston, gemeinsam mit einer Gruppe von Forschern des MIT ein Blockchain-basiertes Projekt zur Entwicklung eines bequemen Lagersystems für Patienteninformationen durch. Das Projekt trug den Namen MedRec.

MedRec basiert auf Ethereums Smart Contracts und vernetzt alle beteiligten Gesundheitsdienstleister, die so auf einfache Art und Weise ihre Daten miteinander teilen können. Lediglich die Patienten können allerdings verschlüsselt unterschriebene Smart Contracts auf der Blockchain speichern und so sicherstellen, dass sie die volle Kontrolle über die Handhabung ihrer medizinischen Historie behalten.

"Unser System bietet den Patienten ein umfangreiches, unveränderbares Protokoll und einfachen Zugriff auf ihre medizinischen Informationen unabhängig vom Anbieter und Behandlungsort", heißt es in dem White Paper des Projekts.

So ermöglicht MedRec, dass Gesundheitsdienstleister jederzeit auf Patientendaten zugreifen können, solange die Blockchain besagte Instruktion vom Patienten erhalten hat und der Zugang freigeschaltet ist. Darüber hinaus kann die Blockchain weitere explizite Befehle des Patienten ausführen und so beispielsweise Rezepte an eine Apotheke oder einen Spezialisten weiterleiten.

Medicalchain

Auch das Londoner Startup Medicalchain befasst sich mit der Implementation von Blockchain-Technologien, um die Datenspeicherung von Patienteninformationen zu verbessern. Verschiedene Institutionen wie Doktoren, Krankenhäuser, Labore oder Versicherer können Zugang auf Patientenakten anfordern und ihren Leistungen auf einem eingebauten Ledger anbieten und Transaktionen speichern.

Mit Medicalchain können sich Mediziner selbst für die Behandlung von Patienten eintragen, indem sie integrierte Anwendungen nutzen. So kann auf sichere und zuverlässige Art nach Medizinern gesucht werden, welche zuvor verifiziert werden und ihre Lizenz überprüfen lassen müssen. Mo Tayeb, der Mitgründer von Medicalchain, gab gegenüber Cointelegraph zu Protokoll:

"Blockchain-Technologie ist so weit, den Management-Style im Gesundheitswesen für immer zu verändern. Blockchain ermöglicht es, dass Kliniken und Patienten sich gleichermaßen darauf verlassen können, dass die medizinischen Aufzeichnungen immer genau und aktuell sind, da der distributed Ledger eine unbestechliche, ehrliche Version der Daten garantiert, auf die zu jedem Zeitpunkt zugegriffen werden kann. Eine unbestreitbare einzige Version der Wahrheit ist mit den heutigen Systemen und Infrastrukturen nicht erreichbar. "

Ähnlich wie MedRec benutzt Medicalchain eine genehmigte Blockchain, um eine extra Sicherheitsschicht um die Patientendaten zu legen. Tayeb erklärt: "Durch die Verwendung von Hyperledger bietet Medicalchain seinen Patienten die Möglichkeit, die Berechtigungen für ihre Gesundheitsakten zu kontrollieren - wer auf sie zugreifen kann, welche Informationen freigegeben werden und wie lange. Außerdem können die Mitarbeiter auf die Integrität der Krankenakten vertrauen, da Patienten diese zwar einsehen können, aber lediglich zertifizierte und verifizierte Mediziner eine Zugangsberechtigung erhalten, die sowohl die Einsicht als auch das Hinzufügen von Daten ermöglicht."

UnitedHealth Group

Im April 2018 hatte der US-amerikanische Gesundheitsgigant die UnitedHealth Group, welche zurzeit Platz sechs im nationalen Fortune-500-Ranking belegt, seine Partnerschaft mit anderen Industriespielern angekündigt, um mit Hilfe von Blockchain und der Tochterfirma Optum seine Akten auf den neusten Stand zu bringen. Laut der US-Regierung leiden 50 Prozent der Arztverzeichnisse in den Vereinten Staaten unter inkorrekte Informationen. Ein gemeinschaftliches Statement verkündet:

"Branchenschätzungen zufolge werden jährlich 2,1 Milliarden US-Dollar für das Gesundheitssystem aufgewendet, um die Daten der Anbieter zu verfolgen und zu pflegen. Das Pilotprojekt wird untersuchen, wie der Austausch von Gesundheitsdaten über eine Blockchain deren Genauigkeit verbessern, die Verwaltung optimieren und den Zugang zur Gesundheitsleistungen verbessern kann."

"Dies ist vermutlich eine der ersten landesweiten Gesundheit-Blockchain-Allianzen", kommentierte Optums leitender Ingenieur, der angesehener Mike Jacobs die Partnerschaft. "Das Gesundheitswesen fängt grade erst damit an zu begreifen, wie die Technologie angemessen zu nutzen ist."

Camelot Consulting Group

Auch die Deutschland-basierte Beratungsfirma Camelot hat im April eine Blockchain-basierte Lösung