Ethereum-Code-Editor tritt wegen rechtlicher Bedenken bei Ledger-Modifizierung zurück

Ethereum-Code-Editor Yoichi Hirai hat seine Position aufgrund persönlicher Bedenken aufgegeben. Er zeigte sich besorgt darüber, dass ein Ethereum Improvement Proposal (Ethereum-Verbesserungsvorschlag, kurz: EIP) zu einem standardisierten Format für die Rückgewinnung von verlorenem Geld möglicherweise gegen das japanische Gesetz verstoßen würde.

Hirai hat seinen Rücktritt in einem Tweet bekannt gegeben und auch eine dramatische Erklärung seiner Gründe für den Rücktritt auf Github veröffentlicht:

"Mein Blutdruck ist höher, seit ich diesen Entwurf gesehen habe. Ich schlafe nicht gut. Meine Familie sagt, dass ich geistig abwesend sei. Ich glaube, das sind Anzeichen dafür, dass ich nicht für die Aufgaben bei der EIP-Redaktion bereit bin. Ich trete als EIP-Redakteur zurück."

Der Musikonomi-Entwickler Dan Phifer und zwei Entwickler des Start-Up-Unternehmens TapTrust haben den Vorschlag gemacht, auf den Hirai anspielt. Dieser soll eine Lösung für eine einfachere Änderung der Ethereum-Blockchain bieten, mit der Adressbilanzen im Fall von Geldverlust neu verteilt werden könnten.

Ein Hackangriff auf den Parity Ethereum Client letzten Juni hat dazu geführt, dass Musiconomi seine Ether-Coins verloren hat. Diese stammen aus einer Crowdfunding-Kampagne und es konnte nicht mehr darauf zugegriffen werden, als Parity ihre Multi-Sig-Wallets eingefroren hat. Der Vorschlag von Phifer würde es erlauben, solche verlorenen Gelder auf der Ethereum-Plattform im Falle eines ähnlichen zukünftigen Hackangriffs zurückzubekommen.

Hirais Hauptproblem mit dem Vorschlag ist, dass es einen Konflikt mit dem japanischen Strafgesetz gibt. Demnach steht die "Unzulässige Erzeugung elektromagnetischer Datensätze" unter Strafe. Er schreibt auf Github, dass er nicht der Meinung sei, dass "jemand die Befugnis hat, eine außerordentliche Zustandsänderung vorzunehmen", weil er glaubt, dass Ethereum-Nutzer von dem EIP-Prozess nichts wissen bzw. diesen nicht genehmigen. Daher möchte er nicht, dass nicht demokratisch gewählte EIP-Führer derartige Regeln für Ethereum-Nutzer machen.

Hirai fügt hinzu, dass er der Meinung sei, dass der Vorschlag "der Ethereum-Philosophie widerspricht", weil Ethereum gemacht wurde, um "einzelne Fehlerpunkte und ein Vertrauensbedürfnis" zu vermeiden. In einem späteren Kommentar ergänzte Hirai, dass er die Ethereum-Philosophie einfach ignorieren könnte, aber dass er Verstöße gegen das Strafgesetz nicht ignorieren könne.

Der Softwareingenieur Afri Schoedon, der auch bei Ethereum im Bereich Community Management und bei Parity für technische Kommunikation zuständig ist, hat sich deutlich für Phifers Vorschlag ausgesprochen. Als Reaktion auf Hirais negative Kommentare über den Vorschlag zu Github, twitterte Schoedon, Hirai solle als EIP-Redakteur zurücktreten:

Hirai reagierte direkt auf den Rücktrittsaufruf und twitterte, dass sein Rücktritt signalisieren würde, dass er anderen Leuten erlaubt, das Strafgesetz zu ignorieren und somit das Gesetz zu brechen. Hirai trat jedoch ca. 10 Stunden nach diesem Tweet tatsächlich zurück.

Hirais Rücktritt über diesen Vorschlag, obwohl er seine persönliche rechtliche Verantwortung als seinen Impuls nennt, wirft Fragen auf. Zum Beispiel die Frage, ob Blockchain im Fall von Hacks oder Fehlern, die zu einem Verlust von Benutzergeldern führen, modifizierbar sein sollte.

Der kürzliche Hackangriff auf Nano bei der BitGrail-Börse verursachte einen Aufruhr in der Kryptowelt. Denn es stellte sich heraus, dass der Bitgrail-Gründer angeblich darum gebeten hatte, den Ledger des Altcoin zu ändern, um die Verluste zurückzuerstatten.

Das größte Beispiel für einen Konflikt über die Bearbeitbarkeit von Blockchain waren die Nachwirkungen des DAO-Hacks. Dabei wurden gestohlene Gelder durch einen Hard-Fork an die rechtmäßigen Besitzer zurücküberwiesen. Dieser Hard-Fork hat allerdings zur Spaltung zwischen Ethereum (ETH) und Ethereum Classic (ETC) geführt. Ethereum Classic ist die ursprüngliche Blockchain, auf der das gestohlene Geld bei den Hackern blieb.

Vitalik Buterin, Mitbegründer von Ethereum, hatte am 14. Februar auf einen Tweet von @whalepool reagiert. Dieser hatte ihn für seine Entscheidung kritisiert, einen Hard-Fork bei Ethereum zu machen. Die Twitter-Reaktion von Buterin darauf lautete: "Rettungs-Forks unter außergewöhnlichen Umständen zu machen, kann eine gute Option für aufkommende Blockchains im Frühstadium sein."

Als Reaktion auf Buterins Tweet hat Greg Maxwell, ehemaliger Bitcoin-Entwickler, auf Reddit gepostet, dass die Ethereum-Betreiber den Hauptaspekt der Hard-Fork-Debatte nicht verstehen:

"Der Aspekt, den sie nicht verstehen? Niemand sollte diese Macht haben. Allein schon die Tatsache, dass man eine Entscheidung treffen kann, bedeutet, dass das System gescheitert ist."