Experten über Venezuela: Petro ist ein "Nebelvorhang"

Venezuelas nationale, durch Öl gedeckte Kryptowährung, der Petro (PTR), wurde als undurchsichtiger "Stunt" kritisiert, der von einer zentralisierten und verschuldeten Organisation unterstützt wird, wie Wired heute, am 22. August, berichtete.

Inmitten der grassierenden Hyperinflation in der venezolanischen Wirtschaft hat Präsident Nicolas Maduro diese Woche eine umbenannte Fiatwährung - den souveränen Bolívar - eingeführt, der fünf Nullen weniger als sein kränkelnder Vorgänger, der Bolívar Fuerte (VEF), hat.

Die neue Währung wurde wiederum an den Petro geknüpft, der jetzt einen Wert von 60 US-Dollar (51 Euro) oder 3.600 souveränen Bolivar hat. Dieser Plan entwertet den Bolívar (VEF) effektiv von 285.000 pro US-Dollar auf 6 Mio. US-Dollar - ein Rückgang von 96 Prozent.

"Sie haben unsere Kurse dollarisiert. Ich petrolisiere Gehälter und petrolisiere die Kurse", sagte Maduro am Freitagabend im staatlichen Fernsehen. "Wir werden den Petro in die Referenz, die die gesamte Wirtschaftsbewegung verknüpft, umwandeln."

"Ich weiß, wenn man Liebe in Politik verwandelt, können Wunder geschehen", fügte er hinzu. Aber wie Jorge Farias, CEO des venezolanischen Start-up Cryptobuyer, gegenüber Wired erklärte:

"Ein Petro soll 60 US-Dollar oder 3.600 souveräne Bolívars bringen. Er wird angeblich von Öl-Barrel der nationalen Ölgesellschaft PDVSA unterstützt; der Haken daran ist: Die PDVSA hat auch Schulden in Höhe von 45 Mrd. US-Dollar (38,8 Mrd. Euro) Und im wirklichen Leben gibt es den Petro überhaupt nicht - ob er nun Krypto ist oder nicht. Wir haben weder einen einzigen Petro im Umlauf gesehen, noch seine Smart-Contracts oder Regeln des Tokens, und schon gar nicht seine Blockchain."

Roger Benites, CEO der Kryptobörse BitInka aus Lima, sagte, dass er glaube, dass Maduro die Blockchain-Technologie und den Petro als "Nebelvorhang" benutzt, um seine Handlungen oberflächlich von der früheren, gescheiterten Fiat-Redenominierung des ehemaligen Präsidenten Hugo Chavez zu distanzieren.

"Die Situation ist einfach Unsinn, eine Fiatwährung mit einer Kryptowährung zu decken, die an die Öl-Barrel eines Unternehmens gebunden ist, das externe Schulden hat, die sie nicht bezahlen kann", sagte er.

Maduro hat vor kurzem erklärt, dass der Petro als Recheneinheit dienen wird und hat ihn bereits als Allheilmittel für alles Mögliche präsentiert: von Obdachlosigkeit bis hin zur Jugendarbeitslosigkeit. Die Regierung startete im Februar den Vorverkauf des Petro und das ICO hat bereits - mutmaßlich - umgerechnet über 3,2 Mrd. Euro aufgebracht. Wie Dickie Armour von Corre Innovation gegenüber Wired sagte:

"Es mag ein Stunt sein, aber es ist ein Stunt, der funktioniert. Die Frage ist nur: für wen? Präsident Nicholas Maduro und seine Schar? Oder das Volk von Venezuela? Leider wohl eher für die Ersteren."

Zwei andere Regierungen, die unter Sanktion stehen, nämlich Russland und der Iran, haben ebenfalls signalisiert, dass sie die Vorteile der Schaffung einer eigenen staatlichen Kryptowährung in Betracht ziehen.