EU-Sozialausschuss: Blockchain darf nicht von „digitaler Elite“ vereinnahmt werden

Es müssen politische Maßnahmen eingeleitet werden, damit das Potenzial der Blockchain-Technologie nicht nur einigen wenigen, sondern der gesamten Gesellschaft zugutekommt.

Dies meint zumindest ein neuer Bericht des Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss (EESC), der sich explizit mit dem Thema Blockchain befasst. Der EU Reporter hatte am 1. August die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Blockchain erinnert an bahnbrechende Innovationen

In den Anmerkungen zum Bericht fordert der EESC die Institutionen der EU dazu auf, vermehrt zivilgesellschaftliche Organisationen in die Blockchain-Initiativen der Europäischen Union einzubinden, darunter insbesondere die EU Blockchain-Aufsicht und die Europäische Blockchain-Partnerschaft.

Diese Forderung begründet der Sozialausschuss mit der Feststellung, dass eine erfolgreiche Einführung der Blockchain-Technologie nicht nur auf technologischen Faktoren reduziert werden darf, da es sich dabei gleichermaßen um eine „echte bahnbrechende soziale Innovation“ handelt, wie es in dem Bericht heißt.

EESC-Mitglied Giuseppe Guerini sieht in der Blockchain viel mehr als nur ein Vehikel für Kryptowährungen und hebt die Technologie stattdessen sogar auf eine Stufe mit den wichtigsten Innovationen der Menschheitsgeschichte:

„Wir können das mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichen. Das erste Buch, das jemals gedruckt wurde, war eine Bibel. Jetzt stellen Sie sich mal vor, man hätte den Buchdruck von da an nur noch mit dem Drucken von Bibeln in Verbindung gebracht. Das wäre fatal gewesen, da der Buchdruck das Leben in Europa grundsätzlich revolutioniert hat.“

„Digitale Spaltung“ der Gesellschaft soll verhindert werden

Der Ausschuss sieht für die Blockchain auch im sozialen Bereich viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Kapitalbeschaffung und Spendensammlung für wohltätige Einrichtungen, die Verwaltung sozialwirtschaftlicher Organisationen, Digitalisierung und Verifizierung von Zeugnissen, durch Smart-Contracts gesteuertes Urheberrecht, Landwirtschaft und vieles mehr.

Als entscheidenden Punkt sieht der EESC allerdings, dass schon jetzt politische Maßnahmen ergriffen werden, die eine gleichmäßige gesellschaftliche Verbreitung der Blockchain-Technologie fördern. Dahingehend meint Guerini:

„Wir wollen nicht, dass es zu einer digitalen Spaltung der Gesellschaft kommt, die für noch mehr Ungleichheit und Ungerechtigkeit sorgt. Wir wollen nicht, dass sich eine neue Elite derjenigen Leute bildet, die sich mit den neuen digitalen Technologien auskennen und andere von einer Teilhabe ausschließen.“

Dementsprechend wäre es umso wichtiger, dass die Zivilgesellschaft von Anfang an in den Entwicklungsprozess der Technologie eingebunden wird, damit das demokratische Potenzial der Blockchain nicht verloren geht. Der Ausschuss betont in diesem Zusammenhang, dass es eine koordinierte EU-weite Regulierung braucht, da die Technologie über Landesgrenzen hinweg zum Einsatz kommen wird.

Im Februar 2018 hatte die EU-Kommission bereits die EU Blockchain-Aufsicht gegründet, die damals als wichtiger Schritt zu einer einheitlichen europäischen Blockchain-Strategie aufgefasst wurde.