Ravencoin: Was sieht Overstock in der Digitalen Bank von Westeros?

Das wenig bekannte Blockchain-Projekt "Ravencoin" rückt ins Rampenlicht, als der CEO von Overstock.com, Patrick Byrne, erwähnt, dass seine Firma "Millionen von Dollar" in die "Anwendungsspezifische Blockchain für den Transfer von Vermögenswerten" investiert habe. 

Ravencoins Blogpost vom 1. November eröffnet mit einer Referenz auf die bekannte HBO-Serie Game of Thrones: "In der fiktiven Welt von Westeros werden Raben als Boten von wahren Aussagen eingesetzt. Ravencoin ist eine Anwendungsspezifische Blockchain, die ebenfalls dazu entwickelt wurde und eingesetzt wird, wahrheitsgemäße Aussagen darüber zu treffen, wer welche Vermögenswerte besitzt."

Abgesehen von der Referenz auf eine TV-Serie - was bietet Ravencoin noch, das Byrnes Interesse geweckt haben könnte? Das vierseitiges Whitepaper ist, kurz gesagt, prägnant gehalten und fokussiert sich primär auf den Mining-Algorithmus: “X16R - ASIC Resistant by Design.”

Der neue Algorithmus ist vielversprechend

Byrne hat Ravencoin in seinem Interview groß angepriesen und mit Bitcoin verglichen, nur sei es "tausendmal energieeffizienter". Er thematisiert die Probleme durch erhöhte Mining-Preise, die Zentralisierung rund um ASIC Produktionen und billige Elektrizität. Byrne erwähnt auch die Anfangszeile des Whitepapers und behauptet, man löse Probleme dadurch, dass er "resistent gegen ASIC" sei und "Mining wieder demokratisieren" würde. Danach beschreibt der die aktuelle Konzentration von Mining-Aktivitäten auf Industrie-Ebene in der Volksrepublik China.

Wenn Ravencoin einen neuen Mining-Algorithmus gefunden hat, welchen Berichten zufolge Tausende bereits nutzen , und es außerdem geschafft hat, Einstiegshindernisse niedrig zu halten, um den Algorithmus so für jedermann zugänglich zu machen - ist das dann nicht etwas, das man sich genauer ansehen sollte?

X16R

Der von Ravencoin verwendete Hashalgorithmus soll die Verwendung von ASIC-Hardware vollständig überflüssig machen und die Mining-Leistung wieder in die Hände von GPUs und Computern legen. In dem Whitepaper präsentiert Ravencoin die Geschichte des aktuellen Algorithmus und beschreibt X16R als den neuesten Schritt.

Das Whitepaper merkt an: "Die Geschichte des Hashings für Kryptowährungen begann mit SHA256 für Bitcoin, danach Scrypt für Litecoin, Ethash für Ethereum, X11 für Dash, gefolgt von X13, X15, und X17. X16R ist der nächste Schritt bei dieser Evolution mit dem Ziel, den besten Mining-Algorithmus zu finden."

Coins wie Dash mit seinem X11 Hash, welcher elf verkettete Hash-Algorithmen nutzt, um den Wechsel zu ASIC-Mining zu verhindern, seien noch immer nicht wirklich erfolgreich. Denn viele Hersteller würden aktuell ASIC-Miner für X11 entwickeln.

"Der X16R-Algorithmus versucht, diesen Problem zu lösen, indem er permanent die Anordnung der Hashing-Algorithmen durcheinander bringt.", erklärt das Whitepaper. "Die Hash-Algorithmen folgen dem bestätigten Algorithmus, welcher in X15 + SHA512 benutzt wird. Nur die Anordnung hat sich geändert, basierend auf dem Hash des vorausgegangenen Blocks."

"Die neue Anordnung macht es nicht unmöglich, einen ASIC zu machen, aber es wird ein zusätzlicher Input benötigt, an den er sich anpassen muss. Und das kann sehr viel einfacher durch einen CPU oder GPU erreicht werden."

Es ist unschwer zu erkennen, dass das Hauptziel von Ravencoin die Demonopolisierung des Mining ist. Aber worum geht es bei der Firma und dem Coin wirklich? Stellen sie eine solide Plattform dar, bei der sich Mining und Investitionen wirklich lohnen?

Der Transfer von Vermögenswerten

Zusammengefasst ist die Hauptaufgabe von Ravencoin das "Implementieren einer Blockchain, die speziell für den Transfer von Vermögenswerten, wie zum Beispiel Tokens, zwischen zwei Besitzern optimiert wurde". Das erinnert ein wenig an Bitcoin.

Bitcoin taucht tatsächlich auch öfter in den Publikationen von Ravencoin auf. Mehr noch, Ravencoin schreibt ihm zu: "die harte Arbeit und die kontinuierlichen Bemühungen von über 400 Bitcoin-Entwicklern, die über den Verlauf des Bitcoin-Projektes hinweg über 14.000 Einsätze mitgemacht haben."

Das bedeutet nicht, dass sie 400 Entwickler beschäftigen sondern eher, dass das Vermächtnis ihrer Coins dem von Bitcoin zugeschrieben wird, da Ravencoin ein Fork des ursprünglichen Coins ist:

"Ravencoin basiert auf einer Fork des Bitcoin-Codes.  Zu den Hauptänderungen gehören die schnellere Block-Vergütungs-Zeit und eine Änderung der Anzahl, aber nicht der gewichteten Verteilung der Coins."

Ravencoin fährt fort, weitere Charaktermerkmale seines Produktes aufzulisten. Unter anderem die Tatsache, dass es sich um ein kostenloses, Open-Source-Produkt handelt, welches transparent herausgegeben und gemined wird, ohne vorherige Mining- oder Entwicklerzuweisungen. Es ist außerdem nicht als Bargeld gedacht.

Vorläufige Gedanken

Wie der Cointelegraph am 24. Februar berichtete, gabe es nur wenig Feedback, als ein Reddit Post, der die Leute nach ihrer Meinung zu dem Coin befragte, erst 4 Tage alt war. Nur eine einzige Person kommentierte am Veröffentlichungstag: "Ich habe noch nie davon gehört, bis jetzt." Nichtsdestotrotz stieg das Interesse, eventuell angetrieben von Bryne, als mehr und mehr Nutzer Potential - soweit vorhanden - in Ravencoin erkannten.

Reddit-Nutzer Reigningchamp4eva sagt: "raven coin scheint eine Copy-Paste-Variante von Bitcoin zu sein nach dem Motto "verbinde einige verstaubte Algrithmen neu und nenn es Innovation" mit einminütigen Blockzeiten... nicht mehr und nicht weniger. Kein Datenschutzfunktionen, keine Contracts, keine PoS, keine kostenlosen Transaktionen... Lasst es mich wissen, wenn dieser Coin IRGENDWAS Neues bietet und ich bin dabei."

Ein weiterer Nutzer namens TomatoKing77 kommentierte die Investment-Strategie von Overstock: "Was weiß der CEO von Overstock, das ihn dazu bringt, da ein paar Millionen reinzustecken? Vor allem, da überhaupt kein Marketing betrieben wird. Zugegeben - ein ideologisches Experiment, das BTC und ETH-Funktionen verbessern soll sowie eine nette Open-Source. Ein Projekt, an dem eine Menge BTC-Entwickler arbeiten, weil es Ihnen Spaß macht, spricht Bände in meinen Augen."

Andere schlagen eine eher pragmatische Sichtweise ein, so wie SlappyMcFartsack: "Ich hab schon herausgefunden, wie man es Minet und das mache ich jetzt auch. Mal sehen, wo es hinführt."

Seine Stimmung wird von Whacktool geteilt: "Ziemlich genau, was ich auch tue. Minen und sehen, wohin das führt. Das Schlimmste, was passieren kann, ist eine höhere Stromrechnung."

Viel gezeigt, viel fehlt noch

Ravencoin könnte mit seinem neuen Hash-Algorithmus gute Chancen haben, ASIC-Mining Wiederstand zu leisten. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob ASIC-Entwickler sich dieser Herausforderung stellen. Nichtsdestotrotz sieht es so aus, als würden Leute aktuell Minen und den Schwierigkeitsgrad gering halten.

Sollte dies jedoch alles sein, was das Unternehmen bieten kann, mit ihrem vierseitigen Whitepaper, das nur über X16R spricht, dann fehlt Ravencoin noch Einiges, um tatsächlich ernst genommen zu werden. Zum Beispiel fehlt dem Unternehmen ein Fahrplan für die Zukunft. Auch das Team hinter Ravencoin ist schwer auszumachen, trotz des Verweises in dem Post auf 400 Entwickler und deren Arbeit an der ursprünglichen Chain, von der Ravencoin geforkt wurde.