Cointelegraph Magazine stellt den wichtigsten Köpfen aus Blockchain und Krypto sechs Fragen über die Branche und weicht zwischendurch auch mal vom Thema ab. 

In dieser Woche gehen unsere Fragen an Dominik Schiener, den Mitgründer der IOTA Foundation, die federführende Non-Profit-Organisation hinter dem Krypto-Projekt IOTA, das ein Grundgerüst für den Wertetransfer zwischen Maschinen im Internet of Things (IoT) schaffen will.

Dominik Schiener ist Mitgründer und Vorsitzender der IOTA Foundation, die eines der größten und grünsten Krypto-Ökosysteme der Welt aufgebaut hat. Die IOTA Foundation ist dabei allen voran für Forschung und Entwicklung im Bezug auf die firmeneigene Distributed Ledger Technologie (DLT),  dem sogenannten Tangle, zuständig. Der deutschstämmige Schiener, der einen Teil seiner Kindheit in Italien verbracht hat, ist in leitender Funktion in die Geschäftsführung des Blockchain-Projekts involviert. Im Hinblick auf die Kryptobranche macht sich Dominik für eine Mischung aus Forschung, Community und Transparenz stark.

Cointelegraph: Wenn du heute in ein Startup investieren müsstest, welche Art von Blockchain-Unternehmen würde dich reizen?

Dominik Schiener: Ich wäre Feuer und Flamme für Startups, die am Umstieg vom Web2 auf das Web3 arbeiten. Wir befinden uns schon seit längerem in einer Übergangsphase, weshalb es sowohl aus finanzieller als auch aus technischer Sicht total smart ist, diesen Übergang mitzugestalten. Diejenigen Unternehmen, die der zentralisierten Welt helfen, auf die dezentralisierte Welt umzusteigen (und umgekehrt), sind die Gegenwart und die Zukunft. Das umfasst Krypto-Banken, Fiat-Krypto-Handelsplattformen und NFT-Marktplätze. Die größte Hürde für die Massentauglichkeit ist die User Experience, nicht die Skalierbarkeit. Der Weg zur Massentauglichkeit und zur neuen Welt des Web3 führt über die Verbesserung der User Experience. 

CT: Welche Personen aus der Kryptobranche findest du am interessantesten und am inspirierendsten?

Dominik Schiener: Mich begeistern allen voran Menschen, die es nicht immer leicht im Leben hatten, ob privat oder geschäftlich, und dadurch zu besseren Führungspersönlichkeiten gereift sind. Selbstverständlich inspirieren mich Leute aus der Kryptobranche wie Vitalik Buterin, aber ich finde auch Ray Dalio toll, der mit seiner Art zu denken und seinen Innovationen die Finanzbranche revolutioniert hat, längst bevor es Krypto gab.

CT: Welches ist deiner Meinung nach der innovativste Anwendungsfall für die Blockchain? Das muss nicht unbedingt der erfolgversprechendste sein.

Dominik Schiener: Ich bin immer mehr von algorithmischen Stablecoins begeistert. Mich fasziniert deren Wirkungsweise und die daraus resultierenden Möglichkeiten. Natürlich sind sie noch sehr experimentell, einige werden sicherlich scheitern und Verluste in Höhe von mehreren Millionen verursachen. Trotzdem sehe ich in derartigen Stablecoins enormes Potenzial, um Privatanleger in den Markt zu holen und völlig neue Transaktionsmöglichkeiten zu eröffnen. Ich denke, dass sie eine wichtige Rolle für die Massentauglichkeit spielen werden, weshalb ich hoffe, dass sie erfolgreich sein werden.

[Anmerkung der Redaktion: Dieses Interview wurde vor dem aktuellen Debakel um den großen algorithmischen Stablecoin TerraUSD aufgenommen, der mit seinem Zusammenbruch weite Kreise innerhalb und außerhalb der Kryptobranche gezogen hat, und einen Beleg dafür liefert, wie anfällig algorithmische Stablecoins noch immer sind.]  

CT: Welches ist der interessanteste Ort, an dem du jemals warst?

Dominik Schiener: Ich liebe die Berge. Ich bin in den Alpen aufgewachsen, deshalb bin ich wahrscheinlich ein wenig voreingenommen. Am liebsten sind mir abgelegene Orte in den Bergen, fernab der Zivilisation, wo man einfach mal abschalten, reflektieren und die schöne Natur genießen kann. Diese Art von Ruhe ist für mich der beste Ausgleich zur hektischen Kryptobranche. Ich liebe Orte, an denen man höchstens noch durch ein Flugzeug daran erinnert wird, dass man in der modernen Welt lebt. Ganz besonders liebe ich Südtirol.

CT: In welchem Universum aus der Filmwelt würdest du am liebsten leben? Und warum?

Dominik Schiener: Ich entscheide mich für Avatar. Da gibt es eine unglaublich schöne und umfangreiche Welt. Mir gefällt der Look des Films und die Wichtigkeit, die auf die Verbundenheit mit der Natur gelegt wird. Wenn ich auf der Erde ein Naturliebhaber bin, dann bin ich auch auf anderen Planeten ein Naturliebhaber. In einem alternativen Universum zu leben und dem Volk der Na’vi anzugehören, klingt nach einem tollen Abenteuer.

CT: Was sollten wir unseren Kindern unbedingt beibringen?

Dominik Schiener: Finanzielles Grundlagenwissen hat leider noch keine Priorität, doch meiner Meinung nach sollte das auf jeden Fall im Bildungssystem verankert werden – je früher, desto besser. Außerdem sollten wir einen größeren Schwerpunkt auf Philosophie und ganz besonders Ethik legen. Wissenschaft und Technologie entwickeln sich schneller als jemals zuvor, weshalb wir es uns nicht leisten können, eine Generation heranzuziehen, die nicht in der Lage ist, kritisch über die Rolle des Menschen bei all diesen Entwicklungen nachzudenken. Die Gefahren von technischem Fortschritt ohne ethisches Gegengewicht sind uns wohlbekannt – es gibt zahlreiche Dystopien über genau dieses Thema – weshalb gar nicht deutlich genug gesagt werden kann, wie wichtig das ist. 

CT: Deine Wünsche für die nächste Generation der Blockchain-Community…

Dominik Schiener: Wir dürfen niemals vergessen, warum wir hier sind. Es geht nicht darum, schnell reich zu werden, sondern um die Aufhebung von Zentralisierung und Machtmissbrauch, um Milliarden von Menschen durch dezentralisierte Technologien am Wohlstand teilhaben zu lassen.