Das Risiko in einem Krypto-Portfolio weg verteilen: Korrelation und Abweichung

Haftungsausschluss: Dieser Artikel stellt keine Anlagenberatung oder -empfehlung dar. Jeder Investment- und Handelsschritt birgt ein Risiko und man sollte gut recherchieren, bevor man eine Entscheidung trifft.

Beobachtet man den Kryptomarkt, entsteht der Eindruck, dass "wenn Bitcoin niest, erkältet sich der Kryptowährungsmarkt". Das wäre auf den traditionellen Aktienmärkten nicht der Fall. Obwohl es öffentliche Unternehmen gibt, deren Aktienbewegungen starke Korrelationen aufweisen, weil sie ähnliche Dinge in der gleichen Branche machen - Ölgesellschaften, zum Beispiel - können Anleger immer noch das Risiko in einem gleich gewichteten Portfolio hinweg verteilen, indem sie Aktien mit negativen Korrelationen zu ihrem Portfolio hinzufügen.

Technisch gesehen könnte es schwierig sein, das Risiko in einem ausschließlichen Krypto-Portfolio weg zu verteilen. Ein Portfolio aus zwei Vermögenswerten mit stark korrelierten Aktien erhöht für einen Anleger das Risiko, mehr Vermögen zu verlieren. Wenn zwei Vermögenswerte einen starken Korrelationskoeffizienten haben, neigen sie dazu, sich in die gleiche Richtung zu bewegen. Wenn  zwei Vermögenswerte sich im selben Portfolio in die gleiche Richtung bewegen, sind Ihre Vermögenszuwächse größer und Ihre Verluste stärker. Das könnte der Grund sein, warum Anleger versuchen, Portfolios mit negativ korrelierten Aktien zu erstellen.

Wenn ein Vermögenswert in einem Portfolio aus zwei negativ korrelierten Vermögenswerten zurückgeht, sollte der andere Vermögenswert im Portfolio steigen. Das sollte den maximalen Vermögensverlust in einem Portfolio effektiv verringern.

Schon beim Überprüfen der Kurse für digitale Vermögenswerte auf einer Kryptowährungsbörse kann man sehen, dass sie stark miteinander korrelieren.  Wenn Bitcoin an einem Tag im roten Bereich ist, wird fast jede Kryptowährung auf der Homepage im roten Bereich sein. Wenn Bitcoin im grünen Bereich ist - sind es die anderen auch. Deshalb sagen Leute auch, dass "selbst die am wenigsten seetüchtigen Boote schwimmen, wenn die Flut steigt."  

Korrelation von Kryptowährungen

Der Wirtschaftsforscher Wasili Sumanow hat gegenüber Cointelegraph gesagt, dass der Kryptowährungsmarkt stark korreliert, da die meisten Altcoins an Bitcoin gekoppelt sind:

"Der Markt ist sehr klein (Marktkapitalisierung) und hat eine geringe Liquidität. Ein Großteil des Handelsvolumens wird von algorithmischen Händlern bereitgestellt, die Bots verwenden. Es gibt nur wenige Börsen, die tatsächlich Kurse festlegen, aber die Preise an diesen Börsen sind auch mit Arbitrage-Bots verbunden. Alle digitalen Vermögenswerte sind - neben stabilen Coins wie USDT - faktisch an den BTC-Markt gebunden, so dass sich jede Veränderung auf dem Markt sofort auch bei anderen Vermögenswerten bemerkbar macht.

Wenn der Kurs von BTC/USD fällt, fallen alle digitalen Vermögenswert-Kurse gegenüber dem US-Dollar, da der Kurs der Mehrheit der digitalen Vermögenswerte über den USD/BTC-Kurs berechnet wird. Wenn beispielsweise BTC fällt, könnten Händler Altcoins für BTC verkaufen. Danach könnten sie sofort Bitcoin verkaufen und Dollar erhalten und dann ihre BTC zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen. Dann könnten sie billige Altcoins mit ihren Bitcoins kaufen."

Das kann man gut am Rückgang des Kryptomarktes in diesem Winter sehen. So sah es zum Beispiel am 2. Februar 2018 aus. Während Bitcoin um 15 Prozent zurückging, ging Ripple um 30 Prozent zurück -  XRP könnte aufgrund des Algorithmus, der von einer Mehrheit der Händler verwendet wird, billiger geworden sein.

Bildquelle: Coinmarketcap

In einer Korrelationsmatrix, die aus den jährlichen Renditen von Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH), Litecoin (LTC) und Ripple (XRP) erstellt wurde, gibt es sieben von zehn digitalen Vermögenswert-Paaren, die perfekt korrelieren; BTC-BTC, BTC-ETH, ETH-ETH, ETH-LTC, ETH-XRP, LTC-LTC und XRP-XRP. Die drei anderen Paare weisen immer noch eine starke Korrelation auf - zwischen .7 und 1: BTC-LTC korreliert bei  .934, BTC-XRP bei .729 und LTC-XRP bei .892.

BTC, ETH, LTC, XRP - MATRIZEN

Der Technologie- und Betriebsberater für Handelssysteme Tony Karim sagte gegenüber Cointelegraph, dass er der Meinung sei, dass digitale Vermögenswerte aufgrund der Anlegerstimmung und systematischen Risiken stark korrelieren:

"Mainstream-Krypto-Vermögenswerte (neuere Altcoins nicht so sehr) korrelieren stark in ihrer Volatilität aufgrund des gleichen Einzugsgebiets der zugrunde liegenden Investoren. Diese werden fast ausschließlich von der Stimmung angetrieben und haben ähnliche Handelsmotive, ohne dass sie einen der Antreiber oder den Marktfluss überprüfen."

"Der jüngste Wertrückgang ist auf fundamentale Aktivitäten und Druck zurückzuführen, seien es Regulierungsbehörden, Diebstähle bei Börsen und Einzelpersonen oder andere negative öffentliche Vorkommnisse. Wenn also ein Krypto-Vermögenswert betroffen ist, verbreitet sich das auf völlig unterschiedliche Kryptos, die eine völlig andere Technologie verwenden, auf einen Bären- oder Bullentrend bei den Mainstream-Vermögenswerten hinsichtlich des Marktvolumens. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Liquidität in den Händen einiger weniger liegt und auf der Gesamtzahl der täglich aktiv gehandelten Krypto-Vermögenswerten im Gegensatz zum Umlauf basiert. Man hat nicht das gleiche Liquiditätsgefühl, das es auf anderen Märkten gibt."

Wenn Krypto-Vermögenswerte hohen Korrelationskoeffizienten zum Opfer fallen, wäre es dann möglich, das Risiko in einem gleichgewichteten Kryptowährungs-Portfolio durch Hinzufügen weiterer Krypto-Vermögenswerte weg zu verteilen?  Um diese Frage zu beantworten, analysieren wir die erwarteten Renditen und Standardabweichungen (SD) aus einer Reihe von Portfolios, die aus Bitcoin, Ether, Litecoin und Ripple bestehen.  Alle analysierten Daten bestehen aus jährlichen Kursen, die am 5. Oktober als dem ersten Tag für das früheste verfügbare Jahr genommen wurden.

Portfolios mit einzelnen Vermögenswerten

PREISE, ABWEICHUNGEN UND STANDARDABWEICHUNGEN

Bitcoin

Die Bitcoin-Blockchain wurde am 3. Januar 2009 gestartet. Basierend auf den Jahresrenditen von 2010 bis 2017 bei einem Portfolio, das nur aus Bitcoin besteht, können Sie im Durchschnitt eine Rendite von 194,2 Prozent erwarten. Die Standardabweichung - der Betrag, um den Sie erwarten können, dass die Renditen vom Durchschnitt abweichen - bei einem Portfolio mit ausschließlich Bitcoin, beträgt 168,8 Prozent. Das bedeutet, dass die Renditen, die Sie von Bitcoin erwarten können, 168,8 Prozent über oder unter der durchschnittlichen Rendite liegen können.

Ethereum

Ethereum wurde am 30. Juli 2015 als Blockchain-Netzwerk veröffentlicht, mit dem Unternehmen Anwendungen, Verträge oder Systeme durch eine Programmierung auf dem Ethereum-Netzwerk erstellen können. Die Daten für Bitcoin und Ethereum in diesem Artikel stammen von 99Bitcoins.

Wenn Sie ein Portfolio besitzen, das nur aus Ethereum besteht, können Sie eine Rendite von 307,29 Prozent erwarten. Grundlage hierfür sind die jährlichen Ertragsdaten von Ether von 2015 bis 2017. Die Standardabweichung eines Ethereum-Only-Portfolios beträgt 6,06 Prozent. Das bedeutet, dass man erwarten kann, dass die Jahresrendite von Ethereum ziemlich zuverlässig ist und nicht zu stark von der durchschnittlichen Rendite von 307,29 Prozent abweichen. Man sollte dazu sagen, dass es Ethereum erst seit 3 Jahren gibt.  

Litecoin

Litecoin wurde am 7. Oktober 2011 eingeführt. Er stammt aus einem Fork in der Bitcoin-Core-Blockchain. Aus diesem Grund ist Litecoin dem Bitcoin sehr ähnlich, weshalb Litecoin wohl auch kein eigenes Whitepaper hat. Litecoin zielt darauf ab, einige der mit Bitcoin verbundenen Probleme wie Netzwerkeffizienz und Transaktionsverifikationsgeschwindigkeit zu lösen. Die Daten für Litecoin in diesem Artikel stammen von Bitinfocharts.

Basierend auf den jährlichen Renditen von Litecoin von 2013 bis 2017, wenn Sie ein Litecoin-Only-Portfolio besitzen, können Sie eine Rendite von 136,1 Prozent mit einer Standardabweichung von etwa 163,6 Prozent erwarten.

Ripple

Ripple wurde im Jahr 2012 als Kryptowährung und globaler Überweisungsdienst für Banken eingeführt, um nahezu sofortige grenzüberschreitende Zahlungen mit einer niedrigeren Gebühr als bei herkömmlichen Transakti