Tether hat laut inoffizieller Erklärung von Anwaltskanzlei genügend USD-Reserven für seine Token

Tethers (USDT) lange umstrittene Behauptung, dass seine digitale Währung durch den entsprechenden Betrag an Dollar-Beständen gestützt wird, wurde scheinbar bestätigt, wie Bloomberg am 20. Juni berichtet.

Laut einem Interview mit dem allgemeinen Berater von Tether Stuart Hoegner hatte die Anwaltskanzlei Freeh Sporkin & Sullivan LLP wochenlang Zugang zu zwei Bankkonten von Tether und veröffentlichte die Höhe der Dollarbestände zum 1. Juni, allerdings nicht im Rahmen einer offiziellen Prüfung.

Die Bankkonten werden aus Datenschutzgründen nicht genannt, so Hoegner, und er fügte hinzu, dass die Firma Zugang zu Kontoauszügen und Mitarbeitern sowie Kontakt zu Tether-Führungskräften hatte.

Die Anwaltskanzlei Freeh Sporkin & Sullivan LLP, die vom ehemaligen FBI-Direktor Louis Freeh mitbegründet wurde, stellte in ihrer Erklärung fest, dass ihre Schlussfolgerungen spezifisch für den Geschäftsschluss am 1. Juni 2018 gelten:

"FSS ist keine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und hat die oben genannten Prüfungen und Bestätigungen nicht unter Anwendung allgemein anerkannter Rechnungslegungsgrundsätze durchgeführt. FSS ist ohne tiefergehende Untersuchung davon ausgegangen, dass das Personal der Bank, das die Bestätigungen erteilt hat, berechtigt war, solche Bestätigungen zu erteilen, und dass die Bestätigungen korrekt waren."

Der allgemeine Berater von Tether sagte, dass die Anzahl der ausgegebenen USDT am 1. Juni 2,54 Milliarden Dollar entsprach, und Coinmarketcap-Daten zeigen, dass derzeit insgesamt etwa 2,8 Milliarden USDT im Umlauf sind. Der Grund, warum eine offizielle Prüfung nicht durchgeführt wurde, erklärte Hoegner gegenüber Bloomberg damit, dass große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften keine Kunden aufnehmen würden, die mit Kryptowährungen arbeiten:

"Das Entscheidende ist, dass ein Audit nicht möglich ist [...] Die großen vier Firmen wollen dieses Risiko nicht. Wir haben uns für das entschieden, was wir für das Nächstbeste halten."

Tether und die Kryptobörse Bitfinex, die denselben CEO haben, hatten Berichten zufolge am 6. Dezember 2017 Vorladungen von US-Regulierungsbehörden erhalten. Der Grund dafür ist bisher aber noch unklar. Die Kryptowährung wurde von der Krypto-Community erneut genau beobachtet, nachdem sie ihre Verbindung zu einem Wirtschaftsprüfer gekappt hatte, bevor das offizielle Audit veröffentlicht wurde.

Doch im Februar zeigte eine Studie von Bitmex Research, dass Tether genügend Bargeldreserven haben könnte, möglicherweise auf einer puertoricanischen Bank, die mit der Tokenausgabe übereinstimmen.

Ende Mai hatte Tether weitere 250 Millionen USDT geprägt und damit die Frage nach ihren Dollarreserven wieder aufgeworfen. Dann brachte eine Studie, die diesen Monat von der University of Texas veröffentlicht wurde, Tether erneut ins Rampenlicht, da darin sowohl der Kryptowährung als auch der damit verbundenen Kryptobörse Bitfinex Bitcoin (BTC)-Kursmanipulation im Jahr 2017 vorgeworfen wurde, insbesondere in Bezug auf den Bitcoin-Kursanstieg im Dezember letzten Jahres auf umgerechnet 17.000 Euro.

Als Reaktion auf die Behauptungen bezüglich einer Bitcoin-Marktkursmanipulation sagte der Tether-CEO J.L. van der Velde gegenüber Bloomberg, dass die Behauptungen falsch seien:

"Trotz Spekulationen haben wir immer wieder erklärt, dass Tether durch USD-Reserven gestützt ist, die der Summe an sich im Umlauf befindlichen Tether genau entsprechen oder diese übersteigen. Und wir sind froh, dass wir eine unabhängige Verifizierung dessen haben, um einige der Fragen aus der Öffentlichkeit zu beantworten."

Die vermutete Bitcoin-Manipulation durch Tether hatte diese Woche die Bitcoin-Futures-Kurse um 55 Prozent gesenkt.