Mark Karpelès, der ehemalige CEO von Mt. Gox, bittet die Community um Unterstützung für ein Proposal, mit dem mehr als 5,2 Milliarden US-Dollar zurückgewonnen werden sollen, die vor über einem Jahrzehnt von seiner Bitcoin-Börse gestohlen wurden.
Am Freitag reichte Karpelès auf GitHub das entsprechende Proposal ein, eine Regel im Konsensmechanismus von Bitcoin hinzuzufügen, die es ermöglichen würde, die 79.956 BTC, die von Mt. Gox gehackt wurden (und sich derzeit in einer einzigen Wallet befinden), ohne den ursprünglichen Private Key an eine Wallet-Adresse zur Wiederherstellung zu übertragen.
„Diese Coins wurden seit über 15 Jahren nicht bewegt. Sie gehören zu den bekanntesten und öffentlich verfolgten UTXOs in der Geschichte von Bitcoin“, schrieb er.

Karpelès betonte, dass Nobuaki Kobayashi, der Treuhänder von Mt. Gox, bereits die Ausschüttungen an die Gläubiger überwache und dass die Coins, sofern sie wiederbeschafft werden könnten, im Rahmen der bestehenden rechtlichen und logistischen Rahmenbedingungen an ihre rechtmäßigen Eigentümer verteilt würden.
„Ich möchte ganz offen sein: Dies ist eine Hardfork. Sie macht eine zuvor ungültige Transaktion gültig. Alle Nodes müssten vor der Aktivierung aktualisiert werden. Ich versuche nicht, diese Tatsache zu verschleiern oder sie als etwas anderes durchzuschmuggeln“, fügte er hinzu.
Karpelès erklärte jedoch, dass die Änderung nicht darauf abziele, die Gesetzmäßigkeiten von Bitcoin zu umgehen, sondern vielmehr ein Versuch sei, eine Diskussion mit der Bitcoin-Community anzustoßen.

„Der MtGox-Treuhänder hat es abgelehnt, eine Onchain-Wiederherstellung zu versuchen, wobei er die Unsicherheit darüber anführt, ob eine solche Änderung am Konsens jemals angenommen werden würde“, sagte er.
„Dies führt zu einer Pattsituation: Der Treuhänder handelt nicht ohne Gewissheit, und die Community kann die Idee ohne einen konkreten Vorschlag nicht bewerten. Dieser neue Patch-Entwurf durchbricht diese Pattsituation, indem er etwas Konkretes zur Diskussion stellt.“
Bitcoin: Grundprinzipien stehen auf dem Spiel
Karpelès Vorschlag stieß im Online-Forum Bitcointalk auf starken Widerstand. Die meisten argumentierten, dass dies einen schlechten Präzedenzfall für Bitcoin darstellen würde, eine dezentrale Kryptowährung, die irreversibel und unveränderlich sein soll.
„Jedes Mal, wenn ein Hackerangriff stattfindet, fordert jemand eine neue Konsensregel, um gestohlene Gelder zurückzuerhalten. Das würde das Bitcoin-Konzept vollständig zerstören“, schrieb „coupable“, der seit 2015 Mitglied des Forums ist.
„Bitcoin sollte unabhängig davon sein, was die Strafverfolgungsbehörden in den einzelnen [Gerichtsbarkeiten] entscheiden“, meinte ein anderes Forumsmitglied namens „PrivacyG“.
Karpelès räumte ebenfalls ein, dass dies das stärkste Argument gegen das Vorhaben sei, argumentierte jedoch, dass dieser spezielle Fall anders gelagert sei, da sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch die Community übereinstimmend davon ausgehen, dass es sich bei der fraglichen Adresse um Bitcoin handelt, die von Mt. Gox gestohlen wurden.
Einige, Nutzer die behaupten, von der Insolvenz von Mt. Gox betroffen zu sein, befürworteten den Vorschlag hingegen.
„Wenn diese Coins jemals durch irgendeinen Mechanismus bewegt werden, dann werde ich meinen Anteil davon zurückhaben wollen“, sagte der Nutzer Samson stellvertretend.
„Ich bin Gläubiger und habe das wenige, was von meinen Bitcoin aus der Insolvenz übrig geblieben ist, zurückerhalten – etwa 15 % ... Ich würde die Beantragung einer gerichtlichen Verfügung zur Einforderung dieser Coins unterstützen.“
Der Fall Mt. Gox
Mt. Gox war einst die größte Bitcoin-Börse, die von 2010 bis 2014 tätig war und 70 % aller Bitcoin-Transaktionen weltweit abwickelte.
Diese globale Präsenz machte die Plattform jedoch zu einem Magneten für Hacker, die 2011 Schwachstellen in den Sicherheitssystemen von Mt. Gox ausnutzten, um Tausende von Bitcoins zu transferieren, während andere Betriebsfehler dazu führten, dass weitere Tausende von Bitcoins „verloren gingen“.
Am 24. Februar 2014 behauptete ein angeblich durchgesickertes Dokument, dass das Unternehmen insolvent sei, nachdem es 744.408 Bitcoin durch einen Diebstahl verloren hatte, der jahrelang unentdeckt geblieben war.
Die Börse beantragte am 28. Februar 2014 in Tokio Gläubigerschutz und gab an, dass sie nach dem Verlust von 750.000 Bitcoins ihrer Kunden und 100.000 eigenen Bitcoins, die zu diesem Zeitpunkt einen Wert von fast einer halben Milliarde US-Dollar hatten, Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 65 Millionen US-Dollar hatte.

