BAMF: Blockchain kann Asylprozesse verbessern

Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat festgestellt, dass Blockchain ein weitreichendes Potenzial habe, Asylprozesse zu verbessern. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Konzeptnachweis (PoC) wurden die Ergebnisse am 8. März in einem Whitepaper veröffentlicht.

Das Whitepaper wurde vom BAMF herausgegeben und von der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT verfasst.

Der PoC wurde in der ersten Jahreshälfte 2018 vom BAMF, Fraunhofer FIT und einem ungenannten Entwicklungsdienstleister durchgeführt. Bei diesem ging es darum, das Potenzials der Blockchain bei der Unterstützung zweier wichtiger Aspekte im Zusammenhang mit Asylverfahren zu bewerten: Und zwar sind das die Entwicklung zuverlässiger und sicherer digitaler Identitäten und die Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Behörden auf kommunaler, bundesländlicher und Bundesebene.

Für den PoC verwendeten die drei Partner eine private und zugelassene Version einer Ethereum-Blockchain. Dabei wurde ein Proof-of-Authority-Konsensalgorithmus verwendet.

Im Whitepaper heißt es, dass Blockchain manipulationssichere digitale Identitäten für Flüchtlinge ermöglichen könne, die ohne Ausweisdokumente ankommen. Die Grundlage bilden hierbei biometrischen Daten, die zum Zeitpunkt der Erstregistrierung im Aufnahmeland erhoben wurden. Diese unveränderliche Blockchain-Identität würde dann weitere Aspekte des Asylprozesses unterstützen und die einheitliche und sichere Identifizierung jedes einzelnen Asylbewerbers über mehrere Organisationen hinweg gewährleisten.

Die Autoren des Whitepapers behaupten, dass eine robuste Blockchain-Identitätslösung weitreichende positive Auswirkungen im gesamten europäischen Raum haben könnten. Dazu erklärten sie:

"Blockchain könnte der 'digitale Wegbereiter' des europäischen Föderalismus im Asylbereich sein. [...] Eine europäische Plattform für die dezentrale Verwaltung von Asylprozessen [...] würde eine transparente Speicherung des Ortes ermöglichen, an dem eine Person erstmals registriert wurde. [...] Digitale Identitäten sind per se national agnostisch und könnten so die europäische Einheit auf einer grundlegenden Ebene unterstützen."

In dem Whitepaper heißt es weiter, dass Datenschutzgesetze eine zentrale Herausforderung für die Innovation von Blockchain im europäischen Kontext darstellen würden. Das ist eine Anspielung auf die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), ein wegweisender EU-weiter Rechtsrahmen für den Schutz personenbezogener Daten, der im Mai 2018 in Kraft getreten ist.

Dennoch könne man ein Blockchain-gestütztes Asylsystem so gestalten, dass es DSGVO-konform sei, so das Whitepaper.  

Im Herbst 2018 veröffentlichte Cointelegraph eine Analyse, bei der untersucht wurde, welche potenziellen Vorteile die Blockchain für belastete Einwanderungssysteme weltweit bringen könnte.