Italiens Wirtschaftsminister (a.D.): „Kryptowährungen sind die Zukunft“

Auf der Code4Future Konferenz, die im Talent Garden in Rom abgehalten wurde, äußerte sich Giulio Tremonti, der ehemalige mehrfache italienische Wirtschaftsminister in den Regierungen von Silvio Berlusconi, zur Zukunft von digitalen Zahlungssystemen und dem Aufkommen von Kryptowährungen.

Im Rahmen der Konferenz nahm Tremonti am 8. November an einer Podiumsdiskussion teil, in der er unter anderem darauf hinwies, dass die Finanztechnologie neue Wege ebnet, die sowohl Privatwirtschaft als auch das Bankensystem grundlegend verändern könnten:

„Banken könnten von den Innovationen in der Finanztechnologie leicht überrumpelt werden. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Zusammenarbeit zwischen dem klassischen Bankenwesen und der digitalen Finanzbranche gibt. Es muss eine Struktur geschafft werden, die auf neue Technologien setzt, aber alte Werte beibehält.“

In diesem Zusammenhang ging er auch darauf ein, dass das klassische Bankensystem seine Vertrauenswürdigkeit in der Bevölkerung zunehmend verspielt. Dies sieht Tremonti allerdings als wichtige Voraussetzung für die Erbringung von Finanzdienstleistungen, weshalb er hofft, dass innovative Technologien dabei helfen können, Vertrauen neu aufzubauen:

„Wie können wir diese Vertrauenswürdigkeit zurückgewinnen? Wir müssen alte Grundlagen mit neuen Ideen verknüpfen, damit sich nicht wieder eine ähnliche Situation ergibt wie für die Banken. Das Konzept der Vertrauenswürdigkeit von zentralen (Finanz-)Institutionen ist seit jeher Bestandteil unserer Gesellschaftsform, das wusste schon Goethes Faust.“

Im weiteren Verlauf der Podiumsdiskussion nahm der Wirtschaftsminister außer Dienst (a.D.) noch Stellung zur geplanten Facebook Kryptowährung Libra. Seiner Meinung nach könnte diese einen revolutionären Charakter haben, der das Verständnis von Geld völlig neu definiert:

„Es wird einen Wechsel von altem Geld zu neuem Geld geben, da bin ich mir sicher, ich kann nur nicht genau sagen, wann. Unsere Kinder werden in einer Welt leben, in der Währungen völlig anders geschöpft werden.“

Demnach befinden wir uns erstmals in der Menschheitsgeschichte in einer Situation, in der eine Währung nicht mehr zwangsläufig von einer Regierung herausgegeben werden muss. Dies kann letztendlich jedoch nur dadurch erreicht werden, dass die Bevölkerung Teile ihrer Souveränität abgibt, wie Tremonti feststellt:

„In naher Zukunft werden die Menschen Teile ihrer Souveränität an einflussreiche Unternehmen wie Facebook abtreten. Da solche Unternehmen so groß und mächtig sind, haben wir das Gefühl, dass das Abtreten unserer Souveränität die richtige Entscheidung ist, weil wir dafür etwas zurückbekommen.“

Die Pläne um eine chinesische Digitalwährung sieht er ähnlich kritisch:

„Die Welt wird zweigeteilt zwischen den demokratischen USA und dem digitalen Despotismus von China. Im chinesischen System geht es nur um Kontrolle. Dementsprechend halte ich auch die chinesische Digitalwährung für ein Kontrollinstrument und nicht für ein Finanzinstrument.“

Abschließend hatte Cointelegraph noch Gelegenheit, den ehemaligen Wirtschaftsminister nach Kryptowährungen wie Bitcoin zu befragen, worauf dieser wie folgt antwortete:

„Kryptowährungen sind die Zukunft und das kann man nicht aufhalten. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass Bitcoin einen schwammigen rechtlichen Status hat und das ist ein Problem. Nach den Regeln der Buchhaltung müsste man Bitcoin als Vermögenswert in seine Bilanz schreiben, aber wenn das so ist, muss man dann auch Einkommensteuer entrichten, wenn man seine Bitcoin wieder verkauft? Das ist noch eine ziemliche Grauzone.“