Bamberger Wissenschaftler haben in einem Forschungsprojekt die Nutzung von Blockchain-Technologie für Echtheitsnachweise von Medikamenten untersucht, so eine Pressemitteilung der Universität vom 6. Februar.

Qualitätsnachweis per Blockchain

Die Ergebnisse wurden im Dezember 2019 in der wirtschaftsinformatischen Fachzeitschrift „MIS Quarterly Executive“ veröffentlicht. Den Forschungsgegenstand des Projekts kommentierte Hauptautor Jens Mattke wie folgt: 

“Anhand des MediLedger-Projekts zeigen wir, welche Herausforderungen mit der neuen Blockchain-Technologie einhergehen. Und wir geben den Unternehmen, die diese Technologie selbst einführen möchten, Handlungsempfehlungen.“

Bei MediLedger handelt es sich um eine Entwicklung des Blockchain-Anbieters Chronicled, die bereits von SAP in eigene Software-Lösungen integriert wurde.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Blockchain-Projekt mit einer Fallstudie, für welche die Forscher zwischen 2017 und 2019 verschiedene Pharma-Unternehmen und Blockchain-Experten befragten.

Ein wichtiges Ergebnis des MediLedger-Projekts ist die Erkenntnis, dass in bestimmten Fällen das bei Blockchain-Anwendungen übliche Prinzip der Dezentralität teilweise aufgegeben werden sollte. “Aus organisatorischen und rechtlichen Gründen ist es aber – je nach Anwendungsszenario – sinnvoller, dass die Teilnehmer eine zentrale Anlaufstelle bestimmen”, schreiben die Forscher.

Speziell im Fall von Nachweisen für Medikamenten sei eine Zusammenarbeit zwischen konkurrierenden Unternehmen nötig. Diese befürchteten allerding, dass “Konkurrenten in einem gemeinsamen System Rückschlüsse auf ihre Geschäftsaktivitäten ziehen können”.

Für MediLedger wurde zur Lösung ein Algorithmus entwickelt, “der dafür sorgt, dass nur Transaktionen zwischen verifizierten Unternehmen genehmigt werden, aber Blockchain-Teilnehmer nicht einsehen können, welche Unternehmen beteiligt waren”.  Ein Großhändler könne damit beispielsweise überprüfen, “ob das von ihm gekaufte Arzneimittel seit der Herstellung nur von verifizierten Unternehmen gehandelt wurde, ohne herauszufinden, welche Zwischenhändler beteiligt waren”.

Blockchain als Nachweisinstrument

Blockchain-Technologie wird für Echtheits-, Qualitäts- und Herkunftsnachweise bereits an verschiedenen Stellen genutzt. So lancierte etwa das US-Online-Auktionshaus für Kunst Paddle8 einen Kunst-Authentifizierungsdienst auf Blockchain-Basis. In Österreich bietet Rotharium Herkunftsnachweise für Frischware wie Gemüse und Fisch an.

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