FT: Britischer Abgeordneter tritt von zwei Blockchain-Positionen zurück

Ein hochkarätiger britischer Konservativer Abgeordneter (MP) ist von zwei Blockchain-bezogenen Positionen zurückgetreten, nachdem es Medien-Ermittlungen zu einem mutmaßlich geheimen Zahlungsgeschäft für seine Beraterstelle bei einem Blockchain-Startup gab. Das geht aus einem Bericht von FT Alphaville von gestern, 1. August, hervor.

Grant Shapps, der ehemalige Vorsitzende der Konservativen Partei bis zu seinem Rücktritt im Zuge eines Mobbing-Skandals im Jahr 2015, hat diese Woche einen doppelten Rücktritt von seiner Position als Vorsitzender der Regierung für das Blockchain-Eigentumsportal OpenBrix sowie von seinem Mitvorsitz bei der britischen Allparteien-Fraktion (APPG) für Blockchain eingereicht.

Shapps hatte die Blockchain-APPG zusammen mit einem anderen Tory-Abgeordneten im vergangenen Jahr gegründet, so FT Alphaville.

Zu diesem Schritt des Abgeordneten kam es, nachdem FT Alphaville aufgedeckt hatte, dass er möglicherweise "Hunderttausende von Pfund" in digitalen Token noch vor dem Start des Initial Coin Offering (ICO) von OpenBrix erhalten sollte. Er hatte zuvor seine Beteiligung als "unbezahlte" Stelle im parlamentarischen Register der finanziellen Abgeordneten-Interessen angeben.

Aus dem Gespräch von FT mit dem Mitbegründer und CEO von OpenBrix Shahad Choudhury ging hervor, dass Shapps im Rahmen eines Beratungsvertrags bei dem Startup eingestellt worden war und Anspruch auf eine "ungefähr vergleichbare" Token-Zuteilung wie die OpenBrix-Mitbegründer hatte. Diese beträgt 8 Millionen BRIX-Token. Jeder BRIX-Token ist Berichten zufolge 0,001 Ethereum (ETH) wert, was laut aktuellem Kurs insgesamt etwa 3,2 Mio. Euro entspricht.

Shahad Choudhury ist selbst hauptberuflich Beamter bei der britischen Exportkreditagentur und war Hauptredner bei der Eröffnungssitzung der Blockchain-APPG.

Die Berichte von FT in Bezug auf diesen Fall heben eine zweifelhafte "Überschneidung zwischen Wirtschaft und Politik" im britischen Parlament hervor und erklären, dass die Blockchain-APPG einen weiteren Mitbegründer von OpenBrix als ständigen "Expertenberater" für die parteiübergreifende Gruppe angestellt haben.

Auf die Anfragen von FT, warum Shapps seine Position als "unbezahlt" angab, antwortete der Abgeordnete Berichten zufolge, dass er von seinem Registrar explizit dazu aufgefordert worden sei. Außerdem erklärte er, dass "der voraussichtliche finanzielle Gewinn nur dann angegeben werden kann, wenn es tatsächlich zu einem solchen kommt".

Inmitten der Bemühungen seitens von FT hat der OpenBrix-Vorstand die Vergütungsvereinbarung überarbeitet, um die Gesamtzahl der ausgegebenen Token deutlich zu reduzieren und breiter zu verteilen. Die überarbeiteten Bedingungen - die Berichten zufolge noch vor Shapps Rücktritt am Dienstag angeboten wurden - hätte der Abgeordnete immer noch Anspruch auf "mindestens 482.353 BRIX-Token" bzw. laut aktuellem Kurs etwa 191.000 Euro.

Shapps ist Berichten zufolge bekannt für seine Krypto- und Blockchain-Begeisterung. Er verriet im Rahmen seiner "Building a Blockchain Britain"-Rede auf einer Konferenz im Juni 2018, dass er Ethereum in seiner Garage gemint hatte.

Der CEO von OpenBrix ist Berichten zufolge verwirrt über den doppelten Rücktritt des Abgeordneten und hat mutmaßlich vorgeschlagen, dass die Anfragen von FT zu Shapps Ausstieg geführt haben könnten.

Der Tory-Abgeordnete und Blockchain-Befürworter Matt Hancock hielt in diesem Frühjahr eine Rede, in der er von den "monumentalen Auswirkungen" sprach, die die Blockchain-Technologie auf den Finanzsektor, Regierungsdienste, Gesetze und Regulierungen haben könnte.