Krypto gegen Bargeld - Was die Zahlen über Drogen, Waffen und Morde sagen

In einer Reddit-Fragerunde verlor der Tech-Visionär Bill Gates viele Fans, als er seine Meinung zu Bitcoin äußerte und sich auf ein ziemlich schwaches Argument für seine Verwendung stützte. Es wird "für den Kauf von Fentanyl und anderen Drogen verwendet, also ist es eine seltene Technologie, die auf ziemlich direkte Weise Todesfälle verursacht hat", äußerte Gates.

Aber, Bill, Drogen gibt es schon viel länger als Bitcoin. Und die Leute kaufen sie seit Jahrhunderten. Wie also haben sie das gemacht, bevor diese digitale Währung kam?

Einem Werkzeug wegen zweckentfremdeter Verwendung die Schuld zu geben ist ziemlich dumm. Ja, Drogen können mit Bitcoin gekauft werden, ebenso wie lebensrettende medizinische Verfahren. Man sieht, dass diese digitale Währung nur genau das ist: eine Währung, wie der US-Dollar, der nigerianische Naira, der thailändische Baht und der russische Rubel. Und alle können dazu verwendet werden, Drogen zu kaufen.

Zurückschlagen

Es gab eine Zeit, in der Bitcoin wegen der Umstände oft für den Kauf illegaler Substanzen verwendet wurde. Von Drogen bis hin zu Waffen und sogar Auftragsmördern. Das alles waren Produkte von dunklen Web-Marktplätzen wie der berüchtigten Silk Road.

Bitcoin war die gewählte Währung im Dark-Web, da er viele Eigenschaften hatte, die zu dieser zwielichtigen Unterwelt passten. Er war dezentral, anonym und digital. Bitcoin war also - auf diesem Marktplatz - der einzige Weg für Leute, diese illegalen Substanzen zu kaufen .

Bitcoin war immer noch ziemlich unbekannt und ein sehr kleiner Fisch hinsichtlich seiner Marktkapitalisierung und im Vergleich zu jeder anderen Währung, Vermögenswert oder Markt. Aber zu dieser Zeit wurde er in erster Linie wahrscheinlich für illegale Aktivitäten verwendet.

Aber da Bitcoin auf natürliche Art gewachsen ist und in Mainstream-Märkten übernommen wurde, ist die Verwendung der digitalen Währung im Darknet zurückgegangen. Es gibt empirische Belege dafür, dass Bitcoin bei der Währungswahl im Darknet herausfällt. Aber statistisch gesehen bedeutet Mainstream-Adoption, dass weniger "Kriminelle" Bitcoin halten und ausgeben.

Was sagen die Zahlen?

In einem kürzlich erschienenen Bericht, der im Januar dieses Jahres an der Business School der Universität Sydney veröffentlicht wurde, wurden einige Zahlen zu Bitcoin-Käufen und illegalen Aktivitäten dargelegt.

"Wir stellen fest, dass illegale Aktivitäten einen erheblichen Anteil der Nutzer- und der Handelsaktivität

bei Bitcoin ausmachen", heißt es darin. "Zum Beispiel stehen etwa ein Viertel aller Nutzer, 25 Prozent und fast die Hälfte aller Bitcoin-Transaktionen, 44 Prozent, mit illegalen Aktivitäten im Zusammenhang."

"Darüber hinaus standen etwa ein Fünftel, 20 Prozent des gesamten Dollarwerts der Transaktionen und etwa die Hälfte der Bitcoin-Bestände, 51 Prozent, im Laufe der Zeit mit illegalen Aktivitäten im Zusammenhang."

"Diese Benutzer führen jährlich rund 36 Millionen Transaktionen im Wert von rund 72 Mrd. US-Dollar (58,4 Mrd. Euro) durch und halten insgesamt rund 8 Mrd. US-Dollar (6,5 Mrd. Euro) an Bitcoin."

Angesichts dieser Zahlen, gibt es derzeit fast 28,5 Millionen Bitcoin-Wallets, auf denen sich laut Bitinfocharts.com mehr als 0,001 BTC befinden.

Die meisten Bitcoin-Nutzer haben jedoch mehrere Wallets und verwenden mehrere Wallet-Adressen, um ihre finanzielle Privatsphäre bei Transaktionen stärker zu wahren. Daher ist die Anzahl der Nutzer wahrscheinlich geringer.

Aber im Gegenzug gibt es auch eine Menge inaktiver Wallets und eine Reihe anderer Faktoren, die diese Zahl verzerren. Daher ist alles tatsächlich nur eine Schätzung. Somit können rund 20 Millionen Bitcoin-Nutzern weltweit als faire Einschätzung betrachtet werden.

Die Zahlen sagen nun also, dass fünf Millionen Bitcoin-Nutzer illegale Waren damit gekauft haben. Und 10 Millionen illegale Transaktionen werden pro Jahr durchgeführt. Außerdem wurden bisher etwas mehr als die Hälfte der im Umlauf befindlichen Bitcoins für illegale Aktivitäten genutzt.

Das sind große Zahlen, doch im Vergleich mit anderen Zahlungsmöglichkeiten wird deutlich, dass der Bitcoin-Drogenhandel sehr klein ist.

Was ist mit Waffen und Mord?

Ein Teil der Angst, die mit Bitcoin einhergeht, ist, dass er nicht nur zum Kauf von Drogen verwendet wurde, sondern er anscheinend ein Mittel war, um Waffen und Auftragsmörder zu kaufen. Besonders, wenn es um die Silk Road ging.

Die Wahrheit ist jedoch, dass zwar Waffen auf der Silk Road mit Bitcoin gekauft werden können, sie aber nur einen sehr kleinen Teil des Umsatzes ausmachen.

Nicolas Christin, Assistenz-Forschungsprofessor für Elektro- und Computertechnik an der Carnegie Mellon University, ist einer der Forscher hinter der kürzlichen Tiefenanalyse von Verkäufen auf 35 Marktplätzen von 2013 bis Anfang 2015.

Er erklärt:

"Waffen stellen einen sehr kleinen Teil des gesamten Handels auf anonymen Marktplätzen dar. Es gibt einen kleinen Handel, aber dieser kann ruhig vernachlässigt werden."

Drogen sind da schon eher prävalent. MDMA und Marijuana machen laut Christins Forschung 25 Prozent der Verkäufe auf dem Darkweb aus. Aber Waffen sind derart selten, dass sie der Kategorie "Verschiedenes" zugeordnet wurden. Darunter fallen auch Krimskrams, Elektronik, Tabak, Viagra und Steroide. Zusammen machen diese vielleicht drei Prozent der Verkäufe aus.

 

Bildquelle: www.andrew.cmu.edu

Im Vergleich dazu, machen legale Waffen-Käufe in den USA allein eine große Anzahl aus, wie Daten in Bezug auf Hintergrund-Überprüfungen zeigen.

Die Zahlen zeigen, dass im Jahr 2012 16.808.538 Anträge auf Waffenlizenzen gestellt wurden. Wenn sie genehmigt würden, wären das genug Waffen, um ein Mitglied der NATO-Streitkräfte fast fünfmal auszustatten.

Spuren von Kokain

Um dem direkt einen Kontext zu geben: Es heißt in dem Bericht aus Sydney, dass die Hälfte von Bitcoin irgendwann für illegale Käufe genutzt wurde. In einem Bericht, in dem es nur um US-Dollar geht und der sich nur auf Kokain bezieht, dass 90 Prozent der Banknoten Spuren des weißen Pulvers enthalten.

In dem gleichen Bericht, der die Zahlen für den Bitcoin-Drogenkauf grob darlegt, wird ein weiterer Bericht vom US-Büro des Weißen Hauses für Nationale Drogenkontrolle zitiert. Dieser schätzt, dass Drogenkonsumenten in den Vereinigten Staaten im Jahr 2010 jährlich rund 100 Mrd. US-Dollar (81,1 Mrd. Euro) für illegale Drogen ausgegeben haben.

Im Gegensatz dazu beschreibt der erste Bericht, dass jährlich "36 Millionen Transaktionen im Wert von rund 72 Mrd. US-Dollar" bei Bitcoin vorkommen, was bedeutet, dass 44 Prozent von 72 Mrd. US-Dollar (58,4 Mrd. Euro) - 31,6 Mrd. US-Dollar (25,6 Mrd. Euro) - jährlich weltweit für Drogen ausgegeben werden.

Allein in den USA wurden 2010 100 Mrd. US-Dollar (81,2 Mrd. Euro) für Drogen ausgegeben.

Die überwiegende Mehrheit der Drogenkonsumenten kauft illegale Substanzen immer noch über "traditionellere" Methoden. Laut einer globalen Drogenumfrage im Jahr 2017, kaufen weniger als die Hälfte der Drogenkonsumenten Stoffe über das Darknet, unabhängig vom Land, in dem sie leben. Der globale Durchschnitt von Drogenkonsumenten, die das Darknet verwenden, beträgt 10,1 Prozent.

2017: Haben Sie sich in den letzten 12 Monaten Drogen über das Darknet gekauft?

Bildquelle: www.globaldrugsurvey.com

Keine besondere Schuld

Tatsache ist, dass Bitcoin für illegale Aktivitäten und Substanzen verwendet wird, aber man sollte ihm keine besondere Schuld daran geben. Er ist ein Internet-Werkzeug. Und durch das Wachstum der Online-Käufe in allen Sektoren, ist es nicht verwunderlich, dass diese Währung, die nur online existiert, verwendet wird.

Online-Zahlungen wachsen stetig, da immer mehr Leute sich von Bargeld abwenden. Schweden ist bei der Entwicklung in eine bargeldlose Gesellschaft führend. Diese Online-Zahlungen geben Menschen die Möglichkeit, Waren und Dienstleistungen online zu kaufen.

Da aber Kredit- und Debitkartenkäufe für Drogen und illegale Waren nicht möglich sind oder zumindest sicherlich nicht klug sind, suchen die Leute nach anderen Möglichkeiten. Die Leichtigkeit und Bequemlichkeit des Onlinekaufs erstreckt sich auch auf die illegalen Märkte. Und nur weil es ein Werkzeug dafür gibt, heißt das nicht, dass dieses Werkzeug auch der Feind ist.

Drogen sind der Feind. Und solange es diese gibt, wird es auch Möglichkeiten geben, diese zu kaufen. Dennoch ist Bargeld König, wenn es um den Drogeneinkauf geht. Aber trotzdem ruft niemand dazu auf, den USD zu verbieten, obwohl 100 Mrd. US-Dollar (81,1 Mrd. Euro) zur Drogenepidemie beitragen.