Warum Malta auf dem Weg zum Blockchain-Zentrum der Welt ist: Gespräch mit einer führenden Anwaltskanzlei

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Am 4. Juli hat das Parlament von Malta einen gesetzlichen Rahmen für die Regulierung Blockchain-Technologie verabschiedet, wodurch Malta zu einem der ‚Blockchain-freundlichsten‘ Länder der Welt wird.

Cointelegraph hat Simon Schembri zum Gespräch gebeten, einem der Partner bei Ganado Advocates —einer der führenden maltesischen Anwaltskanzleien, die in die Gestaltung des Gesetzesentwurf eingebunden war — um zu erfahren, was diese für Land, Investoren und die Zukunft bedeutet.

Wie alles begann

„Es ging vor ein paar Jahren los, als sich bei kleineren Firmen des Landes eine gewisse Eigendynamik zum Thema entwickelte und dann nahm das Ganze seit Juni letzten Jahres schlagartig zu, nachdem die derzeitige Regierung wiedergewählt wurde.“

„Die Absicht war, Malta zum Zentrum für Blockchain zu machen und dadurch eine Vielzahl an Investoren für das Land zu gewinnen. Und ich denke, die Zielsetzung der Gesetzgebung  hat jetzt schon Interesse geweckt. Als Kanzlei wurden wir nahezu mit Anfragen überflutet und arbeiten derzeit schon an einigen Transaktionen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhält und sich sogar verstärken wird, sobald die Gesetze in Kraft treten.“  

Silvio Schembri, Junior Minister für Finanzdienstleistungen, Digital -Wirtschaft & Innovation

„Malta ist das erste Land auf der Welt, das rechtlichte Klarheit auf diesem Gebiet geschaffen hat.“

Warum Unternehmen  Malta als Standort in Betracht ziehen sollten

„Wir machen die Dinge anders, als andere Regionen und konzentrieren uns nicht ausschließlich auf ICOs und Finanzanlagen. Wir haben einen vollumfänglichen gesetzlichen Rahmen für DLTs (Distributed-Ledger-Technologie) und Blockchain geschaffen, worunter ebenso ICOs, Krypto-Anlagen, Aufsichtsbestimmungen, Handel, Geldanbieter, etc. fallen.“

„Das gibt DLT Entwicklern, die noch am Grundgerüst bauen die Möglichkeit, nach Malta zu kommen und sich freiwillig — falls sie denn wollen — zu registrieren oder ihr DLT Framework lizensieren bzw. zertifizieren zu lassen durch unsere neue Innovations-Behörde, die Malta Digital Innovation Authority. Dies gibt dem DLT Framework wiederum eine gewisse Legitimierung. Jeder weiß, dass eines der Hauptprobleme — was die Krypto-Branche angeht — die Zusammenarbeit mit Banken ist. Wenn man allerdings DLT Frameworks, Blockchain und Kryptowährungen in irgendeiner Weise regulieren kann, dann gibt es der Sache automatisch eine Legitimierung. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass wir Malteser nicht mit harter Hand regulieren wollen. Es wurde eine dreiteiliges Gesetz eingeführt, das auf klaren Prinzipien basiert und nicht übermäßig streng ist.“     

OKEx Geschäftsführer Chris Lee:

„Wir freuen uns darauf mit der Regierung von Malta zusammenzuarbeiten, da sie progressiv denkt und viele unserer Wertvorstellungen teilt: Besonders wichtig sind uns dabei der Schutz von Anlegern und der allgemeinen Öffentlichkeit, Einklang mit Geldwäsche-Gesetzen und Kenne-Deinen-Kunden Standards sowie die fortlaufende Innovation und Wichtigkeit bei der Weiterentwicklung des Blockchain-Ökosystems.“

Viele Krypto-Unternehmen haben ihre Firmen schon nach Malta verlagert, darunter Binance, OKEx, Tron, etc. Am 12. Juli hat Binance seine Pläne bekanntgegeben, auf der Insel eine ‚Blockchain-basierte Bank‘ für Investoren digitaler Tokens aufzumachen.

Über die Pläne einer nationalen Kryptowährung

„Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine feste Agenda der maltesischen Regierung. Allerding sind wir uns bewusst, dass andere Länder dies in Erwägung ziehen und haben dahingehend Schritte unternommen. Es wäre also keine Überraschung, falls es doch dazu kommen würde.“

Über das Ökosystem für Kryptowährungen

„Wie zuvor erwähnt, die rechtlichen Rahmenbedingungen sind darauf ausgelegt, eine vollumfängliche Gesetzeslage für alle Bereiche zu schaffen, darunter auch virtuelle Finanzanlagen. Das Ziel der Aufsichtsbehörde – in diesem Fall die Finanzaufsicht von Malta — ist es, Richtlinien für die Erstellung von einem White Paper (Veröffentlichungsblatt für ICOs) zu bestimmen. Damit wird es für Firmen gleichzeitig leichter Initial Coin Offerings durchzuführen.“

Über weitere Initiativen

„Das Momentum liegt jetzt in Malta: Es gibt eine Vielzahl an Vorgängen, die von der Regierung oder dem privaten Sektor angestoßen werden. Zum Beispiel wir als Anwaltskanzlei hatten letztens eine Konferenz, um die drei Gesetze vorzustellen. Wir sind immer sehr aktiv auf Veranstaltungen, die von verschiedensten Organisationen gehalten werden. Im Oktober gibt es in Malta drei wichtige Events, die nicht nur für die maltesische Öffentlichkeit angeboten werden, sondern auch viele internationale Gäste anlocken werden, die erfahren wollen, was Malta in dieser Hinsicht vor hat.“

„Wir sind jetzt ins Blickfeld geraten, allein weil wir die erste Nation sind, die darauf abzielt, den ganzen DLT Bereich vollständig zu regulieren und wir haben schon eine Vielzahl an wichtigen Marktakteuren zu einem Umzug nach Malta bewegen können.“

Warum andere Regierungen die Blockchain-Branche ebenfalls fördern sollten

„Ich kann verstehen, dass es Skeptiker gegenüber Krypto gibt, das ist die Realität. Unsere Regierung — ich muss darauf hinweisen, dass diese nicht die einzige maltesische Regierung ist, sondern die Opposition — ich meine Malta als Ganzes, hat diese Entwicklung bejaht. Allein die Tatsache, dass die Gesetzesentwürfe einstimmig im Parlament verabschiedet wurden, etwas nicht alltägliches in Malta, vermittelt einen Eindruck davon, wie Malta in seiner Gesamtheit dies als Weg der Zukunft ausgemacht hat. Selbst die seriösesten Investoren im Krypto-Bereich müssen einsehen, dass irgendeine Art der Regulierung notwendig ist. Ich gehe davon aus, dass das was wir vormachen bald so von anderen Ländern übernommen wird.“

The interview was edited and condensed.