Das montenegrinische Justizministerium könnte nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs des Landes nun entscheiden, ob der Mitbegründer von Terraform Labs, Do Kwon, an die Vereinigten Staaten oder Südkorea ausgeliefert wird.
In einer Mitteilung vom 20. September teilte der Oberste Gerichtshof von Montenegro entsprechend mit, dass er Kwons Fall an den Justizminister weitergeleitet habe, nachdem er über einen Antrag auf Rechtmäßigkeitsschutz entschieden hatte. Dem Obersten Gericht zufolge haben sowohl Südkorea als auch die USA die Voraussetzungen für Auslieferung von Kwon aus Montenegro erfüllt, um ihn strafrechtlich zu belangen.
Hin und Her um Do Kwon
Das Terra-Ökosystem brach 2022 zusammen und war einer der ersten Dominosteine in einer Reihe von Insolvenzen, die Krypto-Unternehmen wie Celsius, FTX und BlockFi betrafen. Die US-amerikanischen und südkoreanischen Behörden erhoben daraufhin Anklage gegen Kwon und einige seiner Mitarbeiter wegen ihrer angeblichen Rolle beim Untergang der Plattform, aber der Aufenthaltsort des Terraform-Mitbegründers war anschließend weitgehend unbekannt, bis er 2023 in Montenegro auftauchte.
Die montenegrinischen Behörden verhafteten Kwon dann wegen der Verwendung gefälschter Reisedokumente und verurteilten ihn zu vier Monaten Gefängnis. Seit seiner Freilassung befindet er sich allerdings in einer juristischen Schwebe, da die Gerichte des Landes konkurrierende Anträge von Kwons Anwälten, der südkoreanischen Regierung und der US-Regierung prüfen.
Es ist dennoch unklar, ob der montenegrinische Justizminister das letzte Wort über die Auslieferung Kwons haben wird. Im April entschied der Oberste Gerichtshof des Landes in Podgorica bereits, dass die Angelegenheit an den damaligen Minister Andrej Milović gehen würde, aber Kwons Anwaltsteam legte gegen die Entscheidung Berufung ein. Milović wurde inzwischen als Justizminister durch Bojan Božović ersetzt.
In den USA hat ein Geschworenengericht derweil Terraform Labs und Kwon in einem Zivilverfahren mit der US-Börsenaufsicht SEC des Betrugs an Investoren für schuldig befunden. Beide Parteien erklärten sich bereit, rund 4,5 Mrd. US-Dollar an Rückerstattungen, zivilrechtlichen Strafen und Vorfälligkeitszinsen zu zahlen.
Terraform beantragte im Januar in den USA Insolvenz nach Chapter 11. Am 19. September genehmigte ein Konkursrichter den Insolvenzplan des Unternehmens, um den Betrieb einzustellen. Es ist bisher unklar, wie viele der Investoren der Plattform mit einer Entschädigung rechnen können.
In Erwartung der möglichen Auslieferung Kwons haben die südkoreanischen Behörden bereits mehrere Personen angeklagt, die mit Terraform in Verbindung stehen, darunter auch der Mitbegründer Hyun-seong Shin. Die montenegrinischen Behörden genehmigten zudem bereits die Auslieferung des ehemaligen Finanzchefs von Terraform Labs, Han Chang-Joon, der etwa zur gleichen Zeit wie Kwon in Montenegro verhaftet wurde, nach Südkorea.
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