Der leitende Stratege für Handelswaren von Bloomberg Mike McGlone veröffentlichte vor kurzem einen Krypto-Zwischenausblick, laut dem die Volatilität von Bitcoin weiter abnehmen dürfte, da sich der Vermögenswert immer mehr wie Gold verhalte. Im Bericht heißt es auch, dass die primären Indikatoren für Nachfrage und Adoption weiterhin positiv seien.

Der Bericht erklärt abschließend, dass Bitcoin für einen Ausbruch in Richtung des Widerstands bei 13.000 US-Dollar vorbereitet sei. Obwohl man diese Perspektive durchaus vertreten kann, gibt es in dem Artikel einige argumentative Fehler. Die Korrelation zwischen Bitcoin und dem Hedge-Status von Golde ist in den letzten sechs Monaten zurückgegangen, da er sich die meiste Zeit synchron mit dem S&P 500 bewegt hat.

Im Hinblick auf den oft erwähnten Nachfrageschub kann der kürzliche Zufluss in die Fonds von Grayscale Investment nicht als Neugeld interpretiert werden, das in den Raum fließt. Gleiches gilt für die gewaltige Zunahme des Open Interest an Bitcoin-Futures, da jedes derivative Instrument einen Käufer und Verkäufer in exakt derselben Größe braucht.

Korrelation zwischen Bitcoin, Gold und S&P 500

Einer der Gründe, warum Bitcoin in den letzten Jahren für Investoren interessant wurde, ist die mangelnde Korrelation des digitalen Vermögenswertes mit traditionellen Investitionen.

Es gab Phasen, in denen er sich parallel zu diesen entwickelte. Dazu kam es meist durch die gleichen sozio-politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich auf alle wichtigen Anlageklassen auswirken.

Bitcoin 30-Tage-Korrelation zu Gold (rot) und S&P 500 (blau). Quelle: TradingView

Im Jahr 2020 nimmt die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 zu. Beim Goldpreis konnte kein klarer Trend festgestellt werden. Die jüngsten Daten deuten allerdings auf den höchsten negativen Wert seit Dezember 2018 hin.

Eine negative Korrelation impliziert eine Entwicklung in entgegengesetzter Richtung, so dass es einfach keinen Grund gibt, andersherum zu argumentieren.

Zufluss über Grayscale Bitcoin Trust (GBTC)

Im Bloomberg-Bericht heißt es, dass ein zunehmender Zufluss über Grayscale Investments ein Zeichen für eine bullische Anlegerstimmung sei. Dieser Zufluss ähnelt allerdings einem ETF und könnten als ein guter Indikator für die Nachfrage von Investoren angesehen werden. Die große Nachfrage seitens des GBTC ist nicht zu bezweifeln, da nach der Halbierung über 53.000 Bitcoins dazu kamen, wie Cointelegraph berichtete.

Grayscale Bitcoin Trust GBTC Aufschlag auf Nettovermögenswert (NAV). Quelle: YCharts

Dieser Fonds wurde in der Vergangenheit mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber seinem Nettovermögenswert (dem eigentlichen Marktwert der darin enthaltenen Bitcoin) gehandelt, wie aus dem obigen Chart hervorgeht.

Dieser deutliche Unterschied ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Kleinanleger nicht in der Lage sind, Aktien direkt von Grayscale Investments zu erwerben, deren Fonds ausschließlich auf akkreditierte Anleger ausgerichtet sind.

Professionelle Anleger können GBTC-Aktien auf zwei Arten direkt von Grayscale erwerben. Zum einen durch eine US-Dollar-Überweisung oder durch Sacheinlagen, indem sie ihre BTC transferieren.

Zufluss von Grayscale Investments-Produkten nach Art. Quelle: Grayscale

Aktuelle Daten von Ende 2019 zeigen, dass fast 80 Prozent der Zuflüsse von Grayscale Investments in Sachwerten erfolgten. Das bedeutet, es gab nicht unbedingt Kaufaktivitäten. Diese BTC könnten zuvor von professionellen Anlegern erworben oder von großen außerbörslichen Handelsplätzen geliehen worden sein.

Genesis, ein führendes OTC- und Kreditunternehmen, schloss das vierte Quartal 2019 mit aktiven Krediten im Wert von 545 Mio. US-Dollar ab, wie Cointelegraph berichtete.

Obwohl es eindeutig einen Endkäufer für diese GBTC-Aktien gibt, kann man nicht sagen, dass dieser Fluss den Kaufdruck auf den Markt erhöht.

Tatsächlich verlagern sich diese BTC von professionellen Kunden zu Grayscale Investments als Verwahrer. Das ist ein regelmäßiger Handel, ähnlich wie es bei dem Handelsvolumen von 82 Mrd. US-Dollar war, das in den letzten 30 Tagen an den regulären Börsen verzeichnet wurde.

Open Interest an Bitcoin-Futures

Der Bloomberg-Bericht nennt auch den wachsenden Open Interest an CME Bitcoin-Futures als ein Signal für die wachsende Reife des Vermögenswertes und als einen positiven Indikator im Hinblick auf den Kurs. Das verfehlt in vielerlei Hinsicht das Ziel. Der jüngste Markteintritt mit 10 Mrd. US-Dollar von Medallion Funds auf diesem Markt kann definitiv nicht mit einer langfristigen Investition oder gar mit einer grundsätzlich bullischen Entwicklung in Verbindung gebracht werden.

Solche quantitativen Arbitrage-Handelsplätze machen sowohl Long- als auch Short-Trades. Es ist daher unmöglich, eine solche zunehmende Aktivität entweder als bullische oder bärische Entwicklung zu betrachten.

Ganz zu schweigen davon, dass es sich bei den CME Bitcoin-Futures um finanziell liquidierte Instrumente handelt. Das bedeutet, dass bei Vertragsablauf tatsächlich keine BTC verschoben werden.

Abschließend heißt es im Bloomberg-Bericht auch, dass der Handel mit Futures an einer regulierten US-Börse für die Akzeptanz im Mainstream von entscheidender Bedeutung sei. Selbst wenn man die physischen BAKKT-Futures mit BTC-Abwicklung betrachtet, werden die BTC in ihrer Verwahrung nicht als Marge akzeptiert.

Die Akzeptanz im Mainstream hat nichts mit dem Derivatehandel zu tun, da Bitcoin so konzipiert wurde, dass er unabhängig funktioniert, ohne dass ETFs und Finanzinstrumente erforderlich sind.

Tatsächlich ist es wahrscheinlicher, dass es zu einer Mainstream-Akzeptanz kommt, wenn große Investmentfonds direkt mit Bitcoin arbeiten würden.

Die Ansichten und Meinungen, die hier aufgeführt werden, sind ausschließlich die des Autoren und spiegeln nicht zwangsläufig auch die Ansichten von Cointelegraph wider. Jeder Investment - und Handelsschritt birgt ein Risiko. Recherchieren Sie gut, bevor eine Entscheidung treffen.