Ein neuer Forschungsbericht des Digital Forensic Research Lab (DFRLab), das wiederum der Denkfabrik Atlantic Council angehört, kommt zu dem Ergebnis, dass das berüchtigte Krypto-Betrugsprojekt OneCoin massenweise gefälschte Kundenbewertungen auf TrustPilot und Quora veröffentlicht hatte, um den eigenen Ruf zu schönen.

Laut dem Bericht vom 29. Januar hatte OneCoin plötzlich eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Fünf-Sterne Bewertungen auf TrustPilot erhalten, nachdem es im Oktober 2019 negative Berichterstattungen über das Krypto-Projekt gegeben hatte.

Zeitlicher Verlauf der Bewertungen von OneCoin auf TrustPilot. Quelle: DFRLab

Wie der Forschungsbericht des Weiteren zeigt, sind auf TrustPilot von den 579 Kundenbewertungen über OneCoin insgesamt 90% positiv. Rund 400 der dort veröffentlichten Fünf-Sterne Bewertungen wurden zudem nur in einem einzigen Monat geschrieben. Das DFRLab weist darauf hin, dass OneCoin zwar auch ein paar Ein-Stern Bewertungen erhalten hat, allerdings wären diese ganz klar in der Minderheit.

Verdächtiges Verhalten

Aufgrund des Designs von TrustPilot konnten die Forscher zwar nicht zweifelsfrei feststellen, ob die betroffenen Kundenbewertungen gefälscht sind, nichtsdestotrotz wären sie jedoch zumindest verdächtig:

„Die Spitze an Fünf-Sterne Bewertungen im Oktober 2019 zeigt einen unnormalen Anstieg an positiven Bewertungen genau in dem Zeitraum, als negative Berichterstattung und die rechtlichen Schwierigkeiten des Unternehmens ihren Höhepunkt erreichten. Es ist zwar möglich, dass der Anstieg an positiven Bewertungen und Kommentaren echt ist, aber der Zeitpunkt und die extreme positive Darstellung sind sehr verdächtig.“

Auch auf der Frage-Plattform OneCoin hat das DFRLab mehrere Profile gefunden, die OneCoin loben und dabei „einen unglaubwürdigen Eindruck erwecken“. So fehlten diesen Profilen oftmals Profilbilder und Nutzerinformationen, zudem passten die Veröffentlichungszeitpunkte der geschriebenen Beiträge nicht zusammen und obendrein beteiligten sich die betreffenden Profile ausschließlich an Diskussionen über OneCoin.

So führen die Forscher beispielhaft ein Profil an, das dessen Nutzer als „Krypto-Experten und Investoren“ beschreibt, allerdings nur Fragen zum Thema OneCoin beantwortet. Das Konto war lediglich von Januar bis März 2018 aktiv, als das betrügerische Krypto-Projekt seinen Höhepunkt erreicht hatte.

„Als OneCoin immer mehr in rechtliche Schwierigkeiten geraten ist, rückte allen voran das Schneeballsystem des Unternehmens in den Fokus. Die digitalen Marketingstrategien blieben derweil größtenteils unbeachtet.“

OneCoin ist einer der berüchtigsten Betrugsfälle der Kryptobranche. Die offizielle Webseite des Unternehmens wurde trotz erster rechtskräftiger Urteile gegen das Projekt allerdings erst im Dezember 2019 vom Netz genommen. Im gleichen Monat hatte ein amerikanisches Gericht das laufende Verfahren gegen David Pike, den Leiter eines zugehörigen Fonds, verlängert.