Kryptokurse gehen stark zurück: Beträchtliche Verluste bei Kryptowährungen

Fast alle Top-100-Kryptowährungen hinsichtlich der Marktkapitalisierung haben heute, 22. Juni, innerhalb weniger Stunden beträchtliche Verluste verzeichnet, wie Daten von Coin360 zeigen.

Marktvisualisierungen von Coin360

Marktvisualisierungen von Coin360

Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen ist bei Redaktionsschluss auf knapp unter 268,4 Mrd. US-Dollar (231,04 Mrd. Euro). Damit ist sie über den Tag um 16 Mrd. US-Dollar (13,7 Mrd. Euro) gesunken.

Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen von Coinmarketcap

Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen von Coinmarketcap

Bitcoin (BTC) liegt bei Redaktionsschluss bei etwa 6.386 US-Dollar (5.497 Euro) und ist damit innerhalb von 24 Stunden um 7,2 Prozent gesunken. Die führende Kryptowährung hat nun eine dreitägige Flash-Rallye umgekehrt gemacht, bei der sich der Kurs auf bis zu 6.792 US-Dollar (5.846 Euro) am 19. Juni erholte.

Bitcoin-Kurschart

Bitcoin Kurschart. Quelle: Cointelegraph Bitcoin-Kursindex

Ethereum (ETH) hat in den letzten 24 Stunden einen noch schwereren Verlust verzeichnet. Er ist um 8,2 Prozent zurückgegangen und lag bei Redaktionsschluss bei etwa 492 US-Dollar (423,52 Euro). Der führende Altcoin erholte sich kurzzeitig vom 18. bis 21. Juni und hat wieder die Spanne zwischen 520 US-Dollar (447 Euro) und 540 US-Dollar (464 Euro) erreicht, fiel aber heute wieder unter die Marke von 500 US-Dollar (430 Euro) und liegt nur etwas über seinem Intra-Wochentief von 485 US-Dollar (417 Euro).

Ethereum-Kurschart

Ethereum-Kurschart. Quelle: Cointelegraph Ethereum-Kursindex

Alle Top-Ten Kryptowährungen hinsichtlich der Marktkapitalisierung haben laut Coinmarketcap innerhalb von 24 Stunden zwischen 4 und etwa 10 Prozent verloren. Dabei ist EOS am stärksten gefallen und lag bei Redaktionsschluss bei 9,45 US-Dollar (8,13 Euro) gehandelt. Damit ist er um 10,08 Prozent gefallen.

Anfang der Woche haben EOS-Blockproduzenten präventiv gehandelt, um Diebstahl zu verhindern, indem sieben Konten eingefroren wurden, die durch den Registrierungsprozess wegen Phishing-Betrug gefährdet waren. Die Maßnahme führte zu Kritik durch Kommentatoren, darunter die hochkarätigen Akteure der Kryptoindustrie Nick Szabo und Charlie Shrem:

Der Rückgang bei EOS in dieser Woche könnte auch damit zusammenhängen, dass er der meistgehandelte Altcoin an der führenden südkoreanischen Kryptobörse Bithumb ist, von der 25,8 Mio. Euro gestohlen wurden, nachdem ihre Hot-Wallet in der Nacht vom 19. Juni gehackt wurde.

Chart

Zum Zeitpunkt des Hacks war Bithumb die sechstgrößte Kryptobörse hinsichtlich des Handelsvolumens weltweit, ist aber nach den Berichten über den hochkarätigen Vorfall nun auf den neunten Platz gerutscht.

Die vollständigen Details des Hacks müssen zwar noch geklärt werden, aber Bithumb sagte, dass es "keinen Schaden" für ihre Kunden geben werde, und bestätigte gestern, dass sie die betroffenen Benutzer entschädigen werde. Die Börse sagt, dass sie eng mit der Korea Internet & Security Agency (KISA), dem koreanischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MIC), der nationalen Polizei und anderen zusammenarbeitet, um den Diebstahl zu untersuchen. Außerdem hieß es, dass sie "systematische Maßnahmen" ergreifen werde, um eine Wiederholung eines solchen Vorfalls zu verhindern.

Derartige Nachrichten über einen Sicherheitsverstoß auf einer wichtigen Krypto-Handelsplattform können das Marktvertrauen zwar in nächster Zeit erheblich erschüttern, aber Analysten haben diese Woche die Kryptomärkte mit Blick auf die technische Leistung dennoch aufmerksam verfolgt.

Der Präsident von Blue Line Futures hat gesagt, dass die annualisierte Volatilität von Bitcoin in den letzten 30 Tagen auf 61 Prozent im Vergleich zu seinem Höchststand von über 150 Prozent im letzten Jahr zurückgegangen ist. Die Statistiken würden nun anzeigen, dass "der Verkauf erschöpft ist", was bedeutet, dass Kryptowährungen wahrscheinlich gerade dabei sind, einen Boden zu bilden.

Der traditionelle Finanzsektor verfolgt weiterhin aufmerksam die Entwicklungen im Bereich Krypto und Blockchain. Dabei sagte der Direktor der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Thomas Moser diese Woche, dass Kryptowährungen und Blockchain-Technologie noch zu rudimentär sei, um die Herausgabe einer staatlich gestützten digitalen Währung in Betracht zu ziehen, und dass er sich nicht in absehbarer Zeit einen "E-Franc" vorstellen könne. Auf der Crypto Valley Blockchain-Konferenz in Zug gab der Direktor zu, dass die Blockchain-Technologie Potenzial hat, aber nur, wenn sie "ganz anders aussieht als heute".

Erst gestern hat Bloomberg Terminal angekündigt, dass es jetzt den Kryptowährungsindex der Kryptobörse Huobi auflisten würde. Das sei ein Zeichen dafür, dass Kryptowährungen in den Mainstream-Finanzmarkt eingeführt werden. Bloomberg Terminal wird auch die Kurse für neun Krypto-Handelspaare auflisten, die auf Tether (USDT) lauten. Darunter Bitcoin (BTC), Litecoin (LTC), Bitcoin Cash (BCH), Ethereum Classic (ETC), Ripple (XRP), Dash, EOS und ZCash.

Die führende US-Investment-Banking-Gruppe Goldman Sachs hat diese Woche enthüllt, dass sie weiter Kryptowährungs-Handelsderivate erforsche. Dabei hat der Leiter der Betriebsabteilung (COO) David Solomon erklärt, dass das Unternehmen zwar bereits Kunden bei öffentlich gehandelten Derivaten wie Bitcoin-Futures unterstützt, aber auch "sehr vorsichtig" über "einige andere Aktivitäten" in diesem Bereich nachdenkt.