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Aave: DeFi-Protokoll nach gescheiterter Abstimmung „am Scheideweg“

Nach der gescheiterten Abstimmung um die Aave-Governance betont Gründer Stani Kuluechov, dass es eine langfristige Strategie braucht, um weiteres Wachstum generieren zu können.

Aave: DeFi-Protokoll nach gescheiterter Abstimmung „am Scheideweg“
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Der Gründer und CEO von Aave, Stani Kulechov, hat nach einer umstrittenen Governance-Abstimmung, bei der ein Vorschlag zur Übertragung der Kontrolle über die Markenrechte und das geistige Eigentum von Aave an die zugehörige Dezentrale Autonome Organisation (DAO) abgelehnt wurde, eine umfassendere strategische Vision für das Protokoll skizziert.

Die gescheiterte Abstimmung hat innerhalb der Aave-Community eine erneute Debatte über die langfristige Ausrichtung und die Governance-Struktur des Protokolls ausgelöst, ein Thema, das Kulechov direkt angesprochen hat.

In einem am Freitag im Aave-Governance-Forum veröffentlichten Beitrag argumentierte Kulechov, dass sich das Protokoll über sein Kerngeschäft, die dezentrale Finanzdienstleistungen (DeFi) in Form von Krypto-Kreditvergabe (Lending), hinaus weiterentwickeln müsse, um Chancen in den Bereichen Real-World Assets (RWAs), institutionelle Kreditvergabe und konsumentenorientierte Finanzprodukte zu nutzen.

Er beschrieb die Community als „an einem Scheideweg stehend“ und merkte an, dass die zukünftige Wachstumsentwicklung von DeFi ohne eine breitere Marktexpansion weiterhin ungewiss sei.

Interessanterweise erklärte Kulechov, dass Aave Labs plant, Einnahmen, die nicht direkt aus dem Protokoll stammen, an die Inhaber von Aave (AAVE) Token auszuschütten. Dieser Schritt könnte den Wert des Tokens über die Beteiligung an der Governance hinaus steigern. Er fügte hinzu, dass Aave Labs plant, einen neuen Governance-Vorschlag einzubringen, der sich mit dem Eigentum an geistigem Eigentum und markenbezogenen Rechten befasst, nachdem die Community gegen das erste dahingehende Vorhaben Widerstand geleistet hatte.

Kulechovs Beitrag scheint darauf abzuzielen, den Fokus der Community weg von kurzfristigen Governance-Streitigkeiten und hin zu einer kohärenteren langfristigen Strategie zu lenken. Er hob insbesondere RWAs hervor und beschrieb den Sektor als eine potenzielle Chance im Wert von 500 Billionen US-Dollar, basierend auf dem geschätzten Wert der globalen Finanzanlagen.

Aave ist eines der größten DeFi-Protokolle, dessen Gesamtwert laut Branchenangaben im Oktober 45 Milliarden US-Dollar überstieg.

Quelle: Kolten

Streit um Aave-Governance

Wie Cointelegraph berichtete, dreht sich der aktuelle Governance-Streit bei Aave darum, wer die Kontrolle über die Gebühren aus Krypto-Swaps innerhalb des Ökosystems haben und davon profitieren soll.

Einige dieser Swaps werden über die Plattform CoW Swap abgewickelt, einen dezentralen Handelsdienst, der es Nutzern ermöglicht, Token direkt von Aave aus zu swappen. Uneinigkeit herrschte darüber, ob die mit diesen Swaps verbundenen Einnahmen der Aave DAO, die die Token-Inhaber vertritt, gehören oder unter der Kontrolle der Entwickler von Aave Labs bleiben sollten.

Ergebnis der Abstimmung. Quelle: Cointelegraph

Einige Mitglieder der Aave-Community wiesen auch auf Kulechovs kürzlichen Kauf von AAVE-Token im Wert von rund 15 Millionen US-Dollar hin, als Versuch, die Governance-Abstimmung zu beeinflussen. Kulechov wies diese Behauptung jedoch entschieden zurück und erklärte, der Kauf spiegele seine persönliche „Überzeugung“ vom Protokoll wider und sei kein Versuch, das Ergebnis zu beeinflussen.