Krypto-Preise immer beliebter: Zauberhaftes Marketing oder noch so ein Betrug?

Die Kunstwelt, die Videospielwelt und sogar einige App-Entwickler springen auf den Kryptowährungszug auf und betrachten solche als den perfekten Preis, um ihre Arbeit für Leute attraktiv zu machen. Aber was ist das letztendliche Ziel für diese Leute und Unternehmen?

Es gibt natürlich viel freies Marketing, wenn Kryptowährungen mit etwas in Verbindung gebracht werden - der Immobiliensektor hat das gespürt. Aber einem abstrakten Künstler wie Andy Bauch gibt das seiner Arbeit mehr Faszination und Interesse.

Glücksspielunternehmen haben auch eine technologische Verbindung zu digitalen Währungen gefunden und verwenden diese als Preis für einen globalen Markt. Auch sie können vom Hype profitieren, aber mit einem attraktiven Preis auch ein größeres Publikum anlocken.

Warum ist das jetzt so?

Preise sind nichts Neues, besonders wenn es um Spiele oder gar Sportveranstaltungen geht. Der Reiz von Bitcoin weitet sich jedoch nun auch auf Puzzles und Gemälde aus. Was bringt es, einen Bitcoin-Preis in einem Spiel, das jemand gewinnen kann, oder in ein Puzzle, das jemand lösen kann, in einem Gemälde einzubauen?

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Bitcoin-Nachrichten generell viel Hype und kostenlose Werbung bekommen. Es gab viele Fälle, in denen ziemlich banale Ereignisse, wie der Verkauf eines Hauses, plötzlich viel Aufmerksamkeit erregten. Und das nur wegen eines Bitcoin-Preises.

Der Immobilienmarkt war ein Paradebeispiel dafür. Ein Haus in Notting Hill in Großbritannien im Wert von 17 Mio. Pfund (19 Mio. Euro) hat seit der Verkaufseröffnung im Oktober letzten Jahres ein beispielloses Interesse bekommen.

Saurabh Saxena, Gründer der Immobilienfirma Houzen sagte über Bitcoin-Marketing im Immobiliensektor:

"Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Bitcoin als Währung oder Austauschmedium nicht halten kann. Er ist lediglich ein Marketing-Gag."

Das gleiche könnte man von diesen neuesten Trend von Bitcoin-Preisen für die Lösung von Rätseln und Spielen sagen.

Jeder weiß, was es bedeutet, ein Künstler zu sein, der nur wenig oder gar keinen Ruhm genießt - siehe Vincent van Gogh. Aber durch die Einführung eines Bitcoin-Puzzles ist man plötzlich in den Nachrichten im Internet und der Name erreicht einen gewissen Bekanntheitsgrad.

Die Legende von Satoshi Nakamoto

Künstlerin Marguerite deCourcelle hat dreimal Bitcoin-Preise in digitalen Gemälden für die Öffentlichkeit versteckt.

Die Bitcoin-Puzzle-Serie "Die Legende von Satoshi Nakamoto" läuft schon lange. Es dauerte fast drei Jahre, bis das dritte Rätsel in der Serie "TORCHED H34R7S" gelöst wurde. Das hat kürzlich ein anonymer Gewinner geschafft.

Als DeCourcelle und ihr Team den Schlüssel für die Bitcoin-Wallet ursprünglich in das digitale Gemälde einbauten, enthielt die Brieftasche 4,87 Bitcoins - was zu dieser Zeit einen Wert von etwa 1.130 Euro hatte.

DeCourcelle erklärte gegenüber Cointelegraph, wie sie zu Kryptowährungen kam und warum sie es für eine gute Idee hielt, diese mit kryptischen Rätseln zu verbinden:

"2013 habe ich Bücher wie Diamond Age, Snowcrash, Ready Player One, Daemon und Freedom gelesen, die alle ein gemeinsames Thema haben: eine Metaverse mit Währung, die sowohl in der realen Welt als auch in der virtuellen Welt wertvoll ist. Ich habe zu dieser Zeit gerade von Bitcoin erfahren. Bitcoin schien mir sofort wie etwas, das diese Barrieren überquerte. Ich habe mir gedacht, dass ich "Geld" in eine Reihe von Informationen zerlegen und visuell mit Mustern oder geschichteten Strategien kodieren könnte, um die Informationen auf eine dynamischere Art und Weise zu kodieren. Mit anderen Worten: ich konnte ein Spiel machen, durch das man dann eine Sequenz erreicht, die sonst verborgen wäre."

"Blockchain ist eine Fundgrube für unerschlossenes Potenzial für die Transzendenz von Information in eine virtuelle Existenz mit gleichzeitigen Wurzeln in der realen Welt. In den frühen Tagen von Bitcoin wurden Künstler gebeten, die Blockchain durch Konzeptkunst zu "zeigen". Das war wirklich schwer. Die Leute wollten auch einen Bitcoin "sehen" - denn es war schwer zu akzeptieren, dass Geld nichts handfestes war. Ich wollte also eine natürliche Brücke schlagen und Leuten den Bitcoin durch Kunst "zeigen".

Neues Geld

Die neue Bilderserie "New Money" des Künstlers Andy Bauch verbindet Kunst und Kryptowährungen, indem er abstrakte Codes in seinem Lego-Artwork versteckt. Die Bilder repräsentieren die privaten Schlüssel zu Wallets, die jeweils bis zu 7.300 Euro in Kryptowährungen enthalten.

Bauch hat wieder mal kostenlose Werbung für die Kombination von Kunst und Kryptowährung bekommen. Dabei hat er die Tatsache genutzt, dass über Kryptowährungen immer stark in den Nachrichten berichtet wird.

Es scheint jedoch, dass Bauch dies nicht nur für den Ruhm tut, da seine abstrakten Stücke offensichtlich eine Geschichte erzählen. Besonders, da die Ausstellung "Neues Geld" heißt.

Ein Spiele-Geschenk

Neben Künstlern verstecken auch Spielefirmen in ihren Spielen Kryptowährungen für diejenigen, die es zuerst durchspielen. Montecrypto: The Bitcoin Enigma ist ein Spiel, in der Spieler in der ersten Person durch eine digitale Welt läuft und 24 "Rätsel" lösen müssen, um den ultimativen Preis von einem Bitcoin zu erhalten.

Die Entwickler sind anonym geblieben und wollen das auch bleiben, bis der Preis gewonnen wird. Aber sie haben in den FAQs erklärt:

"Wir sind nicht hier, um für Bitcoin zu werben. Wir denken, dass es Spaß macht, einen Bitcoin als Preis für unser Spiel zu bieten."

Neon District ist ein weiteres Spiel, das bald veröffentlicht wird und am Ende einen Krypto-Preis bietet. Dieses Mal sind es aber 15 Ethereum (ETH). Dieses Spiel kommt von demselben Team, das hinter der Serie von digitalen Gemälden steht; Sie sind der Meinung, dass Kryptos ein gutes Marketinginstrument sind.

Kann man da betrogen werden?

DeCourcelle sprach mit Cointelegraph über Vertrauen und dessen Bedeutung. Sie erkannte, dass es im Kryptowährungsbereich viele Dinge gibt, auf die man vertrauen kann und viele Dinge, die dieses Vertrauen missbrauchen.

"Ich denke, die Leute sind in Bezug auf Betrug sehr auf der Hut. Ich habe festgestellt, dass meine Rätsel oder meine Unterstützung eines Rätsels den Menschen ein gewisses Vertrauen gegeben haben, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Jeder in diesem Bereich, dem man "vertrauen" kann, macht auf ähnliche Weise Projekte seriös. Aber es braucht nicht viel, um dieses Vertrauen zu erschüttern. Deswegen ist uns dieses Vertrauen sehr wichtig und wir tun unser Bestes, um die Leute nicht in die Irre zu führen."

Nachdem das dritte Rätsel erst letzten Monat in DeCourcelles Serie gelöst wurde, haben sie und ihr Team sich einen guten Ruf in Bezug auf diese winzige, aber wachsende Facette von Kryptowährungen gemacht. Sie räumt jedoch ein, dass unabhängig davon, ob ein Unternehmen oder eine Person Bitcoin-Preise oder Initial Coin Offerings (ICOs) anbietet, das Vertrauen und der Ruf im Vordergrund stehen.

"Ich denke, dass es sogar im ICO-Bereich Leute gibt, die Projekte starten und das aber nicht tun sollten, da sie nie ein bewährtes Produkt auf den Markt gebracht haben. Warum sollten die Leute Zeit oder Geld für etwas aufwenden, das vielleicht nie zum Tragen kommt? Vertrauen und die Fähigkeit, Projekte über die bis zum Ende durchzuziehen, ist für eine Community, die ein Projekt unterstützt, das Wichtigste", sagte sie gegenüber Cointelegraph.

"Wir arbeiten an Systemen, die ohne Vertrauen funktionieren sollen. Aber diese sind immer noch stark darauf angewiesen, Menschen auf der Grundlage von guten sozialen Taten oder Ruf-basierten Systemen zu vertrauen. Die meisten "Werbegeschenke" heutzutage beeindrucken niemanden mehr. Früher konnte man twittern: "1 Bitcoin für einen glücklichen Follower" und ein schickes GIF mit dazu tun. Das funktioniert nicht mehr."

"Der aktuelle Ansatz für das Krypto-Marketing ist es, vertrauenswürdige Marken zu entwickeln, auf die sich die Menschen verlassen können. Die Menschen wollen auch Qualität mit der sie etwas lernen. Dabei wollen sie Beziehungen aufbauen, persönliche Fortschritte machen und nicht ihre Zeit verschwenden. Es geht nicht wirklich um das Geld, das Geld ist nur ein nettes Plus."