Die große Kryptobörse Bitfinex hat in einem Tweet vom 23. Oktober auf einen aktuellen Medienbericht reagiert, in dem der Börse vorgeworfen wurde, Handelsvolumendaten aus "einem Markt, der nicht existiert" veröffentlicht zu haben.
Die Kontroverse dreht sich um einen Artikel der Krypto-Medienplattform CoinDesk, in dem behauptet wurde, dass die Bitfinex-Daten auf dem beliebten Krypto-Statistik-Aggregat CoinMarketCap (CMC) irreführenderweise durch die Berichterstattung über das Handelspaar Stablecoin Tether (USDT) und US-Dollar aufgebläht wurden. Bei Redaktionsschluss belief sich das Volumen auf umgerechnet rund 30 Mio. Euro oder 18,30 Prozent des gesamten 24-Stunden-Handelsvolumens, das bei umgerechnet rund 160 Mio. Euro liegt.
Im Artikel hieß es, dass die Börse kein USDT/USD-Handelspaar anbietet und das daher eine absichtliche Strategie war. Es sollte so aussehen, als ob ein großes Volumen solcher Geschäfte an der Börse stattfände. Tatsächlich können Bifinex-Nutzer nur Tether- und US-Dollar über ihre Konten ein- und auszahlen lassen und solche Geschäfte nicht ausführen.
Eine Vertreterin von CMC teilte mit, dass die Daten von Bitfinex hauseigener öffentlicher Anwendungsprogramm-Schnittstelle (API) stammen. Im Artikel von CoinDesk hieß es sie sei hinsichtlich der Bedeutung des Datenpunkts selbst "verwirrt".
Bitfinex hat seine Antwort getwittert, um die Angelegenheit klarzustellen. Dazu gab es einen Link zum ursprünglichen CoinDesk-Artikel. Der Tweet erklärt:
"api.bitfinex.com/v1/movement_volume/tether ... ist die Summe der USDt dep/wds zu/von Bitfinex. Wir 'veröffentlichen' keine gefälschten Zahlen; die API-Methode heißt 'movement_volume' und ist nicht Teil unserer Ticker-API. Nicht von uns gepusht, sondern von CMC herausgezogen. Ein weiteres nicht so brillantes Beispiel für Anti-Bitfinex/Tether-FUD."
Der API-Link, der sowohl von der Börse als auch von der Vertreterin von CMC an Coindesk übermittelt wurde, führt bei Redaktionsschluss nicht zu einer Live-Webseite. Auf der Webseite von Bitfinex wird darauf hingewiesen, dass einige Bereiche der API eine Authentifizierung erfordern könnten.
Bitfinex hat auf die Anfrage von Cointelegraph nach einem Live-Link bis Redaktionsschluss nicht reagiert.
Bitfinex sah sich kürzlich dazu gezwungen, Gerüchte zurückzuweisen, dass die Börse "zahlungsunfähig" sei oder mit Bankproblemen konfrontiert sei. Zuvor gab es Berichte, dass sein Bankpartner, die Noble Bank International aus Puerto Rico, einen Käufer suchte und sowohl Bitfinex als auch die Tochtergesellschaft Tether als Kunden verloren hatte.
In der folgenden Woche setzte die Plattform vorübergehend alle Fiat-Überweisungseinzahlungen ohne Angabe eines bestimmten Grundes aus, obwohl sie in ihrer vorherigen Erklärung eingeräumt hatte, dass es "weiterhin Komplikationen" für Bitfinex "im Bereich der Fiat-Transaktionen" gebe.
Die weitschweifige Geschichte der Bankbeziehungen der Börse geht bis auf April 2017 zurück, als die US-Bank Wells Fargo & Co. sich mutmaßlich weigerte, als Korrespondenzbank weiterzuarbeiten. Bitfinex hat daraufhin eine Klage gegen die Bank eingereicht, die aber schnell fallen gelassen wurde.
Tether wurde wiederholt dafür kritisiert, dass seine Behauptungen im Zusammenhang mit der Eins-zu-Eins-Deckung durch den US-Dollar unzureichend transparent sei. Einige warfen der Firma sogar vor, einen mutmaßlichen Mangel an Fiat-Reserven in Zusammenarbeit mit Bitfinex zu verschleiern.
Die Gerüchte verschärften sich, als Tether im Januar dieses Jahres mutmaßlich seine Beziehung zu einem externen Wirtschaftsprüfer auflöste. Eine inoffizielle Prüfung im Juni ergab jedoch, dass Tether über den entsprechenden Betrag an Dollarreserven verfügte, die bei einer nicht namentlich genannten Bank gehalten werden.
Der Krypto-Investor und Unternehmer Michael Novogratz kommentierte die Kontroverse um die Tether-Transparenz vor kurzem, gerade als der Coin kurzzeitig unter einen US-Dollar gefallen war. Es fiel vorübergehend auf bis zu 0,91 US-Dollar (0,80 Euro). Außerdem gab es Berichte darüber, dass Anleger das Vertrauen in den Vermögenswert verlieren würden.
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